Karlsruhe Mit Blaulicht in die Rettungsgasse

Retter in der Rettungsgasse: Immer wieder gibt es nach schweren Unfällen kein Durchkommen.
Retter in der Rettungsgasse: Immer wieder gibt es nach schweren Unfällen kein Durchkommen.

Alleine das acht Fahrer zählende Video-Team der Autobahnpolizei Karlsruhe hat seit Jahreswechsel schon weit über 1000 solche Verhaltensfehler von Autofahrern festgestellt, die mit ihren Autos das Durchkommen für Retter bei Unfällen verhinderten. Teilweise habe es Fahrverbote gegeben, heißt es bei der Autobahnpolizei Karlsruhe. Der Video-Polizist Frederic Römer ist einer aus dem Team: er baut am liebsten auf den Überraschungseffekt. Mit dem Kollegen Jens Schmittner verfolgt er die Autos links und rechts der Mittelspur, die bei Stau als Rettungsgasse eigentlich freizuhalten wäre – und doch häufig blockiert wird. Ausgerüstet mit Notizblock und Videokamera, notiert er dann die Uhrzeit und das Kennzeichen, und hält die Lenker der Fahrzeuge, die er im Visier hat, mit Foto im Profil fest. Er muss die Fahrer identifizieren. Fest installierte Kameras im Auto liefern Beweisfotos. Die beiden „Video-Fahrer“ Römer und Schmittner fahren stets im Zivilfahrzeug in die Rettungsgasse hinein: „Wir fahren mit aufgesetztem Blaulichtsignal und Warnblinkanlage in die Gasse“, erläutert Hauptkommissar Jens Schmittner. Das ist alles andere als inkognito. Trotz der sichtbaren Warnsignale erkennen Autofahrer, die die Trasse blockieren, oft erst im letzten Moment das von hinten nahende Polizeifahrzeug mit Münchner Kennzeichen. Dann ist es meist zu spät – eine Verwarnung wird fällig, öfters auch ein einmonatiges Fahrverbot. Der Unfall mit dem Tod des Beifahrers eines Kleinlasters an einem Stauende auf der A 5 am vergangenen Mittwoch war ein trauriger Tiefpunkt für die Beamten. An diesem Vormittag hatte ein Video-Team des Polizeipräsidiums Karlsruhe 58 Autofahrer allein auf der A 5 festgestellt, die sich nicht an der Bildung einer freien Gasse für die Polizei- und Hilfsfahrzeugen beteiligt haben. Drei Autofahrer erhalten außerdem ein einmonatiges Fahrverbot, weil sie ihren Wagen so abgestellt haben, dass er im Weg stand. Auf der A 8 ging ebenfalls nichts mehr. „Ein Autofahrer hatte sich in der Rettungsgasse auf seinem heruntergelassenen Fahrersitz zum Schlafen abgelegt und musste von Polizeibeamten geweckt werden“, berichtet die Polizei. Einsatzkräfte beklagen seit Jahren: Rettungsdienste, Polizei, Feuerwehr oder auch dringend benötigte Bergungsfahrzeuge kommen häufig nicht schnell genug zu einer Unfallstelle. Unbedarftheit, Interesselosigkeit, Unkenntnis – das sind laut Lothar Batschauer die am häufigsten genannten Gründe, wenn die Rettungsgasse blockiert wird. Der Erste Polizeihauptkommissar ist Chef des Autobahnpolizeireviers Karlsruhe. Seit einem halben Jahr ist die Verfolgung derartiger Verstöße ein Schwerpunktthema in seinem Revier. Doch erst seit Oktober 2017 ist das Blockieren des Rettungswegs ein Vergehen. Von den über 1000 Verstößen, die die Video-Fahrer bei zwölf Kontrollaktionen im Raum Karlsruhe seit November 2017 registriert und zur Anzeige gebracht haben, hatten zehn Vorgänge jeweils zwei Punkte in Flensburg, und dazu noch ein Monat Fahrverbot zur Folge, berichtet Frederic Römer. Er hat dabei vor allem ein Ziel im Auge: „Bewusstsein schaffen“. Mitunter ist die Arbeit auch für Römer ernüchternd: „Sobald wir mit dem Kontrollfahrzeug durch sind, schließt sich die Gasse wieder“, resümiert er. Diejenigen, die von Video-Spezialist Römer – oder einem Kollegen – aus nächster Nähe gefilmt werden, vergessen den Augenblick aber nicht so schnell: „Die Leute zeigen sich überrascht, da sind oft lustige Gesichter im Bild“, schmunzelt er.

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