Ein Tag im Leben von ... RHEINPFALZ Plus Artikel Enkeltrick macht Polizei immer wieder zu schaffen

Dienstbesprechung unter Corona-Bedingungen: Frank Hoffmann und sein Kollege Matthias Schramm.
Dienstbesprechung unter Corona-Bedingungen: Frank Hoffmann und sein Kollege Matthias Schramm.

Frank Hoffmann leitet die Polizeidienststelle in Haßloch seit März vergangenen Jahres. Die Pandemie hat seinen Start dort nicht gerade vereinfacht. Was Hoffmanns Alltag prägt, und aus welchen Gründen er sich dafür entschieden hat, zur Polizei zu gehen.

Es ist sehr ruhig an diesem Sommertag in der Polizeiinspektion in Haßloch. Genügend Zeit also für Hauptkommissar Frank Hoffmann, die Mappe mit den Online-Anzeigen zu studieren. Seit dem 16. März des vergangenen Jahres leitet er die Dienststelle. „Das Datum weiß ich auch deshalb so genau, weil es der erste Tag des Lockdowns war“, sagt der gebürtige Saarländer. Corona, Lockdown, Abstand- und Hygieneregeln begleiten die Beamten seitdem. Sie müssen die geltenden Bestimmungen durchsetzen. „Damit macht man sich nicht immer beliebt“, erzählt Hoffmann.

Viele Menschen seien unter dem Einfluss der coronabedingten Einschränkungen dünnhäutig geworden. Das könne er zwar manchmal sogar verstehen, wenn man individuelle Schicksale betrachte, ändere aber nichts daran, dass die Regeln eben für alle bindend seien. Tatsächlich haben die Anzeigen und Hinweise auf Verstöße aus der Bevölkerung zugenommen, sagt der Hauptkommissar. Die Online-Wache ermöglicht es, Anzeigen kontaktlos zu erstatten, wie der Name schon sagt. Davon werde auch rege Gebrauch gemacht, bestätigt Hoffmann. „Wenn jemand beispielsweise den Diebstahl seines Fahrrads melden will, dann muss er nicht mehr zur Dienststelle kommen. Das hat natürlich viele Vorteile, angefangen bei der Zeitersparnis für alle.“

Kontaktvermeidung hat Priorität

Kontaktvermeidung hat in der Polizeidienststelle Priorität, was man schon beim Betreten des Gebäudes bemerkt. Ist bereits jemand in der Schleuse, wie man den Eingangsbereich nennt, bleibt der Besucher zunächst vor der Tür stehen, bis die Schleuse wieder frei ist. Das kann durchaus auch ein paar Momente dauern.

Alle Polizeibeamten sind vollständig geimpft, alle tragen Masken, sobald sie ihr Büro verlassen oder mit mehreren Personen im Raum sind. Präsenz-Sitzungen und Besprechungen sind auf ein Minimum reduziert. „Wir kommunizieren entweder per Video, Telefon oder Mail“, erzählt der Dienststellenleiter mit Bedauern.

Hoffmanns Stärke ist die Kommunikation. Er bezeichnet sich selbst als Mensch mit hoher empathischer Gabe. Für ihn sei das persönliche Gespräch enorm wichtig. „Ich kann mich gut auf Menschen einstellen, sie verstehen und somit helfen, Probleme zu lösen. Durch gute Kommunikation werden viele Situationen entschärft“, weiß er. Seine hohe Kommunikationsfähigkeit sei eine der Gründe gewesen, sich überhaupt für den Dienst bei der Polizei zu interessieren. Nach seiner Ausbildung und einer Phase im Personen- und Gebäudeschutz, zu dem auch der Schutz des Hauses von Helmut Kohl in Ludwigshafen gehörte, wurde er zum gehobenen Dienst zugelassen. Nach dem Studium wurde er der Dienststelle in Speyer zugeordnet, die er bereits aus seiner Wechselschicht-Zeit kannte. Dann bot man ihm die Leitung der Dienststelle in Haßloch an.

