Karlsruhe Von Arizona in den Nordschwarzwald
«Karlsruhe.»Wer in den späten 70er Jahren mit Punkrock sozialisiert wurde, der stieß spätestens zu Beginn der 80er auf Stil prägende US-Indie-Bands wie Dream Syndicate, Leaving Trains oder den Desert Rock von Giant Sand. Einer, der bei all diesen legendären amerikanischen Gitarren-Bands mit leicht melancholischem Unterton mit am Start war, ist Chris Cacavas. Und wer ahnt schon, dass der einflussreiche Musiker heute im beschaulichen Langensteinbach bei Karlsruhe lebt?
Von der staubtrockenen Wüste in Tucson Arizona zog es Chris Cacavas bereits vor rund 20 Jahren an den Rand des Nordschwarzwalds. Einen größeren Kontrast mag man sich wohl kaum vorstellen. Dort lebt er heute mit seiner Frau Rose, die aus dem nahen Waldbronn stammt, und seinem Sohn Dylan. Was er am meisten in seiner neuen Heimat vermisst? „Es klingt komisch, aber manchmal vermisse ich Gerichte und Gewürze aus meiner Heimat. Das sind oft mexikanische Zutaten. Aber im Badischen oder im Elsass kann man natürlich auch hervorragend speisen“, sagt der Musiker, der sehr gut deutsch spricht, schmunzelnd. Der Liebe wegen zog es ihn in den Landkreis Karlsruhe, nachdem die Familie zuvor etliche Zeit in Los Angeles und in Long Beach lebte. Natürlich sei der Kontrast von seinem letzten Wohnort in Kalifornien zu seiner neuen Heimat immens. „Aber hier lässt es sich eben auch sehr gut leben. Der Oberrhein hat eine zentrale Lage mitten in Europa. Als Musiker muss ich ja öfters reisen und drei Flughäfen kann ich quasi innerhalb einer guten Stunde erreichen.“ Nordbaden als „Homebase“, um von dort aus in die Welt zu gehen. Nachdem er sich zunächst musikalisch mehr in Richtung Singer/Songwriter orientierte und später mehrere Jahre mit seinem Trio (mit zwei Band-Mitgliedern aus Pforzheim) vornehmlich auf Independent-Rock fokussierte, war er im vergangenen Jahr wieder einmal mit Dream Syndicate auf Europa-Tour und spielte auf Festivals zusammen mit Legenden wie Patti Smith und Van Morrison. Vor allem mit Electro und Krautrock befasste sich der Multi-Instrumentalist in der Vergangenheit. Und natürlich stehen immer wieder Kollaborationen mit Mitgliedern der frühen US-Indie-Szene an. Er spielte mit Calexico ihren speziellen Americana-Sound und war mit der grandiosen Folk-Sängerin Penelope Houston auf Tour. Die blonde Harfenistin zählte einst zu den ganz frühen Pionieren des US-Punk (The Avengers). Speziell mit Steve Wynn von Dream Syndicate verbindet Cacavas eine jahrzehntelange Freundschaft, die immer wieder in musikalischen Projekten mündet. Ganz besonders liebt der 56-Jährige die großartigen Stephen Malkmus & the Jicks (Ex-Pavement) oder The Notwist mit ihrem Indie/Electronia-Sound. „Mann, ich habe schon Pavement geliebt, aber was Stephen Malkmus und The Jicks machen, ist einfach nur der Hammer. Und klar, Notwist, das ist eine Klasse für sich“, erzählt Cacavas. Und natürlich schätzt der Musiker nach wie vor die Klassiker des Genres: Velvet Underground, Gun Club, Pixies oder Devo. Chris Cacavas selbst will sich nicht mehr nur ausschließlich auf Indie, Folk oder Americana reduzieren lassen: „Ich mag auch Jazz oder Hip-Hop. Mir geht es letztlich einfach darum, die best mögliche Musik zu spielen und zu produzieren. Es geht um zeitlose Musik. Einer Musik, der man nicht anhört, ob sie aus den 70ern, den 90ern oder aus der aktuellen Zeit stammt.“ Und das geht im Badischen offensichtlich genauso gut wie in Arizona oder auf Long Beach in Kalifornien. Im Netz chris-cacavas.com