Frankenthaler Umland
Absagen oder durchziehen? Welche Dörfer einen Weihnachtsmarkt planen
Das Programm des zweitägigen Gerolsheimer Weihnachtsmarkts im und am Dorfgemeinschaftshaus hört sich gut an: Am Freitag ab 18 Uhr dreht sich auf dem Festplatz ein Karussell, während Würstchen gebraten und Glühweintassen gefüllt werden. Drinnen warten die Betreiber von Kunsthandwerks- und Delikatessenständen auf Kunden. Am Samstag geht’s ab 15 Uhr weiter. Dann bringt das Pfälzer Dubbeglas-Maskottchen Schorli die Leute zum Lachen, es werden Lose für die Tombola verkauft, und auf dem Sportgelände wird Line Dance zum Zuschauen und Mitmachen geboten. Am Abend tritt das Musikduo Two4you auf. Und das alles, obwohl die Corona-Pandemie die Infektionszahlen in schwindelerregende Höhen treibt.
Marco Arenth, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Gerolsheim (IGG), ist zuversichtlich. „Unser Hygienekonzept ist mit der Kreisverwaltung abgesprochen“, sagt er und kündigt Zugangskontrollen zur Einhaltung der Corona-Regeln an. Die besagen, dass sich in der Halle Geimpfte, Genesene und maximal 25 Ungeimpfte mit negativem Testergebnis aufhalten dürfen und Maske tragen müssen. Die Bürgerinitiative hat technisch aufgerüstet, unter anderem mit Zählgeräten und einem Datenscanner auf dem Mobiltelefon. Arenth erwartet einen großen Andrang.
Im Freien ist alles erlaubt
Im Freien sind nach aktueller Landesverordnung keine Einschränkungen nötig, auch wenn der Ministerrat am Dienstag strengere Regeln und die Corona-Warnstufe 2 angekündigt hat. Gewünscht ist aber offenbar, dass die Kommunen ihre Weihnachtsmärkte unter 2G-Bedingungen planen.
Lambsheim hatte vor, beim Weihnachtsmarkt vom 26. bis 28. November an den Kirchen Ungeimpften zu ermöglichen, sich vor Ort schnelltesten zu lassen. Mit Bimmelbahn, Karussell, Nikolaus, Puppentheater und einem Bastelangebot wollte die Ortsgemeinde vor allem Familien mit Kindern etwas bieten, also einer Zielgruppe, die aktuell wohl am meisten Gefahr läuft, sich mit dem Coronavirus anzustecken.
Am Dienstagabend wurde die Veranstaltung jedoch abgesagt. Man wolle angesichts der aktuellen Corona-Lage das Risiko nicht eingehen, sagt die Erste Beigeordnete Silke Wilhelm (CDU). Am Rande einer Gremiensitzung habe sich die Gemeindespitze für die Eilentscheidung die Zustimmung aller Fraktionen geholt. Zuvor hatten schon Vertreter von einigen Vereinen Bedenken geäußert und ihre Teilnahme abgesagt. Sie wollten ihre Helfer trotz Impfung nicht dem Risiko einer Ansteckung aussetzen.
Keine Märkte im Rest der Verbandsgemeinde
Wegen der heftigen vierten Pandemiewelle haben die Zuständigen im Rest der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim ebenfalls und schon vor Längerem entschieden, dass der Adventstrubel ausfällt. Hier und da wird es nach Angaben der Bürgermeister kleine Alternativen geben, in Heßheim und Heuchelheim zum Beispiel eine Nikolausstiefel-Füllaktion oder in Großniedesheim die „Adventsfenster“. An jedem Adventswochenende schmücken Vereine und Privatpersonen dabei ein Fenster oder einen Vorgarten und können etwas aufführen oder etwas zum Essen und Trinken anbieten, wenn sie wollen. Laut Ortsbürgermeister Michael Walther (SPD) stehen ein paar Stationen und Termine schon fest, wer ebenfalls mitmachen will, meldet sich unter Telefon 06239 7657 oder per E-Mail an info@grossniedesheim.de.
In Kleinniedesheim ersetzt der Kleintierzuchtverein laut Bürgermeister Ewald Merkel (FWG) den Adventsmarkt am 28. November durch ein Gänseessen in seinem Lokal. „Am 2. Advent ist die ,Vorweihnachtliche Musik’ mit den Wormser Barockbläsern im Schlosshof geplant“, sagt Merkel. Wegen der Einfriedung sei dort die 2G-Regel umsetzbar. „Sollten es die Umstände erforderlich machen“, betont Merkel, „ist aber auch hier eine Absage nicht auszuschließen.“
Bedenken in Bobenheim-Roxheim
In Bobenheim-Roxheim würde unter normalen Bedingungen am ersten Dezemberwochenende mit zahlreichen Buden und einer Bühne auf dem Kurpfalzplatz Advent gefeiert. Im Moment aber sieht es eher nach einem deutlich abgespeckten Programm aus. Das könnte laut dem Ersten Beigeordneten Frank Peter (CDU) aus den Angeboten von drei Vereinen und einem Schaustellerbetrieb bestehen. In der Mitgliederversammlung des Gewerbevereins vor einer Woche sagte Bürgermeister Michael Müller (SPD), die augenblickliche Situation mit stetig wachsenden Corona-Zahlen sei für die Vereine irritierend: „Es gibt im Moment viele Ängste.“
Und wie sieht es in der Nachbarschaft von Weihnachtsmarkt-Vorreiter Gerolsheim aus? Großkarlbach feiert am 27. und 28. November im Hof des Alten Weinguts (Hauptstraße 23) statt wie sonst in und an der Dorfmühle. In Dirmstein soll vom 3. bis 5. Dezember die „Märchenhafte Weihnacht“ im und am Sturmfeder’schen Schloss unter 2G-Bedingungen stattfinden – mit Verkaufsständen, Essen, Ausschank und Rahmenprogramm. Und in Laumersheim würde man gern am Samstagabend, 18. Dezember, gemütlich auf dem Schulhof zusammenkommen. In Zeiten vor der Pandemie standen dort etliche Buden und bis zu 500 Leute eng beisammen. „Über 2G könnte man das regeln“, sagt Bürgermeister Arno Wieber (CDU), „aber das muss ja dann auch kontrolliert werden.“ Wie’s am Ende wirklich laufen wird, steht in Laumersheim also noch nicht fest. „Wir wollen die möglichen neuen Corona-Verordnungen abwarten und dann entscheiden“, sagt Wieber.
