Deidesheim RHEINPFALZ Plus Artikel Geotop erlaubt Besuch in der Urzeit

Erdgeschichtlich hochinteressant: die Rheingrabenrand-Verwerfung bei Deidesheim.
Erdgeschichtlich hochinteressant: die Rheingrabenrand-Verwerfung bei Deidesheim.

Am Waldrand zwischen Deidesheim und Forst gibt es eine sehr seltene Naturerscheinung. Dort ist der Einbruch des Oberrheingrabens vor mehr als 50 Millionen Jahren deutlich zu erkennen.

Es ist ein Blick in die Erdgeschichte: Am Deidesheimer Kirchenberg, im oberen Bereich des „Winterstals“ zwischen Deidesheim und Forst, ist eine Bruchstelle zu sehen, eine so genannte Rheingrabenrand-Verwerfung. Drei Schautafeln erklären anschaulich die Fakten zur Geologie, Tektonik und Klimageschichte der Landschaftsentwicklung in der Vorderpfalz. Die Absenkung dauert bis zum heutigen Tag an. Allerdings ist sie mit einer Geschwindigkeit von einem Millimeter pro Jahr für die Menschen kaum wahrnehmbar.

Die Verwerfung der Löß- und Sandsteinschichten ist an der Böschungswand nordwestlich von Deidesheim deutlich zu erkennen. Normalerweise liegen sie übereinander, hier jedoch nebeneinander. Geologie zum Anfassen.

Doch leider nehmen einige Zeitgenossen das allzu wörtlich. „In der letzten Zeit wird hier immer wieder illegal gegraben und werden Steine herausgebrochen“, berichtet Alfons Fürst, Naturschutzbeauftragter der Kreisverwaltung Bad Dürkheim für die Verbandsgemeinde Deidesheim. Früher sei hier kein Überhang gewesen, und auch die heute offene Höhle sei nicht sichtbar gewesen.

Der erdgeschichtlich hochinteressante Ort liegt zwar im Naturschutzgebiet, doch wurde vor einigen Jahren Gestein für einen Wendeplatz abgebaggert. Die Verwerfung beginnt bereits fünfzig Meter oberhalb der Hinweistafeln. Im Frühjahr wurde nun auch noch der dort verlaufende Weg verbreitert. Das sei bei der Flurbereinigung in den 1980er- Jahren nicht erlaubt gewesen, so Fürst.

Mittlerweile hat der Naturschützer einen Antrag bei der Kreisverwaltung Bad Dürkheim eingereicht, das Geotop als Naturdenkmal auszuweisen. Bis ein offizielles Schild aufgestellt wird, können jedoch noch einige Monate vergehen, erklärt Arno Fickus von der Pressestelle der Kreisverwaltung. Für die Unterschutzstellung als Naturdenkmal müsste noch ein Geologe hinzugezogen werden. Die Verkehrssicherung bleibt jedoch weiter beim Grundstückeigentümer, der Stadt Deidesheim.

Die Stelle könne nicht einfach mit einem Maschendrahtzaun gesichert werden, erklärte Stadtbürgermeister Manfred Dörr. Eine mögliche Schutzmaßnahme müsse mit Fachleuten abgeklärt werden. Er appelliert jedoch an die Vernunft der Besucher: Besser ein schönes Foto als Andenken mitnehmen als Steine.

Wie bemerkenswert dieser Ort ist, lässt sich auch daran erkennen, dass die Akademie für Geowissenschaften und Geotechnologien in Clausthal-Zellerfeld im vergangenen Jahr das Deidesheimer Geotop, das hier „Rheingrabenrandstörung am Hahnenbühl“ genannt wird, als neues Nationales Geotop in die Liste der bedeutendsten Geotope Deutschlands aufgenommen hat. Damit erhält es das Prädikat „Nationaler Geotop“.

Die feierliche Urkundenverleihung konnte wegen der Corona-Pandemie noch nicht stattfinden. Dörr ist jedoch sicher, dass es im Herbst eine kleine Zeremonie direkt vor Ort geben kann.

Noch Fragen?

Oberrheingrabens unter www.oberrheingraben.de. Die Ausstellung „Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen“ im historischen Rathaus in Deidesheim geht ebenfalls auf die Besonderheiten des Haardtrands bei Deidesheim ein.

Zur Sache: Geotop

Ein Geotop ist ein Gebilde, das Einblicke in die Erdgeschichte, einschließlich der Entstehung und Entwicklung des Lebens, vermittelt. Das können auffällige Felsformation sein, aber auch versteckte Gesteinseinschlüsse, Höhlen, Schluchten, Geröllhalden oder Quellen. Die Akademie für Geowissenschaften und Geotechnologien hat 2006 als Ergebnis eines Wettbewerbs 77 bedeutenden Geotopen in Deutschland vom Elbsandsteingebirge über die Grube Messel bis zur Partnachklamm das Prädikat „Nationaler Geotop“ verliehen. Auch der pfälzische Teufelstisch ist dabei.

x