Deidesheim RHEINPFALZ Plus Artikel Geißbockversteigerung abgesagt – 2022 drei Böcke angepriesen

Dieses Jahr wird es wieder keine öffentliche Geißbockversteigerung vor dem Deidesheimer Rathaus geben.
Dieses Jahr wird es wieder keine öffentliche Geißbockversteigerung vor dem Deidesheimer Rathaus geben.

Jedes Jahr bringt traditionell das jüngste Brautpaar Lambrechts einen Geißbock nach Deidesheim. Das wird dieses Jahr wieder so sein, aber eine Versteigerung des Tieres an Pfingsten fällt erneut aus. Sie soll in den nächsten Jahren nachgeholt werden. Das hat sogar historische Parallelen.

Dass die Geißbockversteigerung ausfallen muss, ist eher ein seltenes Ereignis. Selbst während der beiden Weltkriege hatte sie stattgefunden. Aber die aktuelle Pandemielage um das Coronavirus lässt den Verantwortlichen in Deidesheim und Lambrecht derzeit keine andere Möglichkeit, als die schon im vergangenen Jahr ausgefallene Veranstaltung erneut abzusagen. Es wird auch diesmal fast alles wie im vergangenen Jahr ablaufen. Lambrecht wird also wieder einen Geißbock liefern, der ursprünglich als Abgeltung für Holz- und Weiderecht im Deidesheimer Hinterwald galt. Die Übergabe erfolgt im kleinen Kreis in Deidesheim.

Im vergangenen Jahr waren es in Abstimmung mit dem Gesundheits- und Ordnungsamt zehn Personen, die bei der Zeremonie anwesend waren. Ein touristisches Spektakel mit tausenden Besuchern wird es weiterhin nicht geben. So wird der „gut gehörnte und gebeutelte“ Ziegenbock – übrigens der 618. in der langen Historie der Weiderechte – nach der Übergabe durch das jüngste Brautpaar der Stadt Lambrecht wieder der Herde zugeführt und während des Jahres für ein Beweidungsprojekt eingesetzt.

Historische Parallelen

Die Mitglieder des Ausschusses für Stadtmarketing, Tourismus, Kultur- und Weinwirtschaft waren sich am Dienstagabend einig, auf jegliche Form der Versteigerung zu verzichten. Zur Diskussion stand auch eine Online-Versteigerung, die das Gremien aber aus Gründen des Tierschutzes ebenfalls abgelehnt hat. Seinen Dank richtete Stadtbürgermeister Manfred Dörr an Versteigerer Markus Wahl, der die Verbindung zu der Geißbockspielgruppe aufrechterhält, die inzwischen seit 50 Jahren die Gerichtssitzung aus Anlass der Geißbockversteigerung vor dem Rathaus nachspielt und deshalb auch bei der Übergabe des Bocks einbezogen werden soll.

Außerdem galt Dörrs Dank dem Historiker Berthold Schnabel, der die Stadtratsprotokolle durchforstet hatte und auf das Verfahren von 1858 hingewiesen hat. In jenem Jahr wurden insgesamt acht Böcke angeboten, nachdem Lambrecht wegen Streitigkeiten mit Deidesheim sieben Jahre keinen Bock geliefert und das Appellationsgericht in Zweibrücken verfügt hatte, dass sieben Böcke nachgeliefert und die jährliche Bocklieferung wieder aufgenommen werden musste. Nach diesem Verfahren, das dann auch entsprechend mit Film- und Fotoaufnahmen dokumentiert werden soll, wird somit die nächstmögliche öffentliche Versteigerung stattfinden. So geht Stadtbürgermeister Manfred Dörr davon aus, sofern sich die Pandemielage verbessert, dass dies frühestens im Jahr 2022 möglich sein wird. Dann sollen gleich drei Geißböcke im Halbstundentakt hintereinander öffentlich versteigert werden.

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