Kreis Bad Duerkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Freinsheim: Gerhard Hartkorn zum Ehrenbürger ernannt

Versteht sich als „Diener der Stadt“: Gerhard Hartkorn (rechts) erhält von Bürgermeister Matthias Weber die Ehrenurkunde. Im Hin
Versteht sich als »Diener der Stadt«: Gerhard Hartkorn (rechts) erhält von Bürgermeister Matthias Weber die Ehrenurkunde. Im Hintergrund wurden während des Festakts Bilder aus Hartkorns Leben gezeigt. Foto: Franck

Ganz zum Schluss überzog ein Lächeln das Gesicht von Gerhard Hartkorn, der am Samstagabend im Freinsheimer Von-Busch-Hof zum Ehrenbürger seiner Heimatstadt ernannt wurde. Die Verleihung der Ehrenbürgerwürde verfolgte der 85-Jährige mit dem für ihn so typischen skeptisch-prüfenden Gesichtsausdruck, doch als die zahlreichen Besucher ihm zu Ehren „Viel Glück und viel Segen“ sangen, da lächelte Hartkorn.

„In meiner Vaterstadt zum Ehrenbürger ernannt zu werden, das ist etwas ganz Besonderes“, sagte Hartkorn. Er freute sich nicht nur über die Auszeichnung, sondern auch darüber, dass so viele gekommen waren. Er freute sich sicher auch über den Gast, der fast während des ganzen Festakts schlief: der wenige Wochen alte Urenkel Luca.

Er sehe sich als Diener seiner Stadt, sagte Hartkorn, der am 31. Oktober 1934 als Sohn einer Malerfamilie geboren wurde. Nach seiner Malerlehre sei es, als er von 1951 bis 1955 die Meisterschule besuchte, „richtig interessant“ geworden, verriet der Ehrenbürger. Eine der Stationen der Meisterschule war Buxtehude. Die Gestaltungskraft in dieser Stadt und deren Schönheit hätten ihn „geprägt und geformt“.

Schon früh Akzente in der Stadt gesetzt

Hartkorn kehrte nach Freinsheim zurück, wurde Teilhaber im elterlichen Betrieb, heiratete. 1957 wurde Tochter Sonja geboren. Die Arbeit und „das Wiedereintauchen in die Freinsheimer Realität verlangten mir alles ab“, erinnerte sich Hartkorn in der ihm eigenen trockenen Art.

Schon früh habe der junge Malermeister Akzente in seiner Heimatstadt gesetzt, sagte Bürgermeister Matthias Weber (FWG), der die Laudatio hielt. Dies etwa durch Wandmalereien an den Gebäuden des Gasthauses Musikantenbuckel und des Freinsheimer Winzervereins und durch „mutige Farbgestaltungen“. Auch sei Hartkorn zu einem sehr sachkundigen Berater für die Denkmalpflege geworden. Bei Arbeiten an den Anwesen der großen, wohlhabenden Freinsheimer Familien habe er vieles gelernt, berichtete der neue Ehrenbürger.

Inspiriert von Buxtehude und Riquewihr

Er sei „mit offenen Augen“ durch seine Heimatstadt gegangen und habe sich überlegt, wie man Verbesserungen erreichen kann. So wie er das in Buxtehude gesehen hatte. Hartkorn hatte sich früh im Gewerbeverein engagiert, war lange Vorsitzender. Ein Besuch mit dem Gewerbeverein in der elsässischen Gemeinde Riquewihr war für Hartkorn nach Buxtehude das zweite „Schlüsselerlebnis“, wie Weber sagte. Hartkorn sah, dass dort die alten Gebäude und Türme restauriert und darin Geschäfte, Museen und Gaststätten waren.

Zurück in Freinsheim habe er den Anstoß gegeben, dass der Haintorturm restauriert und dort eine Weinprobierstube eingerichtet wurde. „Das war das Pilotprojekt der Freinsheimer Stadtsanierung“, so Weber. Die sei dann in einer „kongenialen Zusammenarbeit“ zwischen dem Handwerksmeister Hartkorn und dem Politiker Gerhard Nisslmüller, dem damaligen Stadtbürgermeister, umgesetzt worden. Nisslmüller ist vor wenigen Wochen zum Ehrenbürger ernannt worden. Die beiden treffen sich regelmäßig zum Plausch beim Wein.

Lange Liste erfolgreicher Projekte

Hartkorn habe früh begonnen „sein berufliches Können, seine Kreativität, seinen Fleiß und sein Verhandlungsgeschick für die Gemeinschaft von Freinsheim einzusetzen“, so Weber. Lang ist die Liste der Projekte, die Hartkorn initiiert, organisiert, realisiert und für deren Finanzierung er gesorgt hat.

Ein Beispiel ist der Barockgarten. Anfang der 1990er-Jahre hatte Hartkorn ein Modell für den Garten mit dem barocken Gartenhäuschen gebaut. Dieses Modell stand ebenso wie ein von ihm gebautes Modell des Geländes um das Eisentor auf der von Stephanie von der Warth-Weber wunderschön dekorierten Bühne. Ganz so, wie von Hartkorn geplant, wurde der Barockgarten zwar nicht realisiert, doch er wurde realisiert.

Seit 63 Jahren verheiratet

Die Restaurierung der historischen Grabanlagen und alten Grabsteine auf dem Friedhof, die Sanierung des Gute Brunnens, der Apothekergarten, die Skulptur die Waschweiber von Eberhard Linke, die Spieluhr im Eisentor sind einige der weiteren Projekte, die Hartkorn zu verdanken sind. Einige hat er in seiner Funktion als Vorsitzender der Anfang der 1990er-Jahre von ihm mitgegründeten Stiftung Freinsheim umgesetzt.

Hartkorn engagierte sich außerdem mehrfach bei Sanierungsarbeiten in der evangelischen Kirche, er förderte die Partnerschaft mit Marcigny, war 27 Jahre im Vorstand der Raiffeisenbank. „Er hat sich in herausragender Weise für die Stadt verdient gemacht“, steht in der Ehrenbürgerurkunde, die Weber überreichte. Für Ehefrau Else, die seit 63 Jahren mit Gerhard Hartkorn verheiratet ist, gab es Blumen, im Kübel überreicht. „Wir wissen, wie oft er ,ned dehäm’ war und was Sie alles gemacht haben“, sagte Weber.

Hartkorn unterstütze immer die Weinprinzessinnen, dankte Saskia, Weinprinzessin der Urlaubsregion. Das Quartett Immergrün musizierte. Die Freinsheimer Winzer und Gastronomen erwiesen mit besten Weinen und einem hervorragenden Büffet dem Ehrenbürger ihre Referenz.

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