Forst / Deidesheim RHEINPFALZ Plus Artikel Glückliche Hühner: Zu Besuch bei Hobby-Landwirt Oliver Wittmer

Oliver Wittmer betreibt Landwirtschaft aus Leidenschaft.
Oliver Wittmer betreibt Landwirtschaft aus Leidenschaft.

Zu Ostern gehören Eier, wir färben, verstecken, verschenken und essen sie. Die wenigsten stammen allerdings von Hühnern, die wirklich frei herumlaufen können. So wie die von Oliver Wittmann aus Deidesheim. Dabei ist die Nachfrage groß.

Es ist so etwas wie ein Vorgriff auf Ostern, dieser Besuch bei Oliver Wittmer. Wittmer geht erst einmal Eier suchen. Aber natürlich weiß er, wo er sie findet. Und er ist sich auch ziemlich sicher, dass welche da sind. Schließlich sind die gefiederten Damen, die hier auf dem Gelände bei Forst herumspazieren, sehr zuverlässige Produzentinnen.

Sechs Eier hat er dann auch in der Hand, als er aus dem Verschlag herausklettert, in dem die Hühner üblicherweise die Nacht verbringen. Ob er sich, fürs Pressefoto, noch eine Henne schnappen und sie auf den Arm nehmen könnte? Wittmer kommt dem Wunsch nach, mit ein bisschen Futter ist das Federvieh schnell angelockt. Der Hobby-Landwirt balanciert die Eier auf einer Hand, hält das Huhn mit der anderen. Doch kaum ist das Foto geschossen, passiert, was nicht hätte passieren dürfen: Das Huhn auf seinem Arm fängt an zu zappeln, ein Ei fällt hin, zerbricht. Die anderen Hühner stürzen sich darauf und verschlingen es, als hätten sie drei Wochen nichts zu fressen bekommen. „So etwas darf nicht oft vorkommen“, sagt Wittmer zerknirscht. Die Hühner kommen sonst nämlich auf den Geschmack und fangen an, ihre Eier aufzupicken und selbst zu verspeisen. Nicht ganz im Sinne des Halters.

Mit Schafen fing alles an

Rund 90 Hühner hat Oliver Wittmer, der im „richtigen“ Leben als Industriemeister bei der BASF arbeitet. Die Landwirtschaft, das ist sein Hobby. „Ich hatte schon immer eine Leidenschaft dafür“, erzählt er. Als Kind sei er jedes Jahr in Bayern gewesen, wo seine Mutter herstammte. Die Nachbarn hatten einen Bauernhof, da ist er auf den Geschmack gekommen. Selbst angefangen hat der Deidesheimer vor 20 Jahren mit Schafen. Noch heute beweidet er mit rund 40 Tieren Flächen bis Ludwigshafen. Dann sind die Hühner dazugekommen, der Eier wegen. Wittmer verkauft sie teils selbst, im eigenen Lädchen am Marktplatz in Deidesheim. Einen Teil gibt er aber auch an die Gastronomie ab und an die Metzgerei Stähly in Niederkirchen.

„Die Nachfrage steigt“, erklärt Wittmer. „Immer mehr Leute wollen wissen, wo ihr Essen herkommt.“ Er könnte mehr verkaufen, aber die Sache muss für ihn händelbar bleiben. Schließlich ist es ein Nebenerwerb. Allerdings ein anspruchsvoller. Jeden Morgen, jeden Abend muss er raus zu den Tieren. Zum Glück wird er dabei unterstützt von Ehefrau Elke, Tochter Lucy und seiner Schwester Yvonne. Seit rund fünf Jahren hält Wittmer auch Schweine, zwölf Stück sind es derzeit. Jeden Morgen geht er um fünf Uhr raus zum Füttern. Im Winter sei das nicht immer ein Vergnügen, räumt er ein.

Freundschaft mit Metzger Stähly

Mit den Schweinen ist das ohnehin nicht so unkompliziert wie mit den Hühnern. Wittmer muss sicherstellen, dass sie nicht ausbüxen können, dass sie auf keinen Fall Kontakt zu Wildschweinen haben können. Wegen der afrikanischen Schweinepest. Die Tiere werden deshalb rund um die Uhr von scharfen Hunden bewacht. Ob man sich das mal anschauen könnte? „Nein, lieber nicht“, entscheidet Wittmer. „Die Hunde drehen sonst durch.“

Das Fleisch geht ebenfalls zum Teil an Gastronomen aus der Region und an die Metzgerei Stähly. Mit Johannes Stähly verbindet Wittmer eine langjährige Freundschaft. Als Stähly vor zwei Jahren mit seiner Metzgerei innerhalb des Ortes umzog, entschied Wittmer, die Räume der alten Metzgerei zu mieten. Dort hat er jetzt, eng begleitet vom Veterinäramt, einen Raum zur Schlachtung von Hühnern eingerichtet.

