Deidesheim / St. Martin RHEINPFALZ Plus Artikel Den Tourismus trifft es knüppelhart

Gähnende Leere: der Marktplatz in Deidesheim mit dem Deidesheimer Hof.
Gähnende Leere: der Marktplatz in Deidesheim mit dem Deidesheimer Hof.

Eigentlich würde in diesen Tagen in der Pfalz die Tourismus-Saison Fahrt aufnehmen. Ostern steht vor der Tür, da sind in Tourismus-Hochburgen wie Deidesheim oder St. Martin viele Häuser schon fast ausgebucht. Stattdessen: Tausende von leeren Betten.

Null Umsatz und die Kosten laufen weiter. So beschreibt Marie-Luise Hahn vom Deidesheimer Hof die derzeitige Situation des Fünf-Sterne-Hotels. Möglichkeiten zur Schadensbegrenzung sieht sie für das Haus mit rund 80 Mitarbeitern keine. Weder ein Abholservice noch die Öffnung des Hotels für Geschäftsreisende sei bei dieser Betriebsgröße wirtschaftliche darstellbar. Dass an Ostern ein Drei-Gänge-Menü zum Abholen angeboten werde, sei mehr eine „Geste für die Gäste“ als Schadensbegrenzung.

Mehr als zehn Jahre ging’s nur bergauf

Ein Blick zurück: Mehr als zehn Jahre lang ging es an der ganzen Weinstraße mit dem Tourismus stets bergauf. Jedes stieg die Anzahl der Gäste und der Übernachtungen weiter an. Hochburgen wie Deidesheim oder St. Martin sind inzwischen in sehr hohem Maß vom Gästeaufkommen abhängig. Deidesheim hält bei einer Einwohnerzahl von 4500 rund tausend Gästebetten vor, in St. Martin kommt fast die gleiche Anzahl an Gästebetten auf etwa 1700 Einwohner.

Auch die Bemühungen der Tourismusgemeinden, den Start der Saison möglichst nach vorne zu ziehen, hat Früchte getragen – bis Corona kam. „Die Saison ist gut gestartet“, sagt Stefan Wemhoener, Geschäftsführer der Tourist Service GmbH. Jetzt in der Karwoche wären viele Häuser eigentlich schon ausgebucht. Allein in der Stadt Deidesheim gibt es 45 Gastronomiebetriebe.

„Dass es irgendwann auch einmal wieder rückläufig sein könnte, haben wir ja erwartet“, sagt Wemhoener. Aber ein Einbruch in der jetzigen Dimension sei nicht vorhersehbar gewesen. In Deidesheim seien durch die Bank alle Betriebe vom Ausbleiben der Touristen betroffen, nicht nur Hoteliers und Gastronomen. „Wenn die Einnahmen ausbleiben, werden ja auch Aufträge storniert, beispielsweise an das Handwerk“, erklärt Wemhoener.

2019 ein Plus von zwölf Prozent

Auch in St. Martin kommt „die ganze Wertschätzung aus der Tourismusbranche“, wie Timo Glaser, Ortsbürgermeister von St. Martin, erklärt. Die Gemeinde hatte im vergangenen Jahr noch ein Plus von zwölf Prozent bei den Übernachtungen verzeichnet, die Anzahl war von 115.000 auf 130.000 gestiegen. Es gab bereits Diskussionen über zu viel Rummel und über die Frage, ob die Anzahl der Touristen nicht schon längst viel zu hoch sei für den kleinen Ort.

Wie geht es im Sommer weiter?

Touristische Veranstaltungen sind nun fast überall bis Ende Mai abgesagt. Doch wie geht es danach weiter? Was ist mit Festen wie der Deidesheimer Kerwe oder dem Weinfest in der Pergola in St. Martin? „Wir wollen auch nicht zu früh absagen“, betont Glaser.

Wemhoener fände es wichtig, dass es schon bald eine einheitliche Regelung gibt. „Solche Veranstaltungen haben ja einen längeren Vorlauf“, erklärt der Touristiker. Eigentlich wäre schon längst damit begonnen worden, Verträge unter Dach und Fach zu bekommen.

Unterdessen hofft Marie-Luise Hahn noch auf eine vorsichtige Öffnung ab Mai. „Ohne den Mai werden es in der Hotellerie und der Gastronomie einige Betriebe nicht schaffen“, sagt sie. Die Umsätze in dieser Branche seien ja nicht aufzuholen. Außerdem sei nicht davon auszugehen, dass es einen Start von Null auf hundert geben werde. Bereits jetzt hätten viele Gäste bis in den Juli hinein storniert.

Stundung oder Erlass möglich

Klar ist schon jetzt: Wo keine Touristen sind, kann auch keine Tourismusabgabe fließen. In der Verbandsgemeinde Deidesheim wird die Abgabe in der Stadt Deidesheim erhoben, in der Verbandsgemeinde Maikammer in allen drei Gemeinden, also in Maikammer, St. Martin und Kirrweiler. Die Vorarbeiten liefen zwar weiter, erklärte beispielsweise die Maikammerer Verbandsbürgermeisterin Gabriele Flach. „Aber wir haben bereits deutlich gemacht, dass eine Stundung der Abgabe oder ein Erlass beantragt werden können.“ Der Erlass einer Abgabe sei aber nur möglich, wenn diese zuvor erhoben werde. Die Verwaltung müsse aus rechtlichen Gründen so verfahren.

Die Tourismusabgabe zahlen nicht nur Hoteliers und Gastronomen, sondern viele Betriebe, die direkt oder indirekt vom Tourismus profitieren. Die Mittel sind gebunden. Sie müssen dafür verwendet werden, die Infrastruktur zu schaffen, die für die touristischen Angebote nötig sind. Doch den Kommunen werden nicht nur die Einnahmen aus der Tourismusabgabe wegbrechen, verdeutlicht St. Martins Ortsbürgermeister Glaser. Sondern auch die Einnahmen aus der Einkommenssteuer.

St. Martin ist in „normalen Zeiten“ eine Tourismushochburg.
St. Martin ist in »normalen Zeiten« eine Tourismushochburg.
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