Kreis Bad Duerkheim Blitzschnelle Bilderfolge

Für Dürkheimer sehenswert: der Film „final cut“.
Für Dürkheimer sehenswert: der Film »final cut«.

Der Film „Bad Dürkheim – bewegte Bilder – final cut“, moderiert von Stadtführer Rolf Jochum und Museumsleiterin Britta Hallmann-Preuss, ist am Wochenende im Dürkheimer Haus gezeigt worden. Es gibt für solche nostalgischen Bilder eine treue Fangemeinde: Rund 60 Prozent der Besucher waren einer Blitzumfrage zufolge vor zwei Jahren schon mal da.

Es sei ein Spagat zwischen altem und neuen Film, alten und neuen Sequenzen, sagt Matthias Denhoff, im realen Leben für Musikerziehung am Gymnasium zuständig. Mit Georg Tempel und Roger Klink hat er an dem Filmprojekt gearbeitet. Bis wenige Stunden vor der Aufführung war unklar, ob es funktionieren würde, aber IT-Spezialist Klink hat es dann doch noch hinbekommen. Mit im Boot war der Südwestrundfunk (SWR), der heute Abend um 18.45 Uhr in der Landesschau darüber berichten will. Zu Beginn röhrt es wie der Metro-Goldwyn-Mayer-Löwe, den sich der maßgeblich beteiligte Dürkheimer Lions Club quasi „ausgeliehen“ hat. Dann trifft ein Dampfzug zum Weinbaukongress 1924 ein, die „Funke-Chaisse“ (Rhein-Haardtbahnwagen 1005) rollt vor den alten Kiosk am Bahnhof aus. Wer weiß noch, dass Autobusse ab dem Römerplatz – damals mit Arkaden vor dem heutigen Cortina – in alle Welt fuhren und auf der Kreuzung vor „Feinkost Degenhard“ ein „Verkehr wie in Berlin“ war? Die „Kaffeemihl“ soll der älteste Aussichtsturm der Region sein. 1928 wurde die „Sonnenwende“ gebaut: Dürkheimer Firmen müssten beteiligt werden, forderte der Stadtrat. Schon flimmern rare Aufnahmen vom Aufbau des Dürkheimer Riesenfasses durchs Bild. Gestiftet von Hans Stepp, dessen Vater Geselle bei Fritz Keller war. Damals wusste niemand, ob das fertige Fass „halten“ würde. 1935 kam die Brunnenhalle, eine Villa in Hardenburg, der Kurgarten mit dem „Heiligen Garten“, Seebach im Schnee, der Chronist ist ratlos. Ein roter Faden wäre wünschenswert, eine Einordnung, Erläuterung, Zusammenhänge. So erhascht der Zuschauer Schnipsel – vielleicht aus der persönlichen Vergangenheit. Hat das Publikum die Leute wiedererkannt? „Ja, durchaus“, antwortet eine Besucherin, möchte aber nicht sagen, wen. Bleibenden Eindruck hat bei vielen der ehemalige Bürgermeister Georg Kalbfuß hinterlassen. Der bleibt souverän, nachdem er vom Zauberer zersägt und wieder zusammengesetzt wurde und kann in fließendem Englisch dem US-amerikanischen Fernsehen problemlos die Feinheiten des Wurstmarktes in allen Details vermitteln. Durch das Gasthaus „Zum Weinberg“ im Schwarzviertel führt heute die B37, der Wurstmarkt damals erscheint noch schlammig und ungepflastert. Der Film erweist sich als kunterbunte, durcheinander fließende Bilderfolge, mit hilfreicher und launiger Moderation. Jetzt lernen wir, dass der Knauss-Campingplatz mit seinem Laubengang 1978 errichtet wurde und schon sind wir wieder beim Weinbaukongress – diesmal vom 5. September 1927 um 15 Uhr. Da rollte Reichspräsident Paul von Hindenburg samt Wagenkonvoi durch den Ort. Kein Hinweis, ob er sich mit Vertretern der Stadt getroffen und wo er übernachtet hat. Beeindruckend ist ein aufwendig inszenierter Aufmarsch der Nationalsozialisten vor dem Kurhaus, an dem ausnahmslos alle Beteiligten mit mehr als sichtbarer Lustlosigkeit teilnehmen (müssen). Als nächstes Bild: der Schutt der zerbombten Dürkheimer Innenstadt. Das Capitol-Kino (heute Drogerie Müller) wird sofort „wieder aufgebaut“. Auch an der Stelle des Dürkheimer Hauses gab es schon mal ein Kino, das passt also. Der Flugplatz wurde 1967 nach Bad Dürkheim verlegt. 1969 bekam die Stadt eine Asphaltlandebahn, 2015 wurden 4000 Landungen gezählt. Zur erschreckend aktuellen Realsatire wird ein Fernsehbeitrag über den Dürkheimer Kurbetrieb. „Bad Dürkheim ist ein klassisches Beispiel für die Rückständigkeit gewisser Kurorte“, heißt es in einem SWR-Beitrag. Wieder kommt die Gondelbahn ins Bild, deren Bau 3,5 Millionen Mark und der juristisch erzwungene Stillstand 70.000 Mark gekostet hat. Die letzten drei Grundstücksbesitzer hätten für die Überfluggenehmigung ein bis zwei Pfennige pro verkaufter Fahrkarte bekommen können oder ein komplettes Wochenendgrundstück mit Gebäude. Sie wollten aber nicht, und bekamen am Ende nur eine geringe Entschädigung. Zunächst durfte die Bahn wieder fahren, ehe sie am Ende doch endgültig stillgelegt wurde. Die Gründen bleiben unklar. Trotzdem macht der für Dürkheimer unbedingt sehenswerte Streifen Lust auf mehr, auch auf mehr Tiefgang und Hintergrundinformationen, nicht zuletzt für die Nachwelt.

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