Kreis Bad Duerkheim Das Wasser „nachzeichnen“

Er gehört zu Neustadt und seiner Geschichte, und ist doch im Stadtbild kaum sichtbar: der Speyerbach. Das zu ändern ist das Ziel des Projektes „Wasser in die Stadt“, das die Bürgerstiftung Neustadt und der Lions Club angestoßen haben. Dabei geht es allerdings nicht darum, den Bach, dessen Wasser teilweise durch ein Rohr in einer Tiefe von rund 1,50 Meter unter der Innenstadt hindurchfließt, wieder komplett freizulegen. „Wir wollen das Wasser nachzeichnen“, erklärte Landschaftsarchitekt Bernd Hofmann vom Büro Hofmann-Röttgen in Limburgerhof, bei einer Vorstellung der ersten Pläne am Mittwoch im Rathaus. Wasserflächen und Rinnen sollen am Juliusplatz und im Bereich Kriegerdenkmal/Laustergasse entstehen. Sie sollen an keiner Stelle tiefer als 20 Zentimeter und zu einer Seite hin abgeflacht sein. Mit tieferen Rinnen nach dem Vorbild der Freiburger „Bächle“ hätten zahlreiche Städte negative Erfahrungen gemacht, begründete Landschaftsarchitekt Bernd Hofmann. Die Rinnen seien mehr als Hindernis denn als Bereicherung angesehen worden. Das soll in Neustadt vermieden werden. Nach den bisherigen Planungen umfasst das Projekt fünf Bereiche: Wasserrinnen zwischen Kriegerdenkmal und Ecke Laustergasse/Marstall eine symbolische „Nachzeichnung“ des Bachverlaufs mit bodengleichen Metall-Elementen in der Marktgasse und auf dem Marktplatz, eine größere Wasserfläche auf dem Juliusplatz, die eventuell mit Fontänen ausgestattet werden soll, sowie eine Öffnung und Neugestaltung des Wasserbeckens westlich des Juliusplatzes. An zwei Stellen werden Pumpen benötigt, um das Wasser an die Oberfläche zu bringen: am Juliusplatz und am Klemmhof. Vom Abfluss der Rinnen aus soll es wieder zurückgeführt werden in den unterirdischen Teil des Speyerbachs. Geplant sind also keine in sich geschlossenen Wasserkreisläufe, sondern eine Art Bypass an zwei Stellen. Zur Finanzierung sagte Frank Sobirey, der sowohl in der Bürgerstiftung als auch im Lions Club aktiv ist, dass das Projekt nur möglich sei, weil die Stadt ohnehin die Sanierung der Fußgängerzone zwischen Kriegerdenkmal und Elwetritsche-Brunnen plane. Als Gesamtbetrag wurde die Summe von 1,25 Millionen Euro (ohne Bassin-Umbau) genannt, wobei der Großteil auf die Straßensanierung entfalle. Baubeginn soll im kommenden Jahr sein. Bei der Vorstellung im Rathaus gingen die Pläne einigen Zuhörern nicht weit genug. Wenn der Bach nicht wirklich durchgängig an die Oberfläche geholt würde, könne das Projekt nicht als gelungen bezeichnet werden, sagte ein Zuhörer. Auch auf den Skizzen, auf denen die Bürger im Anschluss an die Präsentation Wünsche, Anregungen und Kritik niederschreiben konnten, wurde vorgeschlagen, den Bach auch auf dem Marktplatz und in der Marktgasse an die Oberfläche zu holen – allerdings mit Gittern überdeckt. Hofmann machte deutlich, dass das Team grundsätzlich offen sei für Anregungen. Sinn der Präsentation sei gerade, Bedenken und Wünsche der Bürger berücksichtigen zu können. Beim Marktplatz müsse die Planung aber auch mit den dort ansässigen Gastronomen und Händlern abgestimmt werden. Er wies außerdem auf das historische Pflaster auf dem Marktplatz hin, das erhalten bleiben solle. Angeregt wurde darüber hinaus, die Rinnen in der Laustergasse auf beiden Seiten abzuflachen statt auf einer Seite mit einer Kante zu begrenzen. Dadurch entfiele eine Stolperstelle, außerdem würde die „Bachführung“ optisch weicher. Harte, gerade Linien, so der Einwand, vertrügen sich nicht mit dem Bild der Altstadt. Ein weiterer Kritikpunkt: der Einsatz von Pumpen und der damit verbundenen Energieverbrauch. Reduzieren ließe sich dieser durch ein Wasserrad zwischen Juliusplatz und Speyerbach, sagte Sobirey, der bekannte, dass das ohnehin eine seiner Lieblingsideen sei. Allerdings müsse geklärt werden, wie das mit der Durchlässigkeit des Gewässers zu vereinbaren sei. Auf die Frage, ob bei Wasserentnahme und Wiederzufuhr an die Sicherheit der Gebäude gedacht sei, erklärte Hofmann, dass bei der geplanten gebundenen Bauweise kein Wasser nach unten sickern werde. Das Oberflächenwasser werde wie bisher in den Bach geleitet. „Wenn der Bach sichtbar ist, wird den Bürgern bewusster werden, dass das unterirdische Rohr kein Abwasserkanal ist“, so Hofmann.