Karlsruhe Im Notfall werden Baustellen geflutet
Was auf den ersten Blick fast schon aussieht wie Kunst am Bau, ist Teil der Sicherheitsvorkehrungen bei Bau der Karlsruher Kombilösung. Nachdem die zwei Kilometer lange Tunnelröhre unter der Fußgängerzone fertig verlegt ist, läuft inzwischen der Ausbau der Haltestellen. In Rohrleitungen wird Wasser zum Auffüllen der Hohlräume gepumpt.
Die künftig unterirdischen Haltestellen am Kronenplatz, Marktplatz und Europaplatz sind bisher lediglich große, mit Erdreich gefüllte Betonschachteln, die bis zu 15 Meter in die Tiefe reichen, die nun ausgebaggert werden müssen. Dabei entstehen zunächst riesige Hohlräume, die komplett im Grundwasserbereich liegen und auf die deshalb von außen enorme Kräfte wirken. Entsprechend hoch sind die Sicherheitsvorkehrungen. Eine davon ist die Notfallwasserleitung, die derzeit vom Durlacher Tor aus quer durch die Stadt in Richtung Mühlburger Tor gebaut wird. Über diese Wasserleitung kann bei Bedarf sehr viel Ballast in sehr kurzer Zeit in die Haltestellen gepumpt werden und so beispielsweise ein Durchbruch der Sohle oder das langsame Aufschwimmen der Hohlkörper verhindert werden. Es war ein bundesweiter Schock, als beim Bau einer U-Bahn in Köln im März 2009 das Kölner Stadtarchiv einstürzte und teilweise im Untergrund versank. Unter dem Archivgebäude hatte sich ein Hohlraum gebildet der dann zum Einsturz führte. In Karlsruhe hatten zu diesem Zeitpunkt die Bauarbeiten noch gar nicht begonnen und das Kölner Unglück war natürlich Wasser auf die Mühlen der Projektgegner. Doch an Baustopp dachte im Karlsruher Rathaus niemand, stattdessen wurde der Bauüberwachung deutlich höheres Gewicht beigemessen. Denn es hatte sich gezeigt, dass in Köln nicht nur schlampig gearbeitet wurde, es wurde beim abgepumpten Wasser getrickst und es wurden illegale Brunnen eingerichtet. In Karlsruhe sollte so etwas mit einer externen Bauüberwachung und zahlreichen Qualitätskontrollen ausgeschlossen werden. Hinzu kommt, dass die Haltestellenwände mit sogenannten Ankern stabilisiert werden, die ein mögliches Aufschwimmen verhindern sollen. Ein möglicher Schwachpunkt bleibt der Haltestellenboden, da dieser erst später betoniert wird. (win)