Kreis Bad Duerkheim Arbeitswelt im Wandel

Der 1. Mai ist ein Feiertag. Weltweit wird er als Tag der Arbeit begangen. Würden wir eine Umfrage starten, den Anlass für den freien Tag könnten sicherlich viele nicht benennen, wie das ja auch bei kirchlichen Feiertagen mittlerweile der Fall ist. Der Ursprung des Festes scheint vielen nicht mehr relevant. Man nimmt die freie Zeit gerne und feiert eben. Der Tag bietet die Gelegenheit zum Genießen der schönen Natur, zur Erholung, zur Geselligkeit. Zeiten der Entspannung sind notwendig in unserer stressigen, schnellen und immer unübersichtlicher werdenden Zeit. Verglichen mit den Tagen, in denen der Maifeiertag begründet wurde, hat sich zumindest in weiten Teilen Europas die Arbeitswelt radikal verändert. Sie hat den meisten zu sozialer Sicherheit und auch zu Wohlstand verholfen. Arbeitnehmer sind in vielen Branchen gesucht und werden umworben. Alles gut also? Wenn der paritätische Wohlfahrtsverband in diesen Tagen in einem Bericht von der bestehenden Armut in unserer Gesellschaft spricht und davon, dass Menschen nicht von ihrer Arbeit leben können, dann wird gerne darauf verwiesen, auf welch hohem Niveau doch geklagt wird. Gleichzeitig werden Streikmaßnahmen in Kitas angekündigt und Burn-out ist zu einer allseits geläufigen Krankheit geworden. Das Thema Arbeit bleibt aktuell. Die Arbeit ist mehr als die Produktion von Konsumgütern. Sie ermöglicht dem Menschen, seine Fähigkeiten und seine Persönlichkeit zu entfalten. Durch Arbeit kann er an der Gestaltung der Welt mitwirken. Er gewinnt Wertschätzung und Anerkennung. Die Arbeit soll ihm erlauben, seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Hierin kommt eine biblisch begründete Wertschätzung der Arbeit zum tragen, die der Würde des Menschen entspricht. Auf diese Werte verweisen die Kirchen in ihren Aussagen zur christlichen Soziallehre, wie es jetzt aktuell in der Denkschrift der evangelischen Kirche „Solidarität und Selbstbestimmung im Wandel der Arbeitswelt“ geschieht. Diese Gedanken und andere stehen am morgigen Tag der Arbeit im Raum. Sie richten sich an Arbeitgeber – auch an die kirchlichen – aber genauso an die Gesellschaft. Wir möchten, dass Kinder ihre Fähigkeiten entwickeln können und dabei gefördert werden. Welchen Preis dafür sind wir bereit zu zahlen an die Erzieher und Erzieherinnen? In Krankheit und Alter möchten wir gut versorgt werden. Welche Wertschätzung, welche Anerkennung, welchen Lohn verdienen die Pflegenden? Welchem Leistungsdruck werden weltweit Menschen ausgesetzt, um für uns effizient und billig zu produzieren? Stellen wir uns diesen Fragen und genießen wir dann den 1. Mai in der Natur, auf dem Sofa oder bei Feiern in Gesellschaft. Die Autorin Annette Nitsch ist Pastoralreferentin in der Pfarreiengemeinschaft Bad Dürkheim (Archivfoto: privat)