Meckenheim
Flora und Fauna geschädigt
Abgestorbene Bäume am Hämmerlesberg, umgestürzte Weiden und Pappeln im renaturierten Gebiet entlang der Streuobstwiese, eine starke Zitterpappel, die haarscharf an der von der Gemeinde aufgestellten Sitzgarnitur vorbeigeschrammt ist: Der ökologische Zustand der Flächen am Schleitgraben südöstlich von Meckenheim hat sich in den letzten Jahren rapide verschlechtert. Ursache dafür ist vor allem der Wegfall der regelmäßigen Wassereinleitung aus der Kläranlage Königsbach mit etwa 670 Kubikmetern am Tag.
Das Umweltministerium des Landes sieht die Entwicklung dennoch gelassen: „Im Bereich der Vorderpfalz gibt es seit jeher Gewässer, die zeitweise trockenfallen. Die Ökosysteme sind darauf eingestellt“, teilt Pressesprecherin Catrin Müller auf Anfrage der RHEINPFALZ mit. Und weiter: „Nachhaltige und dauerhafte Schäden entstehen durch zeitweises Trockenfallen in der Regel nicht.“
Amphibienbestände verschwunden
In Meckenheim allerdings sind früher vorhandene Bestände an Fischen und Amphibien (Stichlinge, Erdkröten, Molche) verschwunden. Für Fuchs und Feldhase besteht weit und breit keine Möglichkeit zum Trinken mehr. An der Schleit vorkommende Fasane und die selten gewordenen Rebhühner leiden am stärksten unter der Trockenheit, brauchen Vögel Wasser doch nicht nur zum Trinken, sondern auch zum Abkühlen.
„Die Tierwelt verändert sich, wasserliebende Bäume gehen ein. Flora und Fauna sind relativ stark geschädigt“, stellt Heiner Dopp, früherer Ortsbürgermeister Meckenheims, fest. Hinfällig geworden ist laut Dopp auch ein Projekt zur Wiederansiedlung von Molchen am Schleitgraben, das die Gemeinde in den Jahren 2009 und 2010 zusammen mit einem Privatmann durchgeführt hatte.
Dopp, in dessen Amtszeit die Renaturierung der Schleit auf Meckenheimer Seite 2003 und des gut zwei Kilometer langen Teilstücks auf Ruppertsberger Gemarkung 2011 fiel, ärgert sich maßlos: „Im Grunde genommen ist die Renaturierung gescheitert“, bilanziert er.
Wasser „von jetzt auf nachher“ abgegraben
Pressesprecherin Müller weist unterdessen darauf hin, dass die Auflassung der Kläranlage Königsbach „seit Jahrzehnten in der Diskussion“ gewesen sei. Die seit den 1960er Jahren betriebene Kläranlage habe seit langem nicht mehr die Anforderungen an eine zeitgemäße Abwasserreinigung erfüllt. Deshalb sei die Auflassung der Kläranlage und der Anschluss an die Zentralkläranlage Lachen-Speyerdorf 2014 genehmigt worden, so die Pressesprecherin.
Dopp bleibt kritisch: „Was ist das für eine langfristige Planung?“ fragt er. Der Schleit sei „von jetzt auf nachher“ das Wasser abgegraben worden. „Hier wurden Hunderttausende Euro öffentlicher Gelder unnötig ausgegeben“, kommentiert er. Tümpel als Wasserrückhaltung in tieferen Bereichen mit Grundwasserbildung wären seiner Meinung nach eine Möglichkeit für die Tierwelt, um auch künftig an Wasser zu kommen.
Kommentar: Schlag ins Wasser
„Der Schleitgraben war ein sehr naturfernes Gewässer mit starken strukturellen Defiziten“, schreibt das Mainzer Umweltministerium in seiner Antwort auf eine RHEINPFALZ-Anfrage. Das stimmt – mit Betonung auf „war“. Denn inzwischen ist kein Gewässer mehr da. Mit weiteren absterbenden Bäumen und dem Verlust von auf Wasser angewiesenen Tierarten dürften die Defizite für die Natur in den nächsten Jahren zunehmen. Inzwischen weisen große Warntafeln am ausgetrockneten Graben auf der Hochdorfer Gemarkung auf die Gefährdung für Menschen durch herabstürzendes Astwerk hin. Ökologisch und ökonomisch betrachtet war dieses Projekt wohl ein Schlag ins Wasser.