In getrennten Teams

Die Corona-Situation hat Hoffmanns Start in Haßloch nicht gerade vereinfacht. Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt sei das gesamte Team in zwei Kohorten, also Arbeitsteams, eingeteilt worden, erzählt er. Dabei war es erforderlich, dass jedem Team eine Führungsspitze zugeteilt wurde. Damit leiteten er und sein Vorgänger, der ihn eigentlich über zwei Monate einarbeiten und die Dienststelle übergeben sollte, die beiden Teams getrennt. Auch die Bildung von Netzwerken mit der Ortsverwaltung, der Feuerwehr und anderen wichtigen Institutionen und Personen fand nicht auf dem üblichen Weg durch persönliche Vorstellung, sondern eben online statt. Das persönliche Treffen holt der Hauptkommissar nun Stück für Stück nach.

Immer noch finden kleinere Abstimmungen oder der Informationsaustausch innerhalb der Dienststelle auf dem Flur oder buchstäblich im Türrahmen statt. Es erinnert ein wenig an Flurfunk.

So auch beim Besuch in der Dienststelle. Kollege Matthias Schramm arbeitet im Büro gegenüber. Die Türen sind offen. Schramm steht wie üblich im Türrahmen. Er berichtet über die Neueröffnung einer Vinothek, die zu einem Hoffest eingeladen habe. In der Werbung sei keine Personenbeschränkung angegeben oder ein Hinweis auf Onlineregistrierung ersichtlich. „Das müssen wir kontrollieren, denn wenn mehr Leute kommen als zugelassen, dann besteht die Gefahr der Menschenansammlung vor der Absperrung“, sagt Hoffmann. Das könne einerseits zu Problemen führen, weil abgewiesene Gäste verärgert seien, und andererseits bestehe das Risiko, dass die Abstände nicht eingehalten würden. „Man kann die Besucherzahlen nicht abschätzen, wenn die Werbung in den sozialen Medien landet und geteilt wird“, erklärt der Hauptkommissar.

Hoffmann widmet sich wieder seinem Ordner. Darin ist eine Beschwerde über die Dauer einer Verkehrskontrolle enthalten. Er sichtet die Beschwerde, nimmt den Rapport des Beamten, der die Kontrolle durchgeführt hat, heraus und vergleicht. Hoffmann hält Rücksprache, lässt sich die Situation erklären, und verfasst eine Aktennotiz. Später wird er versuchen, denjenigen, der die Beschwerde eingereicht hat, zu erreichen. Kommunikation, miteinander sprechen, Probleme lösen – das ist auch hier wieder seine Strategie.

Immer wieder Enkeltrick

Zurzeit sucht er Wege der Kommunikation, um noch mehr und effektiver vor dem Enkeltrick zu warnen. „Mindestens einmal in der Woche steht eine Warnung über diese üble Masche in der Zeitung. Mittlerweile reagieren Bankangestellte, wenn sie sehen, dass ältere Menschen große Beträge von ihrem Konto abheben oder überweisen wollen. Wir haben mit Seniorencafés gesprochen, die ständig aufklären und warnen, und trotzdem passiert es immer wieder“, sagt der Hauptkommissar kopfschüttelnd. Ebenso scheinen die Warnungen über falsche Microsoft-Mitarbeiter oder über den vermeintlichen Liebhaber aus Übersee regelmäßig zu verpuffen. Er zieht eine Anzeige wegen Betrugs aus der Mappe. „Falsche Drohung von einer Inkassogesellschaft. Das sehen wir auch nicht zum ersten Mal“, sagt der Dienststellenleiter.

Die Anzeigen landen alle bei ihm auf dem Schreibtisch. Er leitet sie an die zuständigen Stellen weiter und hält die Fäden in der Hand.

Ein Kollege kommt zur Tür herein. Er informiert Hoffmann, dass das Alibi eines Mannes, gegen den ermittelt wird, der Arbeitgeber sei. Das müsse nun überprüft werden. Hoffmann nickt. „Wenn er seinen Chef als Alibi angibt, dann muss er damit rechnen, dass wir ihn fragen. Das weiß jeder spätestens nach dem ersten Tatort im Fernsehen am Sonntagabend“, schmunzelt er.

Dann zieht er den Dienstplan für den September und Oktober hervor. Engpässe müssen vermieden werden. Matthias Schramm aus dem Büro über den Flur arbeitet ebenfalls an dem allgegenwärtigen Puzzle des Personalmanagments…

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