Schweine darf er dagegen nicht selbst schlachten. Er muss sie zum Schlachthof in Worms bringen, der nach der Schließung des Schlachthofs in Mannheim inzwischen der nächstgelegene ist. Wenn es dann so weit ist, nimmt Wittmer bei der BASF Urlaub, fährt früh am Morgen nach Worms und bringt das Fleisch „schlachtwarm“ zu Stähly nach Niederkirchen. Die Wurst machen die beiden dann zusammen. „Ich hab eine bessere Ausstattung“, erklärt Stähly.

Personalmangel als Hauptproblem

Umgekehrt ist es für ihn ein Vorteil, einen Produzenten vor Ort zu haben. „So sollte es eigentlich sein“, erklärt Stähly. Auch beim Rindfleisch hat er seine lokale Quelle: den Niederkirchener Landwirt Canisius Seckinger. „Die Nachfrage nach Fleisch aus der Region ist groß.“ Doch die Produktion sei eben nicht einfach. Vor der Leistung Wittmers habe er größten Respekt. Leben könnte dieser freilich nicht von seinem Hobby. „Dafür müsste man das viel größer aufziehen.“

Stähly ist mittlerweile einer der wenigen selbstständigen Metzger mit Sitz in einem kleinen Ort. Insgesamt sinkt die Anzahl der Fleischerei-Betriebe in Deutschland kontinuierlich, im ländlichen Raum ist die Lage besonders schlecht. Das Hauptproblem sei der Personalmangel, erklärt Stähly. So musste er selbst Ende vergangenen Jahres seine Filiale, die er im Frischemarkt Becker in Hambach betrieb, aufgeben. „Das war schade, denn das Geschäft lief gut“, bedauert Stähly. Aber ohne Verkäufer funktioniere es eben nicht.

Der Hahn und seine Hennen.
Der Hahn und seine Hennen.

Zurück zu Wittmer und dem Federvieh. Neben den Hühnern, die der Eierproduktion dienen, hat Wittmer seit vergangenem Jahr auch Masthähne. Die Gänse hat er dagegen abgegeben. Das sei ein termingebundenes Geschäft und habe seine eigenen Regeln. Und „zwei Baustellen“, das sei zu viel. Also spezialisiert er sich jetzt auf Mastgockel. Abgegeben hat er auch die Esel, die er einmal hatte. Gänse und Esel gibt es nur noch als Postkarten-Motive, erhältlich in Wittmers Lädchen am Deidesheimer Marktplatz.

Überhaupt, das Lädchen: Wittmer hat viel mehr daraus gemacht als eine einfache Verkaufsstelle für seine landwirtschaftlichen Produkte. OW Genuss, so heißt das Geschäft, hat ein breites Sortiment, zu dem auch kleine Souvenir-Artikel, kandierte Früchte, Senf und Schokolade gehören. Vor allem aber gibt es dort Liköre und Destillate. Letztere sind ebenfalls aus Wittmerscher Produktion. Der umtriebige Hobby-Landwirt ist nämlich auch Schnapsbrenner.

Auch Geißböcke von Wittmer

Auch wenn in Deidesheim gefeiert wird, findet man seinen Namen häufig unter den Anbietern. Er hat seine eigenen Veranstaltungen, kooperiert aber auch mit anderen, beispielsweise mit dem Winzerverein.

Und dann wären da noch die Geißböcke. Die Tiere, die jedes Jahr bei der historischen Versteigerung unter den Hammer kommen, stammen von Oliver Wittmer. Und der ein oder andere kehrt auch nach seiner Versteigerung wieder zu Wittmer zurück. „Die Leute haben ja manchmal gar keinen Platz für die Tiere“, erklärt Wittmer. Auf der Wiese bei Forst aber, das wissen die Besitzer, da geht es ihnen gut. Da sind sie dann wahrscheinlich so glücklich wie die freilaufenden Hühner.

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