Mannheim / Karlsruhe
Kaufhof und Karstadt in der Region: Einer schließt, zwei bleiben
Eine von zwei Kaufhof-Filialen in Mannheim soll schließen. Betroffen ist der Kaufhof nahe den Kapuzinerplanken in N 7 (Kunststraße). Wie am Freitag bekannt wurde, will die Warenhauskette 62 von 172 Häusern bundesweit sowie zwei Schnäppchen-Center dicht machen. 5.317 der insgesamt 28.000 Mitarbeiter verlieren laut Gesamtbetriebsrat dadurch ihre Arbeitsplätze. Davon betroffen sind auch fünf Filialen in Baden-Württemberg. Dort werden außer in Mannheim, die Filialen in Stuttgart Bad Cannstatt, Göppingen (ehemals Kaufhof), Leonberg und Singen (ehemals Karstadt) geschlossen. Bislang gibt es nach Angaben der Gewerkschaft Verdi im Südwesten 21 Filialen mit 2.200 Mitarbeitern. Von der Schließung betroffen seien 300 Mitarbeiter. Für die Häuser bestehe angesichts der Auswirkungen der Corona-Krise keine wirtschaftliche Fortführungsperspektive mehr, heißt es in einer Stellungnahme des Kaufhof-Bevollmächtigten Arndt Geiwitz.
Wann genau der Mannheimer Kaufhof schließt, ist noch nicht bekannt. Oberbürgermeister Peter Kurz zeigt sich enttäuscht über die Entscheidung. „Die Schließung trifft die Mitarbeiter, die Kundschaft aber auch unsere Innenstadt selbst“, sagte der SPD-Politiker. Der Kaufhof an den Planken soll erhalten bleiben.
Karstadt in Karlsruhe ist seit vielen Jahren ein Vorzeigehaus des Konzerns, wurde oft modernisiert und liegt in einer Region mit großer Kaufkraft. Das Haus beschäftigt rund 280 Mitarbeiter. Oberbürgermeister Frank Mentrup ist erleichtert. Die Stadt hatte sich für das einzige verbliebene Warenhaus eingesetzt. Die früheren Konkurrenten Hertie und Schneider sind bereits seit längerem nur noch Geschichte.
Weiterhin offen ist das Schicksal der Karstadt-Sport-Häuser. In diesem Bereich gelten mehr als zwei Drittel der rund 30 Filialen als gefährdet, teilte Verdi mit. Eine Entscheidung sei bislang noch nicht gefallen. Außerdem werden, laut Gesamtbetriebsrat, 25 Galeria Reisebüros geschlossen.
Unternehmensführung, Gesamtbetriebsrat sowie die Gewerkschaft haben sich unterdessen auf einen Sozialplan und einen Interessenausgleich für Galeria Karstadt Kaufhof verständigt. Er sieht unter anderem vor, dass die gekündigten Mitarbeiter für mindestens sechs Monate in eine Transfergesellschaft wechseln können.
Galeria Karstadt Kaufhof war durch die pandemiebedingte Schließung in eine schwere Krise geraten und hatte im April Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen müssen. Bis Ende 2022 rechnet man mit Umsatzeinbußen von bis zu 1,4 Milliarden Euro.