Forst RHEINPFALZ Plus Artikel Forst: Hansel-Fingerhut-Spiel wegen Coronavirus abgesagt

Hansel Fingerhut wird in diesem Jahr keine schwarzen Spuren auf Frauenwangen hinterlassen können: Das Spiel wurde abgesagt.
Hansel Fingerhut wird in diesem Jahr keine schwarzen Spuren auf Frauenwangen hinterlassen können: Das Spiel wurde abgesagt.

Das Hansel-Fingerhut-Spiel findet in diesem Jahr nicht statt. Wegen des Coronavirus haben die Gemeinde Forst und der Verein für Brauchtum und Dorfverschönerung die traditionelle Veranstaltung, die am Sonntag, 22. März, stattgefunden hätte, abgesagt.

„Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht“, sagte am Sonntag der Forster Ortsbürgermeister Bernhard Klein im Gespräch mit der RHEINPFALZ. „Es tut uns sehr leid. Aber angesichts der Corona-Epidemie haben wir eine Verantwortung. Die Absage der Veranstaltung ist deshalb eine angemessene Reaktion, um einen Beitrag zu leisten, die Infektion einzudämmen“, begründete Klein diesen Schritt. Denn es sei zu erwarten, dass die Anzahl der infizierten Menschen weiter ansteigen werde.

Am Samstag hätten die Vertreter der Ortsgemeinde und Cornelia Thomé, Vorsitzende des Vereins für Brauchtum und Dorfverschönerung, gemeinsam beschlossen, das Hansel-Fingerhut-Spiel in diesem Jahr ausfallen zu lassen. Die Entscheidung sei mit Verbandsbürgermeister Peter Lubenau abgestimmt worden. Zu diesem Zeitpunkt am Samstag sei noch gar nicht bekannt gewesen, dass wegen des im benachbarten Wachenheim nach einer Kindertagesstätte auch eine Grundschule sowie der dortige Standort der Integrierten Gesamtschule Deidesheim/Wachenheim geschlossen werden.

Ausschlaggebender Punkt bei der Entscheidung, für dieses Jahr abzusagen, sei gewesen, „dass wir das Hansel-Fingerhut-Spiel auf keinen Fall in seiner ursprünglichen Form hätten veranstalten können“, sagte Klein. Seit fast 300 Jahren – im nächsten Jahr steht das Jubiläum auf dem Programm – findet das Sommertagsspiel immer am Sonntag Lätare (drei Wochen vor Ostern) statt.

Unverzichtbare Elemente des Spiels

Ein zentrales Element dabei sei der Hansel Fingerhut im bunten Flickenkostüm und mit rußgeschwärztem Gesicht, der Mädchen und Frauen zu küssen versucht und dabei schwarze Abdrücke auf ihren Wangen hinterlässt. Diesen Teil des Spiels in diesem Jahr aufgrund der Coronavirus-Ansteckungsgefahr wegzulassen, hätte bedeutet, es zu verfälschen, sagte Klein. Hinzu komme, dass das Spiel in einer Kette von Aufführungen an mehreren Stellen gezeigt werde und sich dabei 2000 bis 3000 Menschen in den engen Hauptstraße drängen.

„Es wäre nicht vernünftig gewesen, die Veranstaltung trotz Corona stattfinden zu lassen“, sagte Klein. Noch schlimmer aber wäre es gewesen, das Spiel erst wenige Tage vorher abzusagen. Zwei Wochen vor der Veranstaltung sei wenigstens noch ein Zeitpunkt, an dem sich die Mitwirkenden darauf einstellen könnten und die Vorbereitungen noch nicht ganz so weit gediehen seien.

Auch die symbolische Winterverbrennung, traditioneller Abschluss des Hansel-Fingerhut-Spiels, werde am Sonntag, 22. März, nicht stattfinden. Allerdings sollen wie in jedem Jahr nach dem Gottesdienst gegen 11.15 Uhr Spitzwecken an die Kinder verteilt werden. Auch das „Woiständel“ werde wie gewohnt um 10.30 Uhr eröffnet.

Seines Wissens habe das 1721 erstmals belegte Hansel-Fingerhut-Spiel, das 2016 in das Unesco-Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde, bis auf Kriegsjahre immer stattgefunden, sagte Klein. Er hofft, dass im nächsten Jahr die Corona-Epidemie überwunden sein wird und das 300. Jubiläum gefeiert werden kann.

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