Karlsruhe Römerberg: Mit dem Trabi bis nach Spanien
Vor 60 Jahren die Serienproduktion des Trabant angelaufen. Liebhaber der „Rennpappe“ gibt es bis heute. In Berghausen haben die Brüder Michael und Christoph Gärthöffner einen Narren am Trabi gefressen. Im vergangenen Jahr sind sie bis nach Spanien mit einem Hänger voller Ersatzteile gekurvt.
Als es die Hako-Rennen zum Frühlingsfest in Heiligenstein noch gab, haben die Gärthöffners sich an den flotten Kisten verdingt. Vorher hatten sie sich schon Mopeds gewidmet und beim Altstadtfest vor zwei Jahren kam die Blitzidee: Ein Trabi muss her. Im saarländischen St. Wendel fanden die Brüder das passende Objekt, Baujahr 1972. „Wir wollten damit in Urlaub fahren. Das Ziel war noch nicht bekannt, aber die Hauptsache war, den Trabi in Gang zu bringen“, erinnert sich Michael Gärthöffner. 24 Jahre hatte der ausgewählte Trabi trocken in einer Scheune gestanden. „Es lag alles obendrauf und innendrin“, berichtet Gärthöffner vom Anblick eines strohbedeckten Fahrgestells. Kurzum: „Eigentlich war alles kaputt.“
Keine Zeit für Probefahrten
Genau die richtige Herausforderung für die Männer aus Berghausen. „Wir haben den Trabi komplett sauber gemacht, zerlegt und wieder zusammen gebaut“, erzählt Michael Gärthöffner, der gelernter Schlosser ist und nun ein Studium des Weinbaus anhängt. „Letztendlich hatten wir fast Zeitdruck bei der Restauration, weil wir spontan die Idee hatten, mit dem Trabi nach Spanien zu fahren“, verrät Christoph Gärthöffner. Zeit für ordentliche Probefahrten blieb nicht. Schwierig war es, Kennzeichen und Versicherung in der Kürze der Zeit klar zu machen. „Wir waren dreimal beim Tüv, bis alles gepasst hat“, berichtet Michael Gärthöffner. Mittlerweile hatte das Projekt der Brüder Kreise bei den Freunden gezogen. „Alle möglichen Leute haben Wetten abgeschlossen, wie weit wir mit dem Wagen kommen. Da dachten wir: jetzt erst recht“, stellt Michael Gärthöffner heraus. Ausgestattet mit Ersatzteilen – ein Motor und Schweißgerät inklusive – und guten Ratschlägen eines Harthausener Trabi-Fachmanns gaben die jungen Männer mit einem Kumpel Gas. Das erste Etappenziel zur Übernachtung lag in der Nähe von Lyon. Ambitioniert mit einem Auto, das auch ohne Anhänger gerade mal auf Tempo 100 kommt. „Wir sind bis Freiburg in Deutschland geblieben und erst dann ins Elsass gewechselt“, sagt Christoph Gärthöffner. Wenn schon liegen bleiben, dann wenigstens in Deutschland, meinte das Trio. Aber: „Es ist überraschend gut gelaufen“, wie Michael Gärthöffner sagt. Alle rund 180 Kilometer sei nicht nur Fahrerwechsel, sondern auch tanken angesagt gewesen. „Da gehen ja nur 20 Liter rein“, erklärt Michael Gärthöffner.
"Wir waren heiß drauf"
Eine Mischung aus Vorfreude und dem Willen zu beweisen, dass alles klappt, begleitete sie. „Wir waren heiß drauf, mit dem Ding zu fahren“, schildert Christoph Gärthöffner die Anspannung. Nur zweimal mussten sie schrauben: Einmal schliff die Bremstrommel, ein zweites Mal löste sich eine Schraube an der Halterung der Lichtmaschine. Nach rund 15 Stunden kam das Trio in Roses am nördlichsten Zipfel von Spanien an. „Auf jedem Rastplatz haben Leute gefragt, was wir vorhaben und wie es läuft“, sagt Christoph Gärthöffner. Sein Bruder ergänzt: „Interessant war, dass der Trabi bei internationalem Publikum Aufsehen erregte. Einerseits hat man uns zwar für verrückt erklärt, andererseits waren alle begeistert.“ Auf der Autobahn sei dem Trabi-Team mehr als einmal motivierend gehupt worden.
Rückfahrt in einem Rutsch
Vor der Rückreise musste die Antriebswelle in Spanien wieder in Gang gebracht werden. „Wir lagen bei 38 Grad auf dem Straßenasphalt rum und hatten Hände voller Fett“, erklärt Michael Gärthöffner und muss beim Gedanken daran immer noch lachen. Die Rückfahrt zogen die Männer in einem Rutsch durch, trotz Hitze. Nach 17 Stunden parkten die Urlauber den Wagen quer im heimischen Hof und waren platt. Das Schlichte und Einfache des Zweitakt-Zwei-Zylinders hat die Brüder begeistert, die es als „reines Minimum“ bezeichnen. Festgehalten haben die Brüder die Reise in einem Film, mit Hilfe einer Kamera an einem Besenstiel – der Reiz des Einfachen eben.