Hassloch Eiserne Hochzeit: „Wir sind gerne unterwegs“
Eng nebeneinander sitzt das Paar auf dem Sofa im Wohnzimmer, immer wieder tauschen die Eheleute liebevolle Blicke aus und erzählen von den Erlebnissen und Begebenheiten ihres gemeinsamen Lebens. Karl-Heinz Kunz, Jahrgang 1937, und Agathe Kunz, Jahrgang 1939, haben sich 1955 in der Tanzstunde in der Alten Brauerei Löwer kennengelernt.
Bereits die erste Begegnung war stürmisch. „Ich wollte unbedingt mit ihr tanzen, bin beim ersten Mal losgestürmt auf die Seite der Mädels und habe sie rücklings vom Stuhl geschmissen“, erzählt Karl-Heinz Kunz und lacht. Seitdem sind sie unzertrennlich. Nach der Ausbildung, er bei der BASF im Labor – und dort als Meister bis zum Renteneintritt – und sie als Versicherungskauffrau, wurde am 24. Juni 1960 standesamtlich und in der Christuskirche geheiratet. Es war ein großes Fest mit über 70 Personen auf dem Grundstück der Eltern in der Brunnengasse.
Karl-Heinz wurde in Sonnenberg-Winnenberg geboren. Der Vater ist schon 1941 im Krieg gestorben und die Mutter hat in Haßloch wieder geheiratet. Agathe Kunz, geborene Reis, stammt aus der Gillergasse. Kunz war 1959 Gründungsmitglied des Haßlocher Carneval-Vereins, lange Zeit im Elferrat und gemeinsam hat das Paar in der Garde getanzt. Dem Verein sind sie bis heute treu geblieben.
Gerne mit dem Rad gefahren
Gerne sind sie Fahrrad gefahren, häufig morgens vor dem Frühstück, „da war es im Wald besonders schön“, schwärmen die Eheleute. Ein Ziel war oft das „Falkehäuschen“ am südlichen Waldrand an den Wiesen des Speyerbachs, ein beliebter Treffpunkt für eine kleine Rast mit Freunden und Bekannten. Karl-Heinz fährt auch heute noch Rad, Agathe hat seit einigen Jahren gesundheitliche Probleme mit dem Rücken.
Gerne erinnern sie sich an gemeinsame Reisen in die Türkei, nach Tunesien und nach Teneriffa. Mehrmals waren sie in Amerika bei einer Freundin zu Besuch. In den 1960er Jahren kam der Sohn zur Welt und im Neumühlweg haben sie gemeinsam ein Haus gebaut, in dem sie bis heute glücklich und in tiefer Verbundenheit zusammen leben. Sie haben zwei Enkelinnen und zwei Urenkelinnen. Das Ehepaar ist bis heute unternehmungslustig und fast täglich sind beide unterwegs. „Beim Frühstück fragt meine Frau immer, wohin es heute geht“, sagt Karl-Heinz. Manchmal sind sie in Haßloch, im Wald oder der Umgebung anzutreffen. „Wir fahren oft mit dem Auto an den Bahnhof, meine Frau steigt in den Rollstuhl um, und dann machen wir eine Städtetour.“ Nach Kaiserslautern oder Heidelberg. Spontan wird auch mal der Plan geändert: „Als ein Bahngleis aufgrund eines defekten Aufzugs nicht mit dem Rollstuhl erreichbar war, haben wir spontan einen anderen Zug genommen und sind in Saarbrücken gelandet.“
Feier bei selbstgebackenem Kuchen
„Die Hitze macht uns nicht viel aus und wir sind gerne unterwegs.“ Zuletzt waren die Eheleute auf dem Haßlocher Wirtschaftsmarkt und zweimal in Neustadt auf dem Rheinland-Pfalz-Tag. „Wir treffen oft auf hilfsbereite Menschen, ein Schaffner hat extra darauf geachtet, dass genug Zeit für den Ein- und Ausstieg mit dem Rollstuhl blieb“, nur ein Beispiel für viele schöne Begegnungen.
Am Hochzeitstag am Dienstag bleibt das Jubelpaar zu Hause und freut sich auf Gäste und Gratulanten. „Ich werde einen Kuchen backen.“ Über die Jahre und seit seinem Eintritt in die Rente kocht und backt Karl-Heinz regelmäßig. „Das habe ich schon immer lieber gemacht als Gartenarbeit.“ Agathe ist glücklich, dass er die Arbeiten übernimmt, die ihr schwerfallen. Im Garten wird immer noch gewerkelt und auch Tomaten werden selbst angebaut.
Für die Zukunft wünschen sich die Eheleute Gesundheit und noch viel gemeinsame Zeit für Ausflüge und schöne Erlebnisse. Das Ehejubiläum wird am nächsten Wochenende im kleinen Kreis mit der Familie und einem Essen beim „Mongolen“ gefeiert. Leider könne die Enkelin, die mit ihrer Familie in den USA lebt, nicht dabei sein, bedauert das Paar.