Mit Krone und Wurzel RHEINPFALZ Plus Artikel Alter Kirschbaum auf dem Michelsberg trägt klangvollen Namen

Im Kirschbaum am Michelsberg nisten Hornissen.
Im Kirschbaum am Michelsberg nisten Hornissen.

Eine auffallende Erscheinung ist der alte Kirschbaum auf dem Michelsberg bei Bad Dürkheim. Er gehört einer historischen Sorte an, die den klangvollen Namen „Große Prinzessin“ trägt.

Wo der Michelsberg nach Norden hin sanft abfällt, steht der Kirschbaum links am Wegrand. Sein gerade gewachsener Stamm trägt eine breit und fast kugelig ausladende Krone. Das gilt als typisch für die Sorte: „Es ist eine Große Prinzessin“, erklärt Philipp Eisenbarth, Mitglied des „Erhalternetzwerks Sortenvielfalt“ im deutschen Pomologen-Verein. Der Begriff „Pomologie“ für Obstbaukunde stammt vom lateinischen „pomum“ für Baumfrucht. Pomologen beschäftigen sich mit Arten und Sorten von Obst und ihrer Bestimmung.

Der Baum am Michelsberg gehört zu jenen alten Sorten, die früher vielfach auf pfälzischen Obstwiesen angebaut wurden. Auch „Große Prinzesskirsche“ genannt, kommt dieser Sorte eine überregionale Bedeutung zu. Das bezeugen gleich zwei Kaisernamen: Die Sorte wird auch als „Napoleonskirsche“ sowie als „Kaiser Franz Kirsche“ bezeichnet.

Alle Kulturarten der Süßkirsche stammen von der wild wachsenden Vogelkirsche ab. Nach der Beschaffenheit des Fruchtfleischs werden die Süßkirschen wiederum unterschieden in weichfleischige Herzkirschen und festfleischige Knorpelkirschen.

Die Große Prinzessin gehört mit ihrem knackigen Fruchtfleisch zu den Knorpelkirschen. Früher war sie in der Region eine der meist angebauten Süßkirschen. Ihre Früchte sind groß, herzförmig und weisen von gelb bis leuchtend rot eine auffallende Färbung auf. Hellgelb ist das Fruchtfleisch, der Saft dagegen farblos.

Seit Jahrtausenden züchtet der Mensch Kirschbäume, um größere und süßere Früchte zu erzielen. Durch die Römer kam der Anbau des beliebten Obsts auch zu uns. Der deutsche Name „Kirsche“ leitet sich vom althochdeutschen „kirsa“ ab, das aus dem lateinischen „cerasus“ entstand. Die Vielfalt alter Sorten präsentiert beispielsweise das Kräuterbuch des Botanikers Hieronymus Bock (1498 bis 1554), der ihre Früchte als zahm und wild, groß und klein, rund und lang sowie in unterschiedlichen Farben beschreibt.

Historische Sorten drohen zu verschwinden

Früher wurden Kirschen auf Hoch- und Halbstämmen erzeugt, was einen hohen Arbeitsaufwand bei Pflegemaßnahmen und Ernte bedeutete. Heute findet man die alten Wuchsformen eher auf Streuobstwiesen. So versucht der Pomologen-Verein, historische Sorten als Kulturgut zu erhalten und ihrem Schwund entgegen zu steuern. Die Große Prinzessin gilt nicht als besonders anspruchsvoll, was ihren Standort angeht, aber sie liebt es warm und sonnig. Am Michelsberg findet der Baum gute Bedingungen. Er wird auf der Anhöhe nicht beschattet und wurzelt in kalkhaltigem Boden. Philipp Eisenbarth schätzt sein Alter auf ein halbes Jahrhundert.

Spuren des Lebens haben sich tief in seine Gestalt gegraben und den Stamm ausgehöhlt. Seine Vitalität hat der Kirschbaum deswegen nicht eingebüßt. Jahr für Jahr bildet er ein dichtes Blätterkleid aus. In die langgestreckte Höhlung sind Hornissen eingezogen. Somit führt der Baum vor Augen, wie schadhafte Stellen anderen Wesen Lebensraum bieten. Auch damit zeigt er uns, dass nicht alles, was Mängel aufweist, beseitigt werden muss.

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