Kreis Bad Duerkheim
Bad Dürkheim: Ester hält keine VHS-Vorträge mehr
Zu den vielen VHS-Vorträgen kamen 60 Filmabende in Wachenheim, Deidesheim und Freinsheim. Vor ziemlich genau einem Jahr hat Ester seinen letzten Vortrag gehalten. Er wird dieser Tage 85 Jahre alt, ist gesundheitlich angeschlagen und kann mit seiner Frau nicht mehr auf große Fahrt gehen. Drei Arten von Zuhörern hat Ester bei seinen Vorträgen im Winterhalbjahr ausgemacht: Menschen, die vorhatten in das Vortragsland zu reisen, solche, die schon einmal dort waren, und solche, die gerne dorthin gereist wären, das aber nicht konnten.
Reiselustig waren die Esters wohl schon immer. Mit der Familie, zu der zwei Kinder gehörten, reiste man seinerzeit schon zu Badeurlauben in ganz Europa und Papa Karl Heinz filmte das Ganze.
Anfänge mit Super-8-Kamera
Allmählich wuchs der Wunsch, auch weiter entfernte Länder kennenzulernen. Als der Verwaltungsamtmann in den Ruhestand ging, widmete er sich seinem Hobby, der Filmerei, intensiver. Damit wurde der Grundstein für seine Vorträge im Haus Catoir gelegt, die 1997 starteten. Anfangs filmte Ester mit einer Super-8-Filmkamera, später kam eine Videokamera zum Einsatz. Diese Aufnahmen konnte er jetzt selbst digital bearbeiten. 1988 schon fuhr das Ehepaar Ester mit dem Bus ab Dürkheimer Bahnhof bis nach Moskau und besuchte unterwegs Warschau, Minsk, Smolensk und St. Petersburg. Seine Frau Ingeborg, die ihn stets begleitete, erinnert sich gerne an diese Reise. Bei ihren Besuchen in fremden Ländern waren die beiden ein eingespieltes Team: Wenn Karl Heinz mit Filmen beschäftigt war, hielt Ingeborg für beide den Anschluss an ihre Reisegruppe – was hin und wieder misslang, wie beispielsweise in Peking und in den verwirrenden Suqs von Marrakesch. Sie habe damals „Blut und Wasser“ geschwitzt, gesteht Ingeborg Ester. Von allen Vorträgen gibt es noch die Manuskripte, das Filmmaterial und die Zuhörerliste – knapp hundert Leute lauschten in Spitzenzeiten seinen Reiseberichten. Alles kann er mit einem Griff hervorholen. Das Wohnzimmer ist voll mit Erinnerungsstücken aus aller Welt. „Wer sich nach meinem Tod wohl noch dafür interessiert?“, sinniert Ester.
Im Nahen Osten waren Israel, Ägypten, Syrien, Libanon und Jordanien Ziel der Reisen, im Fernen Osten unter anderem China, Indien, Thailand, Kambodscha und Indonesien. In Kambodscha seien die Spuren der Schreckensherrschaft der Roten Khmer noch deutlich zu sehen gewesen, erzählt Ester. In Russland machten die Esters eine Reise auf der Wolga, sie waren im Jemen und bestaunten die Architektur der Häuser in Sanaa, reisten kreuz und quer unter Militärschutz durch Land. Kreuzfahrten bildeten den Abschluss ihrer Reiselust – und immer bereitete der Dürkheimer das Erlebte per Film für andere auf.
„Wir sind mit Elefanten durch den Wald geritten und auf Kamelen durch die Wüste“, so Ester, aber das schönste Reiseziel sei für ihn Indien gewesen, wo sie in Maharadscha-Palästen übernachteten und in einem Baumhaus mitten im Dschungel picknickten. Ingeborg Ester schönste Erinnerungen gelten Griechenland und dem erhabenen Gefühl beim Blick von der Akropolis auf Athen ...