Nachklapp
Finn und die Detektive
Jaja, diese Jugend! Lauter kleine, blasse Computerfreaks, die den ganzen Tag im Kinderzimmer vor dem Rechner hocken, Videospiele daddeln und sich für das richtige Leben draußen vor der Tür überhaupt nicht interessieren. Von wegen! An dieser Stelle muss der Nachwuchs mal in Schutz genommen werden. Denn wie sich vor ein paar Tagen in Deidesheim eine etwa zehnköpfige Rasselbande von acht- bis zehnjährigen Jungs ins Zeug gelegt hat, damit die Polizei einen flüchtigen Mann schnappen konnte: Das war schon aller Ehren wert.
Am Deidesheimer Bahnhof hatte die Polizei einen 21-Jährigen im Visier, der sich einer Kontrolle aber durch eine Flucht über die Bahngleise entzog. Bis der Streifenwagen gewendet hatte, war der junge Mann verschwunden. Dann aber sein entscheidender Fehler: Er hätte ein paar Steppkes in der Nähe besser nicht „Sind die Bullen schon weg?“ fragen sollen. Denn da erwachte bei den Jungs der kriminalistische Spürsinn: Sehr verdächtig, dieser Typ. Also verfolgten ihn die Bande unauffällig durch halb Deidesheim. Und das nicht, wie man im Jahr 2021 denken könnte, auf dem Scooter und mithilfe von Smartphone sowie GPS-Ortung. Nein, ganz altmodisch auf Fahrrädern wie anno 1929 im Kinderbuchklassiker „Emil und die Detektive“ hefteten sie sich an die Fersen des Flüchtigen, gaben von einem Beobachtungsposten zum nächsten den aktuellen Standort weiter – bis die Polizeistreife schließlich eintraf und die weitere Bearbeitung des Falls übernahm.
Ob die jungen Hilfspolizisten das Kinderbuch von Erich Kästner kennen, in dem zahlreiche Berliner Jungs Emil Tischbein dabei helfen, den Dieb zu stellen, der ihm im Zug 140 Mark geklaut hat? Das wissen wir leider nicht, weil die Polizei die Personalien der Kinderdetektive nicht aufgenommen hat. Gustav mit der Hupe, der kleine Dienstag und wie sie im Buch alle heißen, haben jedenfalls fast 100 Jahre später mit „Finn, Paul, Noah (oder so) und die Detektive“ würdige Nachfolger gefunden.