Karlsruhe Sparfahrschein kommt gut an

Das 9-Euro-Ticket läuft in wenigen Tagen aus. Dabei war der Ansturm auf das günstige Ticket enorm.
Das 9-Euro-Ticket läuft in wenigen Tagen aus. Dabei war der Ansturm auf das günstige Ticket enorm.

Der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) hat sehr viele 9-Euro-Tickets verkauft, auch wenn die genauen Zahlen noch nicht vorliegen. Die benachbarten Verkehrsunternehmen haben ebenfalls viele der Tickets an die Kundschaft gebracht.

Die Nachfrage nach dem 9-Euro-Ticket war durchgehend hoch: Seit Verkaufsstart Ende Mai wurden bis Beginn der zweiten Augustwoche laut dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) 38 Millionen 9-Euro-Tickets verkauft. Beim VVS als größtem Verkehrsverbund in Baden-Württemberg rechnet man in der Endbilanz mit rund 1,8 Millionen verkauften Tickets. Der Sparfahrschein führte bei ÖPNV-Nutzung überall zur Belebung. „Der Interregio-Express zwischen Karlsruhe und Stuttgart war besonders stark ausgelastet“, sagt VVS-Geschäftsführer Horst Stammler.

Beim Verkehrsverbund Stuttgart zieht man auch schon eine vorläufige Bilanz. „Die Nachfrage in den Bahnen und Bussen ist gestiegen, wir haben erstmals wieder das Niveau von 2019 vor der Pandemie erreicht“, resümiert Stammler. Die Stadtbahnen und Busse „seien voll gewesen, aber nie übervoll“. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), der mit der Deutschen Bahn begleitend Untersuchungen zum Nutzungsverhalten anstellt, spricht von mindestens 30 Millionen Personen inklusive Abonnenten, die im Juli ein 9-Euro-Ticket besessen haben.

Besonders in Ballungszentren nachgefragt

Die Nutzung des 9-Euro-Tickets ist dabei in den Ballungszentren besonders stark. „In ländlichen und strukturschwächeren Gebieten ist der Anteil der Ticket-Besitzer unverändert etwa halb so hoch wie in städtischen Gebieten“, teilt der VDV jetzt in einer Bilanz für die ersten beiden Nutzungsmonate Juni und Juli mit. Bei der begleitenden Untersuchung von VDV und Bahn werden wöchentlich etwa 6000 Personen ab 14 Jahren und alle Kundengruppen einschließlich Nichtkunden befragt. Beim VVS in Stuttgart kommen zu 1,8 Millionen verkauften 9-Euro-Tickets laut VVS-Chef Stammler einige hunderttausend Tickets, die in der Region Stuttgart über die DB-Navigator-App verkauft wurden. Deren genaue Zahl ist nicht bekannt. Dazu hat der VVS 350.000 Abonnenten, deren Tickets automatisch umgestellt wurden.

Auch beim Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) ist eine deutliche Belebung der ÖPNV-Nutzung feststellbar. Ab Verkaufsbeginn am 22. Mai bis Ende Juni wurden im Bereich des KVV rund 315.000 der 9-Euro-Tickets verkauft. Die etwa 95.000 bestehenden Monatsabos wurden dabei fast vollständig in die Sparfahrscheine umgewandelt. „Durch die ungebrochen hohe Nachfrage ist bei diesen Fahrgästen auch die von der Bundesregierung erhoffte Entlastungswirkung bei den Mobilitätskosten eingetreten“, erklärt KVV-Geschäftsführer Alexander Pischon. Die Gesamtzahl der verkauften 9-Euro-Tickets könnte im KVV-Bereich bei bis zu 800.000 Tickets liegen. Diese Zahl will man in Karlsruhe derzeit aber nicht bestätigen. Eine Schlussbilanz wolle man ab Mitte September ziehen, sagt ein Sprecher. Einige Zahlen würden erst dann vorliegen.

Beim Regio-Verkehrsverbund Freiburg (RVF) wurde das 9-Euro-Ticket bis Ende Juni rund 158.000 Mal verkauft. „Rabattierungsaktionen wie das 9-Euro-Ticket helfen uns dabei, Kundinnen und Kunden zu halten und zurückzugewinnen“, sagte der Chef der Freiburger Verkehrs AG (VAG), Oliver Benz, jetzt bei einer Jahresbilanz.

Verkehrswende im Sinne der Klimapolitik

Beim Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) in Mannheim wurden in den ersten fünfeinhalb Wochen – seit Mai im Vorverkauf, bis Ende Juni – 271.382 der 9-Euro-Tickets verkauft. Auch in Mannheim will man laut einem Sprecher erst im Verlauf des Septembers eine Schlussbilanz ziehen. Derzeit überwiegt beim VRN aber mehr Skepsis, als Euphorie, angesichts der erwartbaren Einnahmeausfälle. Der zweitgrößte Verbund im Land hatte erst zum 1. Januar eine große Tarifreform mit der Einführung neuer Fahrscheine umgesetzt. Beim VRN hatten die Kunden zu Laufzeitbeginn des 9-Euro-Tickets insgesamt 260.769 Dauerkarten-Abos gelöst.

Beim VRN baue man darauf „dass wir mit der zu Beginn des Jahres im VRN umgesetzten Tarifreform auf dem richtigen Weg sind und mit den auf die Bedürfnisse der Fahrgäste zugeschnittenen Tarifangebote mehr Interesse und Akzeptanz für eine Verkehrswende im Sinne der Klimapolitik erreichen“, so VRN-Geschäftsführer Volkhard Malik.

x