Karlsruhe Neue Parkregeln machen Ärger

Ein Heer von bis zu 14.000 externen Mitarbeitern ist täglich bei der BASF in Ludwigshafen im Einsatz. Sie arbeiten für rund 1600 Kontraktoren, wie Fremdfirmen im BASF-Jargon genannt werden. Bisher konnten sie die etwa 16.000 Parkplätze rund um das Werksgelände mitbenutzen. Jetzt gilt: Nur noch mit einem speziellen Parkberechtigungsschein darf dort geparkt werden. Die Scheine wurden nach Kontingenten an die Firmen verteilt.
Wer bei der Verteilung nicht zum Zuge gekommen ist, soll künftig sein Auto draußen an der Werkskläranlage abstellen, auf einem Parkplatz mit 1000 Stellplätzen, der extra eingerichtet worden ist. Ein Shuttlebus transportiert die Mitarbeiter ins Werk. Das sorgt für Frust: Die Mitarbeiter fühlen sich im Vergleich zur BASF-Belegschaft als „Menschen zweiter Klasse“ behandelt. „Wir haben nur ein Dutzend Parkplätze abbekommen“, klagt eine Fremdfirma, die aufgrund ihrer Beschäftigtenzahlen mehr erhofft hatte. Von „Aussperrung“ und „Mobbing“ ist die Rede. Die BASF weist die Kritik zurück, spricht von „partnerschaftlichem Umgang“ und „Zusammenarbeit auf Augenhöhe“. In den vergangenen Jahren sei die Mitarbeiterzahl im Stammwerk auf rund 36.000 angestiegen. Gleichzeitig werde auf dem Werksgelände kräftig gebaut, was die Zahl der Parkplatzsucher nochmal erhöht. „Im Ergebnis gibt es bei den Parkplätzen in Werksnähe an bestimmten Tagen Engpässe“, erläutert eine BASF-Sprecherin. Der kostenlose Parkplatz an der Kläranlage sei extra angelegt worden, weil er verkehrsgünstig an die A 6 und die B 9 angebunden sei. Die Akzeptanz sei jedoch unzureichend, räumt die BASF ein. Mit dem neuen Parkraumkonzept will der Chemiekonzern das ändern. Alle Einfahrten zu allen werksnahen Parkplätzen und Parkhäusern werden von Personal kontrolliert. Im kommenden Jahr sollen dann automatische Schranken zum Einsatz kommen. Und überhaupt: Das Verfahren zur Vergabe der Parkausweise in Werksnähe sei fair gewesen. „Wir werden aber die Nutzung aller Parkflächen genau beobachten, um bei Bedarf nachsteuern zu können“, lässt der Konzern verlautbaren. Ohnehin bemüht sich der Konzern, die Blechlawine zu reduzieren, die sich im Berufsverkehr zur BASF wälzt. Schon jetzt werden Fahrgemeinschaften von Anilinern gefördert, indem sie reservierte Parkflächen bekommen, dazu ist eine BASF-Mitfahrbörse online. Der Konzern räumt aber auch ein, dass die Nahverkehrsnutzung seiner Mitarbeiter rückläufig ist. Ein Grund dafür könnte sein, dass es für die Aniliner kein Jobticket gibt. Die Parkplatzsituation könnte sich indes in den kommenden Jahren anders entspannen: Die BASF plant, eher weniger im Stammwerk zu investieren – und mit dem Ende der aktuellen Großbauvorhaben wird die Anzahl der Kontraktoren sinken.