Deidesheim / Hassloch RHEINPFALZ Plus Artikel Fassmanufaktur in Haßloch und Deidesheim stößt an ihre Grenzen

Ralf Mattern (links) und sein Mitarbeiter Philipp Janson bereifen ein 2500-Liter-Holzfass. Sie haben es aus Pfälzer Eiche herges
Ralf Mattern (links) und sein Mitarbeiter Philipp Janson bereifen ein 2500-Liter-Holzfass. Sie haben es aus Pfälzer Eiche hergestellt.

Ralf Mattern gehört zu den ganz wenigen in Deutschland, die Holzfässer für die Weinerzeugung bauen. Der Sitz seiner Fassmanufaktur ist in Deidesheim, die Werkstatt liegt in Haßloch. Doch dort stößt der Böttchermeister langsam an Grenzen. Auch kann er in diesem Jahr keine neuen Aufträge mehr annehmen.

Den Schritt in die Selbstständigkeit hat Ralf Mattern nicht bereut. Nach fast 20 Jahren bei einer Weinküferei im Rhein-Pfalz-Kreis hat er sich damit einen Traum erfüllt. Inzwischen hat er sich mit seiner Fassmanufaktur bundesweit einen Namen gemacht. Der ehemalige Bundessieger in diesem nicht alltäglichen Handwerk gehört heute in Deutschland zu den ganz wenigen Küfern, die nach individuellen Wünschen Holzfässer für Weingüter und Kellereien anfertigen. Und die Nachfrage steigt weiter. Das zwingt Mattern, der mit drei Mitarbeitern und einem Auszubildenden seine Werkstatt im Gewerbegebiet in Haßloch führt, zu neuen Überlegungen.

„Am jetzigen Standort können wir uns nicht erweitern. Wir müssen uns überlegen, ob eine weitere Halle oder eine größere Werkstatt Sinn ergibt“, sagt Mattern. Er wolle innovativ bleiben und nicht einfach Holzfässer zusammenbauen. „Das stellt mich nicht zufrieden.“ Sein Schmuckstück: ein Doppelherz, dessen Hälften jeweils ein Fassungsvermögen von 600 Litern haben.

Volle Auftragsbücher

Matterns Auftragsbücher sind über Monate voll, und er könnte noch mehr Fässer produzieren. Seine Standardgrößen sind Halbstück (600 Liter), Stück (1200 Liter) und Doppelstück (2400 Liter). Der Trend gehe hin zu größeren Fässern. „Das größte Fass, das wir zusammengebaut haben, fasste 7000 Liter “, erzählt der Pfälzer.

Seine handgefertigten Fässer sind inzwischen zu einer Marke geworden. Aufgrund der Beschaffenheit der verwendeten Hölzer und der sauberen Verarbeitung sind sie bundesweit und sogar im benachbarten Ausland gefragt. Die Lagerung von Weinen in Holzfässern sorgt für eine geschmackliche Note beim Wein oder auch beim Whisky. Keine einfache Aufgabe für Böttchermeister Ralf Mattern. Um den Wünschen seiner Kunden gerecht zu werden, muss der 46-Jährige stets das richtige Holz finden, das den gewünschten Merkmalen entspricht. Dabei setzt der aus Rödersheim-Gronau stammende Fassbauer vorwiegend auf die Pfälzer Eiche. Rund um seine Werkstatt lagern im Außenbereich die gekauften Hölzer, vorwiegend aus Johanniskreuz. Die haben sich wegen der Witterungseinflüsse schon etwas dunkel verfärbt.

Den Bottich toasten

Die Eiche reift auch nach der Ernte weiter, so wird sie im Geschmack mild. „Mit dem Regen werden die Gerbstoffe im Holz rausgewaschen“, erklärt Mattern mit Blick auf die fast schwarz wirkenden Holzstücke, die stapelweise zu sehen sind. Neben der Lagerung und der Herkunft der Hölzer kommt es auch auf die Verarbeitung an. „Wichtig ist, dass man ganz konkret die individuellen Wünsche der Kunden im Auge behält.“ Dazu gehöre auch die Art des „Toastens“ und die Ausstattung der Fässer mit Edelstahlkomponenten, erklärt Mattern.

Das „Toasten“ ist das Verfahren, bei dem die Innenseite eines Bottichs über dem Eichenholzfeuer bearbeitet wird. „Es gibt verschiedene Varianten, leicht, mittel und stark, wodurch die Aromastoffe des Weines gelenkt werden und so ein unverwechselbarer Geschmack erreicht wird“, erläutert Mattern das Prinzip.

30 Stunden Arbeit

Rund 30 Stunden benötigt er mit seinen Mitarbeitern für die Herstellung eines Behältnisses. Der Böttchermeister setzt in erster Linie auf Handarbeit. Im ersten Arbeitsgang benötigt er zum Streifen der Dauben eine Hobelmaschine, mit der die Hölzer der Rundung des Fasses angepasst werden. Erst dann werden sie mit einer Fräse gefugt. Der Fugenwinkel wird angepasst, so dass der gewünschte Radius entsteht. Die Dauben werden anschließend in den Reif gestellt und über dem Feuer gebogen. Den Abschluss bildet die Dichtigkeitsprüfung, bei der jeder Behälter mit Wasser gefüllt wird. „Das Schlimmste wäre, wenn ein Fass undicht das Haus verlassen würde“, verrät der Böttchermeister.

Weitere Aufträge kann er diesem Jahr nicht mehr annehmen. Mattern: „Vor dem Herbst kommen viele Reparaturaufträge dazu. Und da wollen wir unsere Kunden nicht im Regen stehen lassen.“

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