Deidesheim RHEINPFALZ Plus Artikel Ein ganz besonderer „Kirchgang“

Kirche unterwegs – Michael Kolar (links) leitet die Gruppe.
Kirche unterwegs – Michael Kolar (links) leitet die Gruppe.

Zu der Premiere eines ganz besonderen Kirchgangs hatte für Sonntag die Deidesheimer Pfarrei Heiliger Michael eingeladen. Mit einer kleinen Gruppe Neugieriger startete sie an der Forster Kirche St. Margareta zu einem „Gottesdienst unterwegs“. Und fand so ganz nebenbei heraus, wie förderlich auch Umwege für Entdeckungen sein können.

In Zeiten, in denen der Kirchenbesuch durch die Ansteckungsgefahr mit Covid 19 nur unter großen Einschränkungen möglich ist, sind auch die Kirchen auf neue Wege angewiesen, um die christliche Gemeinschaft am Leben zu erhalten und neue Mitglieder zu finden. So konnte auch in der Pfarrei St. Michael nach dreimonatiger Pause erst am 14. März wieder ein regulärer Gottesdienst in einer Kirche gefeiert werden. Dazwischen waren andere Formen gefragt. Gemeindereferent Michael Kolar hat unter anderem interaktive Gottesdienste online über Zoom angeboten. „Die waren gefragt“, freut er sich, „einmal hatten wir 130 Teilnehmer. Es war ein tolles Gefühl, als alle gemeinsam das Vaterunser gebetet haben. Und das ganz ohne Maske. Wir konnten uns sogar anlächeln.“

Beim „Gottesdienst unterwegs“, einer neuen Art des „Offline-Gottesdienstes“, bleibt die Maske auf. Lächeln können die Teilnehmer nur mit den Augen. Eine vielbesuchte Premiere ist der Spaziergang durch die Weinberge oberhalb der Forster Kirche nicht. „Eher ein Versuchsballon“, sagt Michael Kolar. Er solle zeigen, dass die Kirche und ihre Gläubigen auch in diesen Zeiten „voller Zuversicht unterwegs“ seien. Die einführenden Worte des Gemeinderefenten unterstreicht ein Lied aus dem Lautsprecher. „Wir machen uns auf den Weg“, heißt es da. Und schwungvoll, ausgestattet mit festem Schuhwerk und warmen Mützen, macht sich auch die kleine Schar auf den Weg in die Natur, die gerade wieder zu neuem Leben erwacht.

„Neue Wege nötig“

Nach einem leichten, aber flotten Anstieg liest Brigitte Deiters, Mitglied im Katechese-Ausschuss der Pfarrei, am Rastplatz „Pechstein“ einen Text aus dem Johannesevangelium zu diesem Sonntag. Deiters hatte die Idee zu diesem neuen Gottesdienstformat, nachdem auch 2020 schon viele Gottesdienste im Freien gefeiert worden waren. „Das war immer eine schöne Atmosphäre.“ Im „Gottesdienst unterwegs“ klingen nun vor allem zwei Sätze aus dem Bibeltext nach: „Wenn das Korn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.“

Brigitte Deiters knüpft daran die Frage. „Was sollen wir in unserem Leben sterben lassen, um etwas Anderes besser zu machen?“ Im Gehen haben die Mitglieder der kleinen Gruppe Gelegenheit, darüber nachzudenken und sich auszutauschen.

„So wie vor Corona kann es nicht weitergehen“, überlegt beispielsweise Michael Kolar, „es werden neue Wege nötig sein.“ Er meint damit nicht nur die neuen Formen des Gottesdienstes. Weitere wichtige Schritte seien nötig, um die Kirche am Leben zu erhalten.

Angeregte Gespräche

Die Gespräche sind angeregt. Es geht unter anderem um das Homeschooling und um das Aufgeben einer Arbeit für einen neuen Job. Und statt den direkten Weg zur zweiten Station und zurück zur Kirche zu nehmen, entscheiden sich die Wanderer für eine etwas längere Strecke. Immer noch beflügelt durch die Natur und den Gedankenaustausch biegen sie auf einen einladend grünen Weg ein – und landen direkt an einer Mauer, die sich nicht überklettern lässt. Sie wird zum neuen „Leitfaden“, der Weg führt schließlich zu einem sehr schön gelegenen Fleckchen. Zwischen zartblau blühendem Rosmarin und gelb knospender Stechpalme äußern die Gottesdienstteilnehmer kurze Fürbitten und beten das Vaterunser. Bei dem abschließend gemeinsam gehörten irischen Reisesegen stiehlt sich sogar ein Sonnenstrahl durch die Wolken. Auch wenn die Beteiligung an der Premiere noch gering war, soll das neue Format fortgeführt und wenn möglich einmal im Monat angeboten werden.

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