Kreis Bad Duerkheim Die Angst vor der digitalen Zukunft
Immer dann, wenn Menschen gesellschaftliche Entwicklungen und Strömungen als unabwendbar begreifen, bekommen sie es gewöhnlich mit der Angst zu tun. In der Flüchtlingsthematik war das so. Und beim technologischen Fortschritt ist es fortwährend so. Die rasch voranschreitende Digitalisierung, sie wirkt auf manche wie eine unaufhaltsame Naturgewalt, die die gesamten Lebensumstände auf den Kopf stellt. Es ist ein Vergleich, der dramatisch anmuten mag, sich aber mit den Eindrücken deckt, die Marie-Luise Selzer und Julia Steingaß in den vergangenen sechs, sieben Monaten aus vielen Gesprächen mit Eisenbergern und Göllheimern und aus vielen Beobachtungen gewonnen haben. So ganz geheuer ist den Menschen in den Verbandsgemeinden Eisenberg und Göllheim der digitale Wandel offenbar noch nicht. Obwohl natürlich auch hier Smartphones und Tablets längst das Ortsbild prägen. Ihre Eindrücke haben Steingaß und Selzer unter anderem schon im Eisenberger Verbandsgemeinderat mitgeteilt. Ursachenforschung im Gespräch mit der RHEINPFALZ. „Es ist nicht ganz einfach“, sagt Selzer. Vielleicht wirke schon der Begriff Digitalisierung bedrohlich, überlegt sie, weil er so abstrakt ist, dass man „unter ihm alles und nix verstehen kann.“ Die diffuse Angst vor der digitalen Zukunft haben die Eisenberger und die Göllheimer natürlich nicht exklusiv. Laut einer Befragung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (2017) etwa befürchten 58 Prozent der Deutschen, dass durch die Digitalisierung Jobs verloren gehen. Dabei soll es bei dem vom Fraunhofer-Institut ins Leben gerufenen und vom Land zu 90 Prozent geförderten Projekt „Digitale Dörfer“ doch eigentlich um Chancen gehen. Um Chancen für ländliche Regionen durch die Digitalisierung. Seit 2015 werden diese in drei Modell-Verbandsgemeinden in Rheinland-Pfalz – neben Eisenberg und Göllheim ist auch Betzdorf-Gebhardshain dabei – erforscht, werden Probleme erörtert, Lösungen und Konzepte gesucht und entwickelt. In einer ersten Projekt-Phase ist man in Göllheim und Eisenberg seinerzeit das Problem der Nahversorgung angegangen, hat gemeinsam mit ortsansässigen Händlern einen Online-Marktplatz getestet, der vorsah, dass Freiwillige dann die bestellten Waren zu den Kunden auslieferten. „Leider werden die Digitalen Dörfer von vielen jetzt ein bisschen auf diese Bestellbar reduziert, dabei ist das ja nur ein Teil unseres Projekts gewesen“, so Selzer. Ein erster Schritt, um die Kommunikation mit der Öffentlichkeit da zu verbessern, wurde bereits getätigt, in dem man mit Selzer in Eisenberg und Steingaß in Göllheim vor Ort feste Ansprechpartner installierte, die sich ausschließlich um diese Aufgabe kümmern. Der eine oder andere habe das Gesprächsangebot auch schon genutzt, die Themen seien dabei ganz unterschiedlich gewesen. In einem zweiten Schritt wird das Angebot der Digitalen Dörfer nun erweitert. Die nächste Stufe wird schon in dieser Woche gezündet. Am morgigen Donnerstag, 1. März, stellen Bürgermeister Bernd Frey (SPD), sein Göllheimer Amtskollege Steffen Antweiler (FWG) und das Projektteam den neuen Dorffunk vor. Die Smartphone-Anwendung soll einen völlig neuen Kommunikationskanal eröffnen, der es Menschen in der Verbandsgemeinde ermöglichen soll, miteinander zu kommunizieren und Informationen auszutauschen. Plauschen, Bieten, Suchen, Helfen, Events teilen und Neuigkeiten von den mittlerweile ebenfalls eingeführten Nachrichtenportalen www.eisenberg-aktuell.de und www.goellheim-aktuell.de lesen: all das soll mit dem Dorffunk künftig möglich sein. Stichwort Nachrichtenportale: Auch hier sind die beiden Digitale-Dörfer-Mitarbeiterinnen versucht, diesen Teil des Projekts noch bekannter zu machen. Die Portale dienen unter anderem Vereinen und engagierten Bürgern dazu, über Neuigkeiten, vornehmlich Veranstaltungen, in den Verbandsgemeinden zu informieren. Auch die Verwaltungen mischen hier natürlich mit, und so kann sich der Nutzer auch über kurzfristige Hinweise auf Straßensperrungen und Warnmeldungen informieren. Eine der häufigsten Nachrichtenverbreiter hier: der Seniorenbeirat, der mindestens einmal die Woche von sich lesen lässt. Womit auch mit dem Vorurteil aufgeräumt wäre, dass die Angst vor Digitalisierung vornehmlich ältere Menschen betrifft. Termin Präsentation des neuen Dorffunks, 1. März, 19 Uhr, Haus der Vereine, Ebertsheimer Straße 8a, in Kerzenheim