Karlsruhe / Maxau RHEINPFALZ Plus Artikel Stora Enso sucht Käufer für Werk Maxau

Sucht neuen Besitzer: Das Papierwerk der Stora Enso in Maxau.
Sucht neuen Besitzer: Das Papierwerk der Stora Enso in Maxau.

Der finnisch-schwedische Konzern Stora-Enso will sich nach übereinstimmenden Presseberichten von vier seiner Papierproduktionsstandorte trennen, darunter befindet sich sein Werk in Karlsruhe-Maxau.

Von der Schließung betroffen wären rund 450 Beschäftigte, darunter auch viele aus der Südpfalz. Hintergrund ist ein Strategiewechsel des Konzerns, der sich künftig auf das Wachstumspotenzial seiner erneuerbaren Produkte bei Verpackungen, Baulösungen und Biometarial-Innovationen konzentrieren will. Neben dem Werk Maxau ist deshalb auch der Verkauf von zwei Werken in Schweden und einem in Finnland vorgesehen.

Bei allen vier Werken handle es sich um starke Standorte in der Papier- und Zellstoffproduktion mit starker Infrastruktur und qualifizierten Mitarbeitern. Man suche deshalb neue Eigentümer, die eine nachhaltige und langfristige Zukunft dieser Standorte und deren Beschäftigten bieten könne, heißt es hierzu aus Konzernkreisen. Im gesamten Geschäftsbereich Papier, zu dem auch noch ein Werk in Belgien gehört, betrug der Umsatz im vergangenen Jahr immerhin rund 1,7 Milliarden Euro.

Das Werk Maxau arbeitet rentabel

Im Werk Karlsruhe sieht man den geplanten Besitzerwechsel vergleichsweise gelassen. Das Werk sei rentabel, habe eine gute Mannschaft und gute Akzeptanz beim Kunden, wird Geschäftsführer Joachim Grünewald zitiert. Demnach produziert das Werk Maxau jährlich 530.000 Tonnen extrem geglättetes Papier, das beispielsweise beim Druck von Flyern und als Magazinpapier eingesetzt wird. Hierfür werden im Werk unter anderem 360.000 Tonnen Altpapier jährlich verarbeitet. Stora-Enso hat das Werk Maxau übrigens erst 1997 übernommen. Zuvor gehörte es seit 1964 der Ende im Jahr 1883 im Murgtal Murgtal gegründeten Firma Holtzmann, einem der damals größten, deutschen Papierhersteller. Auch die erste Papierfabrik in Maxau geht auf das Jahr 1883 zurück. Holtzmann wurde 1997 vom damals noch rein finnischen Konzern Enso Oy übernommen.

In Maxau wurde früher auch Zeitungspapier hergestellt, ehe 2010 die Papiermaschine 7 stillgelegt und 180 Arbeitsplätze abgebaut wurden. Die jetzigen Verkaufsabsichten kommen überraschend, denn erst im März wurde bekannt, dass die Europäische Union ein Fernwärmeprojekt, bei dem eine Anschlussleitung an Fernwärmenetz der Stadt Karlsruhe gebaut werden soll, mit insgesamt 1,3 Millionen Euro und damit der Hälfte der Gesamtkosten fördern will.

Neue Fernwärmeleitungen nicht in Gefahr

Die Stadtwerke Karlsruhe sprachen in diesem Zusammenhang von einem Meilenstein, der die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen weiter verringern werde. Das Werk Maxau könne jährlich eine Wärmemenge von bis zu 50.000 MWh zur Verfügung stellen, genug, um rund 5.000 Karlsruher Haushalte zu versorgen. Die Stadtwerke gehen davon aus, dass sich an dem Vorhaben trotz eines möglichen Besitzerwechsels nichts ändern wird. Der Bau der rund zwei Kilometer langen Anschlussleitung sei nicht nur ökologisch sinnvoll sondern mache auch wirtschaftlich Sinn für beide Seiten.

In Karlsruhe werden inzwischen mehr als 41.500 Wohnungen und Gewerbebetriebe mit Fernwärme versorgt und müssen deshalb keine eigenen Heizungen betreiben. Weitere 5.100 Wohn- und Gewerbeeinheiten sollen in den nächsten Jahren angeschlossen werden. Schon jetzt werde die komplette „Grundlast“ – über 60 Prozent der Karlsruher Fernwärme – durch industrielle Abwärme gedeckt. Der Fernwärmeausbau in Karlsruhe sei das größte Wärmeprojekt in ganz Süddeutschland.

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