Kreis Bad Duerkheim Bei Kleibern und Schläfern
Wer im Wald mit Leiter und Notizbuch unterwegs ist, kontrolliert dort sehr wahrscheinlich Nistkästen. Im Bereich Wachenheim/Deidesheim betreut die Nabu-Gruppe Mittelhaardt mehrere Hundert künstliche Bruthöhlen. Am Samstag lud sie zu einem Höhlenbrüter-Schnupperkurs ein, um weitere Helfer zu finden.
Die Exkursion ins Wachenheimer Burgtal beginnt auf dem Parkplatz hinter dem Campingplatz. Wo am Wegrand hoch am Baum ein Nistkasten hängt, macht die Gruppe halt. Ein Vogelfreund steigt auf die Leiter, neugierige Blicke folgen ihm. Nisthilfen-Kontrollen, so wird an diesem Nachmittag klar, bringen spannende Erlebnisse mit sich, sind zugleich aber auch mit viel Einsatz verbunden. Bei der großen Aufgabe, die sich der Naturschutzbund Mittelhaardt (ehemals Nabu Wachenheim/Deidesheim) gestellt hat, helfen derzeit zu wenig Aktive: „Wir führen rund 650 nummerierte Nistkästen auf unserer Liste, haben aber aktuell nur eine Handvoll aktiver Mitglieder, die regelmäßig kontrollieren“, erklärt Vorsitzender Burkhard Ort. Helfer Klaus Reincke ist unter anderem für das Burgtal zuständig. Bei den jährlichen Kontrollgängen im Herbst und Winter steigt der rüstige Rentner ungeachtet seiner 78 Jahre auf die Leiter, um die Belegung zu erfassen. „Mir wäre es allerdings lieber, wenn ich bald einen Nachfolger fände“, sagt der Wachenheimer, der seit Jahrzehnten im Vogelschutz aktiv ist. Warum Nistkästen für höhlenbrütende Vögel wichtig sind, erklärt Reincke gern: „Sie bieten Ersatz für natürliche Höhlen. Da im Ertragswald nur wenige alte, morsche oder tote Bäume stehenbleiben, sind solche Bruträume selten geworden.“ Was die Teilnehmer der Exkursion in den drei nächsten Stunden zu sehen bekommen, gibt ihm recht: Reichlich vorgefundenes Nistmaterial zeigt, dass Ersatzwohnraum dringend nötig ist. Fast alle der knapp 30 kontrollierten Kästen beherbergten in der vergangenen Brutsaison eine Kinderstube. Für die Teilnehmer des Schnupperkurses wird auch das Ausräumen der Nisthilfen aufschlussreich: Gründlich müssen alte Nester entfernt werden. Sonst können darin Parasiten wie Flöhe und Milben überwintern, die im nächsten Frühling die neuen Bewohner plagen. Außerdem bauen viele Vogelarten ihr neues Nest einfach über das alte. Ohne Pflege würde die Nisthöhle bald wegen Überfüllung unbewohnbar.Vogelkenner schließen je nach Nistmaterial auf die Bewohner. „Hier haben Meisen gebrütet. Sie tragen viel Moos ein und polstern es aus mit Tierhaaren und Federn“, sagt Burkhard Ort. Anders sieht es beim Kleiber aus: Dieser kleine Klettervogel trägt den Namen wegen seiner fleißigen Klebearbeit an Nisthöhlen: Mit feuchter Erde, die beim Trocknen sehr hart wird, verengt er den Höhleneinschlupf, um größere Wohnungskonkurrenten fernzuhalten. Für das Nest trägt er vor allem dünne Kiefernrinde ein. Die Vogelfreunde begegnen an diesem Nachmittag auch manchen Überraschungsgästen: Kopfüber hängt in einer Nisthilfe ein Grüppchen von Fledermäusen. Um nicht weiter zu stören, wird der Kasten schnell wieder geschlossen. Auch Siebenschläfer nutzen die Ersatzhöhlen als Tagesversteck. Einer der putzigen Bilche, auch Schläfer genannt, hat im Burgtal seinen Unterschlupf mit Blättern gepolstert und vollgestopft mit Vorräten aus Eicheln. Man muss sich ja noch dick und rund fressen, bevor es ins Winterquartier geht. (lad) INFO Interessenten für die Nistkasten-Betreuung melden sich bei Klaus Reincke, Telefon 06322 1583.