Freinsheim
Forstverband Ganerben stellt sich auf neue Klimaverhältnisse ein
Bei der Versammlung im Freinsheimer Rathaus beschrieb der Dürkheimer Forstamtsleiter Frank Stipp die aktuelle Lage des Waldes. „Dieses Jahr verlief bisher einigermaßen normal, es gab mehr Nässe als in den drei Trockenjahren zuvor, welche große Sorgen bereiteten“, berichtete er.
Aber es gibt noch Problemfälle. Etwa die Fichte, die unter Borkenkäferbefall gelitten hat. „Bei uns hatte diese Baumart einen Anteil von fünf bis sieben Prozent“, sagte Stipp. Nun sei sie aber im Sinkflug – gefallen auf drei bis vier Prozent. „Die Fichte ist bei uns ein knappes Gut, irgendwann wird sie hier vom Markt verschwinden“, so der Forstamtsleiter. „In Rheinland-Pfalz ist das Schadholz-Problem mit der Fichte aber inzwischen gelöst“, sagte Verbandsvorsteher Dietmar Leist. Im Kommen sei dagegen die Kiefer. Aber auch dieser Baum bereitet einige Probleme, vor allem in der Vorderpfalz. „Viele Kiefern haben einen Mistelbefall. Und die Misteln saugen Wasser aus den Bäume, die dann angeschlagen sind“, teilte Stipp mit.
Baumarten unter die Lupe genommen
Dennoch sieht der Ganerbenverband für die Holzvermarktung generell einen Silberstreif am Horizont. „Der Markt für Holz ist da“, attestierte Leist. In China sei viel Wald vernichtet worden und auch die USA hätten durch Waldbrände große Verluste an Wald verzeichnen müssen, so der Verbandsvorsteher. „Die Konjunktur in den USA ist angesprungen, und weil viele Häuser dort mit Holz gebaut werden, gibt es dort einen Absatzmarkt“, sagte Stipp. „Und da ein Hauptlieferant wie Kanada wegen eines Käferproblems derzeit kein Holz liefern kann, schauen sich die US-Amerikaner in Europa um“.
Um für die Zukunft gerüstet zu sein, hat man beim Ganerbenverband schon verschiedene Baumarten unter die Lupe genommen, die auch in trockenen Perioden klimaresistent sind. Standorttypische Bäume wie Buche oder Eiche scheinen hier eine gute Rolle einzunehmen, „Zugereiste“ wie Kastanie und Walnuss, welche die Römer in die Region gebracht haben, seien auch zukunftsträchtig, erklärte Stipp. Hinzu rückt derzeit noch die Douglasie in den Fokus. Gute Chancen, hierzulande einmal heimisch zu werden, hätten dazu die Schwarzkiefer, die Libanon-Zeder oder der französische Ahorn.
Vermutlich defizitärer Haushalt 2021
Der Revierleiter im Forstrevier Ganerben, Johannes Rottländer, berichtete, dass Erosionsschäden auf Wirtschaftswegen inzwischen behoben und auch bei der Verkehrssicherung Maßnahmen abgeschlossen seien, etwa am Luitpoldweg in Bad Dürkheim, wo viele Bäume wegen mangelnder Stabilität zum Schutz von Wanderern oder Fahrzeugen gefällt werden mussten.
In Sachen Finanzen gab Fachgebietsleiter Volker Scherrer einen ersten Überblick zum Haushaltsjahr 2021: „Wir werden wahrscheinlich defizitär abschließen, da unsere Einnahmen geringer ausgefallen sind“, teilte er mit. „Aber wir bekommen noch Fördermittel, die jedoch noch nicht eingetroffen sind. 2022 werden wir voraussichtlich zumindest eine schwarzen Null hinlegen“, zeigte sich Scherrer überzeugt. Man war sich einig, dass der Verkaufspreis von Brennholz um drei Euro auf 55 Euro pro Festmeter angehoben werden soll.