Deidesheim
Deidesheim: Argumentationstraining gegen Stammtischparolen
„Das sind doch alles Schmarotzer!“ Es folgen weitere herabsetzende verallgemeinernde Floskeln, und schon wird damit eine ganze Bevölkerungsgruppe über einen Kamm geschert und verurteilt. Ob in öffentlichen Verkehrsmitteln, Schulen, Vereinen, bei Bekannten- und Familientreffen oder auch am Arbeitsplatz: Diskriminierende, menschenverachtende oder rassistische Sprüche sind mittlerweile allgegenwärtig. Oft treffen sie den Gegenüber unvorbereitet, es entsteht eine Unsicherheit, wie darauf angemessen zu reagieren ist.
Der Verein „Freunde für Flüchtlinge der Verbandsgemeinde Deidesheim“ (FFF) hat am Wochenende ein zweitägiges Argumentationstraining gegen Stammtischparolen der Landeszentrale für politische Bildung angeboten. Die Verbandsgemeindeverwaltung stellte dazu den Sitzungssaal zu Verfügung.
Lösungen entwickelt
Die 16 Teilnehmer waren überwiegend Helfer des engagierten Vereins und hatten mit ihrem Einsatz für die Flüchtlinge bereits einschlägige Erfahrungen gesammelt. Seminarleiter Hans Jürgen Ladinek und seine Kollegin Natasha Wöll zeigten den Teilnehmenden anhand praktischer Gruppenarbeiten und Rollenspiele wirkungsvolle Handlungsmöglichkeiten und Reaktionsweisen. Zudem diskutierte die Gruppe in der gemeinsamen Auswertung die verschiedenen Verhaltensweisen und entwickelte eigene Lösungsmöglichkeiten.
„Das Seminar ist kein Rezeptbuch“, betonte Ladinek, Kriminalkommissar im Ruhestand. Der erfahrene Mentor weiß, wovon er spricht. Er blickt auf 46 Dienstjahre in der Polizeidirektion Ludwigshafen zurück, war dort Beauftragter für Jugendsachen und über 30 Jahre in der Präventionsarbeit tätig. Seit 19 Jahren bietet er Seminare für Argumentationstraining und Mentoren-Ausbildungen an.
Kritik ist sachlich zu hinterfragen
Fallen Vorurteile oder abwertende Sätze, ist laut Ladinek zunächst Zuhören wichtig. Dann können Äußerungen konkret hinterfragt und sachliche Gegenargumente vorgetragen werden. Dazu brauche es Flexibilität, aber auch Mut und Fantasie, verschiedene Strategien auszuprobieren. Sicher sei es bei manchen Aggressoren sinnlos, weiter zu insistieren, erläutert Ladinek: „Wir können schließlich nicht alle Probleme der Welt lösen.“ Es solle dann aber dennoch eine klare Position bezogen werden. Tipps geben Ladinek und Wöll für Veranstaltungen und Vorträge, wenn beispielsweise Referenten gezielt von streitsuchenden Störern aus dem Auditorium verbal attackiert oder unterbrochen werden. Hier sollte zunächst das Publikum mit einbezogen werden.
Nach zwei spannenden Tagen im Argumentationstraining, war sich jeder in der Gruppe einig, viele neue Erkenntnisse für sich dazugewonnen zu haben. Solche Seminare sollten auch in Kindertagesstätten und Schulen stattfinden, lautete der allgemeine Tenor. Zur weiteren Vertiefung des Gelernten wünschten sich die Teilnehmer einen aufbauenden Folgekurs.