Kreis Bad Duerkheim Gemeinsam feiern und gedenken

Der Countdown am Wurstmarktplatz zeigt es unübersehbar an: Nur noch wenige Stunden, dann steuert die Dürkheimer Zeitrechnung wieder ihrem jährlichen Höhepunkt entgegen. Von überall her werden sich dann die Gäste in das Getümmel des weltweit größten Weinfestes hineinbegeben. Es ist ein schönes Gefühl, wenn Menschen unterschiedlichster Couleur zusammenkommen, um miteinander zu feiern und zusammen Spaß haben wollen. Und besonders schön ist es, wenn es dabei ebenso rücksichtsvoll und friedlich zugeht. Die Vergangenheit hat leider gezeigt, dass dies längst nicht immer der Fall ist. So mancher Polizeibericht in der Zeitung liest sich während jener Tage da eher mit gemischten Gefühlen. Auch die verstärkten Sicherheitsvorkehrungen, die aufgrund der zurückliegenden schlimmen Ereignisse in Deutschland wie auch in anderen großen Städten Europas nun leider auch für das sonst eher beschauliche Bad Dürkheim notwendig geworden sind, wecken umso mehr die Hoffnung, dass wir nach dem finalen Höhenfeuerwerk rückblickend werden sagen können: Es war wieder ein schöner Wurstmarkt! Natürlich dreht sich auch während der Wuma-Zeit die Erde weiter. Auf der großen weltpolitischen Bühne bleibt die weitere Entwicklung in der Nordkoreakrise äußerst brisant. Die Hoffnung auf eine diplomatische und friedliche Lösung in allerletzter Minute stirbt bekanntlich erst zuletzt. Dass Kriege nie eine Lösung der von Menschen verursachten Probleme sein können, dazu mahnen unterschiedliche Gedenktage im Jahr. Wenn morgen die Feierlichkeiten zu 600 Jahren Dürkheimer Wurstmarkt eröffnet werden, erinnert zeitgleich der Gedenktag zum Schicksal des Auswandererschiffes „Exodus“ an die Odyssee von 4530 jüdischen Holocaust-Überlebenden. Diesen wurde in der frühen Nachkriegszeit vor 70 Jahren zunächst die Einreise ins damalige Palästina durch die britische Besatzungsmacht verwehrt. Danach strandeten sie in Hamburg und wurden später bei Lübeck interniert, ehe sie aufgrund des öffentlichen Drucks wieder frei gelassen wurden und sich erneut auf ihren Weg zu ihrem ursprünglichen Ziel machen konnten. Auch heute gibt es Menschen in unserer Umgebung, die ihre Heimat verlassen mussten, um anderswo Schutz und Zuflucht zu finden. Vergessen wir bei aller feierlichen Ausgelassenheit diejenigen nicht, die unsere Unterstützung weiterhin dringend benötigen. Und genießen Sie gleichwohl die Wuma-Tage als eine willkommene Auszeit von den Sorgen des Alltags. Nach dem Wurstmarkt ist vor dem Wurstmarkt. Und auch in dieser Zwischenzeit gibt es ganz sicher viel Gutes zu tun! —Michael Kolar ist Gemeindereferent in der Pfarrei Heilige Theresia vom Kinde Jesus in Bad Dürkheim