Kreis Bad Duerkheim Gastronomie 4.0 bei der Anilin
Die Digitalisierung hat ja längst alle Bereiche unseres Lebens erfasst. Auch die Wirtschaft spricht mittlerweile von der Industrie 4.0 – das ist die Bezeichnung für eine umfassenden Digitalisierung der industriellen Produktion. Menschen, Maschinen und Geräte werden dabei vernetzt. Das größte Unternehmen der Stadt will dabei ein Vorreiter sein. Die BASF entwirft mittlerweile neue Produktionsanlagen am Computer, die man in einem 3-D-Raum virtuell begehen kann. Mit einer speziellen Brille auf der Nase können die Planer durch eine Anlage spazieren und sehen dabei jeden Apparat, jede Rohrleitung und jeden Stahlbauträger – bevor in der Realität die „echte“ Anlage gebaut wird. Im Stammwerk gibt es außerdem selbstfahrende Fahrzeuge, die Güterzüge beladen. Mit künstlicher Intelligenz sollen Anlagen effizienter gewartet werden. Werkleiter Uwe Liebelt ist ein großer Fan der neuen Technologien und will mit dem weltweit größten Chemiewerk Maßstäbe für die ganze Branche auf dem Globus setzen. So dürfte es kein Zufall sein, dass die digitale Euphoriewelle bei der BASF nun auch aus dem Werkstor ins gegenüberliegende Gesellschaftshaus geschwappt ist. Dort gibt’s ab Oktober Gastronomie 4.0. „Experience Tomorrow“ (Erlebe das Morgen), so heißt ein kulinarisches Angebot der BASF-Gastronomie. Dahinter verbirgt sich ein Vier-Gänge-Menü inklusive Weinbegleitung, das von einer Technikshow umrahmt wird. Nichts Geringeres als die „kulinarische Welt von morgen“ erwarte die Gäste, wirbt der Konzern. Zu Werbezwecken wurde eigens auch ein Videofilm gedreht, der bei einem internen Test des Gastroangebots entstand. Die Bilder sind schnell geschnitten und untermalt mit einer Musik, die jedem Actionfilm zur Ehre gereichen würde. Durch den Abend führt eine Computerstimme. Kurze Filme lassen die Gäste Zubereitung und Anrichten der Gerichte mitverfolgen – auch wenn es Einspieler sind, die vorab gedreht wurden. Dass die blecherne Moderation ein bisschen an die uralte Fernsehserie „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt “ erinnert – geschenkt. Dafür beeindruckt die Lichtshow. Auf dem Teller finden die Gäste glücklicherweise Essen aus der realen Welt vor: Lachs, Kalb, Thunfisch, Garnelen und Ente. Dazu gibt’s noch ein bisschen „Nebel“ aus der Molekularküche. Wer sich auf das Abenteuer Zukunft einlässt, muss tief in die Tasche greifen. 117 Euro kostet der Abend. Die „Gastronomie 4.0“ bei der BASF wird daher nicht jedem schmecken.