Kreis Bad Duerkheim Förster und Polizisten jagen einen Virus
„Achtung Treibjagd!“ mahnt das Schild am Straßenrand. Das zweitägige Szenario im südpfälzischen Hagenbach hat tatsächlich etwas von einer Jagd. Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist in Belgien angekommen, sodass die Wahrscheinlichkeit einer Infektion von Wild- oder Hausschweinen in der Pfalz weiter gestiegen ist. Und dann müsste das Virus tatsächlich gejagt werden.
Die Kreise Bad Dürkheim, Südliche Weinstraße, Rhein-Pfalz und Germersheim trainierten Anfang dieser Woche deswegen den Ernstfall interkommunaler Zusammenarbeit. Entsprechend hätte diese Übung auch in einem anderen der beteiligten Kreise stattfinden können, erläuterte Astrid Neumann für die Kreisverwaltung Germersheim. Und Dürkheims Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld fügt hinzu: „Im Falle eines Falles zählt jede Unterstützung, um eine Ausbreitung der Tierseuche zu verhindern.“ Der Aufwand ist an beiden Übungstagen groß. Verbände von Bundespolizei, Feuerwehr, DLRG, THW und dem Malteser Hilfsdienst sind im Einsatz. Am ersten Tag wird bei einem tot im Bienwald gefundenen Wildschwein ein positiver ASP-Befund angenommen. Zudem werden die einzuleitenden Maßnahmen für den Fall eines Überspringens der Seuche auf einen Betrieb simuliert. Der Tierseuchenverbund Rheinpfalz mit Veterinären und deren Mitarbeitern der beteiligten Landkreise tritt zusammen. Zudem koordiniert ein Krisenstab die zu ergreifenden Maßnahmen. In diesem Krisenzentrum sind auch die sechs Personen aus der Veterinärabteilung der Dürkheimer Kreisverwaltung im Einsatz. Rund um den Fundort werden eine Kern- und eine Pufferzone eingerichtet und sich mit hierdurch möglicherweise betroffenen Bundesländern oder Staaten abgestimmt. Am zweiten Tag geht es dann vor Ort zur Sache. Rund hundert Einsatzkräfte sind letztlich beteiligt. 60 Polizisten durchkämmen rund um den Fundort den Wald, um weitere verendete Wildschweine zu finden. Fahrzeuge müssen eine mobile Dekontaminationsschleuse passieren. Sogar ein großer Sanitärcontainer wurde herbeigeschafft. Wer jetzt am Übungsort vorbeikommt, wird sich aufgrund der massiven Präsenz von Einsatzkräften möglicherweise Sorgen machen. Der Aufwand lohnt allerdings. So zeigt sich schon bald, dass die beiden eingesetzten Schutzanzüge für das Agieren im Wald nicht ausreichend stabil sind. Sie werden im Unterholz zerrissen. Auch weiß man jetzt mehr darüber, wie viele Einsatzkräfte in welcher Zeit ein Gebiet durchsuchen können. Am Ende ziehen alle eine uneingeschränkt positive Bilanz. Jestrabek: „Man hat die Theorie und hier dann plötzlich die Praxis. Das müssen Sie erst einmal in Deckung bringen“, sagt Christian Jestrabek, Leiter des Gesundheitsamts des Kreises Germersheim. Astrid Berens und ihre Mitarbeiter vom Forstamt Bienwald sind für diesen Stresstest jedenfalls „dankbar, wir fühlen uns jetzt sicherer, wenn es zum Ernstfall kommen sollte“. Jürgen Stephany von der Wörther Feuerwehr wiederum lobt die Zusammenarbeit mit dem Lagezentrum in Limburgerhof als „sehr gut!“. Auch Landrat Ihlenfeld ist zufrieden: „Die Übung hat bewiesen, dass die Zusammenarbeit gut funktioniert, aber auch gezeigt, wo wir noch nachbessern können. Genau dies ist der Sinn einer solchen Übung. Wir werden daher auch in den kommenden Jahren zu solchen Szenarien weiter gemeinsam üben.“ Denn die Herausforderung ist groß. Ein weggeworfenes Brot mit luftgetrockneter Wurst genügt, um den Virus zu verbreiten. Im Boden bleibt dieser dann selbst nach zehn Jahren noch aktiv.