Karlsruhe Natur gewinnt durch Straßenbau

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Der Landesbetrieb Mobilität (LBM) wird in der Region mit dem Ausbau der B 10 eher als Baum-Killer denn als -Beschützer wahrgenommen. Die Rodungen gerade im Bereich Hinterweidenthal waren spektakulär. Unsichtbar bleiben jedoch die Naturschutzbemühungen der Straßenbauer, die für jeden verlorenen Quadratmeter Wald neuen schaffen müssen. Über 50.000 Bäume hat der LBM deshalb bei Herschberg gepflanzt.

Bekannt sind die Ausgleichsmaßnahmen für B 10 und L 600 durch die Renaturierung von Blümelsbach und Felsalbe bei Windsberg. Dort wurde vor Jahren der Ausgleich für die B-10-Abschnitte bei Fehrbach und Pirmasens vorgenommen. Wahre Kleinode sind dort entstanden und werden vom LBM weiter gepflegt. Inzwischen sind die beiden renaturierten Bachauen gar mit dem Titel „FFH-Gebiet“ ausgezeichnet worden, wie Heinz Vogl vom Dahner LBM erzählt, der für die Landespflege beim Straßenbaubetrieb zuständig ist. So ein Fauna-Flora-Habitat (FFH) dient dem Artenschutz und wird nach bestimmten Kriterien für spezielle Gebiete ausgewiesen. Beim Ausbau der B 10 werde nicht allein auf die Belange des Autoverkehrs Rücksicht genommen. Bevor der erste Bagger dem Wald zu Leibe rückt und der erste Baum fällt, kommen erst mal die Biologen und gucken, was denn links und rechts der B 10 an interessanten Arten vorhanden ist. „Das sind renommierte Fachleute. Wir nehmen für die Kartierung nur Topleute“, versichert Elmar Goerz, der für Projektmanagement zuständige Leiter beim LBM in Dahn. Und Landespfleger Vogl meint gar, dass die Natur durch den Straßenausbau letztlich gewinne. Hatten die Naturflächen zuvor direkt neben der B 10 möglicherweise nur bescheidenen ökologischen Wert, werden nach dem Ausbau fern der Straße neue Biotope angelegt, die sich besser entwickeln könnten. Allerdings gebe es auch die Prämisse, dass ein ökologischer Ausgleich möglichst vor Ort erfolgen soll. Nur, wie soll – etwa im Fall Hinterweidenthal – mitten im Wald ein neues Biotop geschaffen werden? Da gehen die Straßenbauer dann lieber nach Herschberg, wo der Ausgleich für die B-10-Abschnitte Münchweiler bis Walmersbach und Walmersbach bis Hinterweidenthal entsteht. Dort hat der LBM 2006 und 2010 aufgeforstet. Am Waldrand in den Gemarkungen Walterstaler Berg, Tempel, Sorgental und Weißmühler Berg wurden insgesamt 14 Hektar neuer Wald gepflanzt. Die Alternative wäre eine Aufforstung von Waldtälern gewesen, was jedoch gerade wegen des Artenschutzes keine so gute Idee wäre, wie Vogl zu bedenken gibt. „Wir können ja nicht die letzten offenen Täler mit Wald zumachen.“ Deshalb ging der LBM in waldarme Gegenden wie entlang der K 16 zwischen Weihermühle und Herschberg. Dort am Waldrand werden für die Landwirtschaft wenig attraktive Hanglagen mit Eichen, Hainbuchen oder Bergahorn bepflanzt. Insgesamt fünf Flächen wurden so aufgeforstet und mit einem Zaun vor Wildverbiss geschützt. Feuchtere Standorte wurden mit Eschen, Erlen und Bergahorn aufgeforstet. Insgesamt 51.079 Bäume waren es. Bei der Pflanzung waren sie zwischen einem und 1,5 Metern hoch. „Da wachsen sie noch gut durch“, meint Vogl. Aber nicht nur Bäume wurden gepflanzt. 10.564 Sträucher von der gemeinen Hasel über Weißdorn, Hundsrosen oder blutrotem Hartriegel und Schlehen haben die Planer vom LBM für die Ausgestaltung eines neuen, ökologisch hochwertigen Waldrands gesetzt. „Der Waldrand hat eine sehr große ökologische Bedeutung“, erklärt Vogl. Wälder bestehen eben nicht nur aus Bäumen, sondern sind geschlossene Ökosysteme, die nicht einfach aufgerissen werden können. Die 14 Hektar neuer Wald entsprechen in etwa der Fläche Wald, die zwischen Münchweiler und Hinterweidenthal weggefallen sein dürfte, schätzt Goerz. Allerdings dürfte der neue Wald, wenn er denn mal groß ist, ökologisch wertvoller sein als die gerodeten Flächen an der B 10, meint Vogl und verweist auf die vielen Nadelbäume, die beim B-10-Ausbau gefällt wurden. „Wenn wir Wald machen, gibt es keine Nadelbäume.“ Der neue Wald soll standortgerecht sein, und das seien Nadelgehölze wie Fichten eben nicht. Den neuen Wald habe der Bund gekauft. In Frage kommen dafür so genannte Grenzertragsflächen, auf denen sich Landwirtschaft nicht so richtig rechnet. Nach der Bepflanzung geht der neue Wald in den Landesbesitz über und damit zum Forst. Dem wurde zuvor schließlich auch Land beim B-10-Ausbau abgenommen. Gekostet haben die fünf neuen Waldstücke 195.000 Euro plus mehr als 100.000 Euro für den Ankauf der Grundstücke. „Die Landespflege ist uns was wert. Hier wird nicht gespart“, meint Goerz. (kkm)

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