Karlsruhe
Karlsruhe: Forschungsprojekt zu Fußverkehr stellt Ergebnisse vor
Das vom Land geförderte Reallabor „GO Karlsruhe“ hat rund drei Jahre den Fußgängerverkehr in der Fächerstadt erforscht. Kürzlich trafen sich Akteure aus Wissenschaft und Politik, um sich die konkreten Auswirkungen in der Innenstadt anzuschauen. Dabei wurden dynamische Displays für den Radverkehr und Dialog-Poster vorgestellt
Beispielsweise können Verkehrsteilnehmer an der Ecke Herren/Erbprinzenstraße per Knopfdruck bewerten, wie sie das Miteinander von Rad- und Fußverkehr vor Ort sehen. Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer, OB Frank Mentrup und Professor Christoph Hupfer (Projektleiter GO Karlsruhe) sowie weitere Akteure der Hochschule Karlsruhe für Technik und Wirtschaft machten sich ein Bild vor Ort. Speziell die Bedürfnisse der Fußgänger als „schwächste Verkehrsteilnehmer“ standen im Fokus. „Die Ergebnisse des Reallabors zeigen, dass es möglich ist, mehr für Fußgänger zu tun. Das bedeutet, Flächen umzuverteilen und die Verträglichkeit mit anderen Verkehrsteilnehmern zu fördern. All dies leistet einen Beitrag. Es geht um Realexperimente, um ins Handeln zu kommen“, sagte Hupfer.
Gerade die digitale Kommunikation vor Ort erhielte eine gute Resonanz. Seiner Einschätzung nach sei der Anteil der unzufriedenen Fußgänger im Abschnitt der Erbprinzenstraße bei dem Realexperiment mit Display (zeigt Ausweichstrecken für Radfahrer an, beispielsweise wenn es wie beim kommenden Christkindlesmarkt ziemlich eng auf der Erbprinzenstraße zugehen wird) und Dialog-Poster von 70 auf 58 Prozent gesenkt worden. Angetan von der Initiative zeigte sich Ministerin Bauer. „Reallabore sind ein gutes Instrument, Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit einfach mal auszutesten. Sie setzen eine gute Kooperation von Wissenschaft und Gesellschaft voraus.“
Fußgänger am stärksten vernachlässigt
Insgesamt gebe es derzeit im Land 14 aktive Reallabore. Mentrup betonte, dass Fußgänger bislang die am meisten vernachlässigte Gruppe im Verkehr seien. „Im Mobilitätsmix setzen wir auf nachhaltige Mobilität. Der experimentelle Ansatz von GO Karlsruhe hilft uns sehr. 2020 wollen wir den Fußverkehr noch einmal verstärkt in den Fokus nehmen. Es wird ein Aktionsplan sowohl für den Rad- als auch für den Fußverkehr erstellt“, so der Karlsruher Rathauschef. Gute Erfahrungen mit digitalen Anzeigen habe man neben der Erbprinzenstraße auch an der Baustelle Mendelssohnplatz gemacht, wo Ausweichrouten auf Displays angezeigt werden. Das Reallabor „GO Karlsruhe“ wurde für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis nominiert und wird mit 1,2 Millionen Euro vom Wissenschaftsministerium gefördert. Nach dem Beispiel vor Ort begab sich die Delegation mit KVV-Bikes zur Hochschule Karlsruhe, wo im Foyer das Thema „Reallabor“ mit Vorträgen weiter vertieft wurde.