Karlsruhe Milliardär hilft mit Millionen

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Klaus Tschira, mittlerweile 74 Jahre alt, hat sich 1995 viel vorgenommen. Der gebürtige Freiburger und studierte Physiker setzte sich damals zum Ziel, eine Stiftung ins Leben zu rufen, die Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik ebenso fördert wie die Wertschätzung für diese Fachrichtungen. Den Plan setzte der SAP-Mitbegründer, unterstützt von der heutigen Mit-Geschäftsführerin Beate Spiegel, sogleich in die Tat um. 20 Jahre später zählt die Klaus Tschira Stiftung (KTS) zu den größten gemeinnützigen Stiftungen in Europa. In den vergangenen beiden Jahrzehnten hat die Initiative mehr als 300 Millionen Euro ausgeschüttet. Allein 2013 gingen 32,6 Millionen Euro an geförderte Projekte. Längst ist die Klaus Tschira Stiftung aber nicht allein Kennern der Stiftungsszene, Naturwissenschaftlern und den entsprechenden Instituten und Einrichtungen ein Begriff. Auch die Menschen aus der Region wissen die Angebote der Stiftung zu schätzen. So strömen seit geraumer Zeit alljährlich Zehntausende Besucher zu den naturwissenschaftlichen Erlebnistagen „Explore Science“ in den Luisenpark, die von der Klaus Tschira Stiftung initiiert werden. Und auch die Kleinsten profitieren vom Engagement der Stiftung. Im Klaus-Tschira-Kompetenzzentrum für frühe naturwissenschaftliche Bildung, der sogenannten Forscherstation in Heidelberg, lernen pädagogische Fachkräfte etwa, wie sie gemeinsam mit Kindergartenkindern Phänomene der Natur entdecken können. Und damit Wissenschaftler, die nicht selten ausschließlich ihre Fachsprache beherrschen, selbst komplexe Sachverhalte einfach erklären können, gründete die Stiftung vor knapp drei Jahren das Nationale Institut für Wissenschaftskommunikation (NaWik) mit Sitz in Karlsruhe. „Explore Science“, NaWik und die Forscherstation – das sind nur drei Beispiele für Projekte und Einrichtungen, die die Klaus Tschira Stiftung seit der Gründung vor 20 Jahren ins Leben gerufen hat. Laut KTS sind in diesen stiftungsnahen Einrichtungen inzwischen mehr als 300 Mitarbeiter beschäftigt. Auch Tschira selbst ist nach eigenem Bekunden noch tagtäglich an seinem Schreibtisch in der Villa Bosch oberhalb von Heidelberg zu finden, wo seine Stiftung ihren Sitz hat. Der Sohn eines Kaufmanns und einer Krankenschwester wurde nicht als Milliardär geboren. Nach dem Abitur studierte er Physik, bewarb sich dann bei der Firma IBM in Mannheim. Dort lernte Tschira, der als Systemberater tätig war, Claus Wellenreuther, Hans-Werner Hector, Dietmar Hopp und Hasso Plattner kennen. Die fünf jungen Männer gebaren schließlich die Idee, eine Software zu entwickeln, die so praktisch und effizient ist, dass jedes Unternehmen sie für die Buchführung verwenden kann. 1972 gründeten sie zunächst in Weinheim eine Firma für Systemanalyse und Programmentwicklung (SAP). Der Rest ist Geschichte und Grund dafür, dass es die Klaus Tschira Stiftung gibt. Deren 20. Geburtstag wird in diesem Jahr gebührend gefeiert, Einrichtungen der Stiftung haben dafür ein besonderes Programm organisiert – von Symposien über Ausstellungen bis hin zu einem ganz besonderen Wettbewerb für Schüler. Den Anfang machte vor wenigen Tagen ein wissenschaftliches Symposium des Heidelberger Instituts für Theoretische Studien (HITS). Das HITS liegt Stiftungsgründer Tschira ganz offenbar besonders am Herzen, weil es nicht auf eine wissenschaftliche Disziplin ausgerichtet, sondern interdisziplinär aufgestellt ist. „Ich bin überzeugt, dass vor allem an den Grenzen zwischen traditionellen Fachgebieten noch viele bedeutende Entdeckungen auf uns warten“, begründete der Stifter diese besondere Beziehung zu der Einrichtung. Im Jubiläumsjahr wartet aber nicht nur ein besonderes Programm, sondern auch eine ganz besondere Aktion. „Extra hoch 12“ heißt sie und drückt aus, dass die Klaus Tschira Stiftung in jedem Monat dieses Jahres ein gemeinnütziges Projekt in der Region unterstützt, das nach der Stiftungssatzung sonst keine Chance hätte, Mittel zu ergattern. So erhielt beispielsweise in diesem Monat der Mannheimer Verein „Unsere Welt“ Instrumente und Technik für sein interkulturelles Kinderorchester.

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