Karlsruhe Fahrer braucht die Bahn

91-94168448.jpg

Seit 2010 wird in Karlsruhe an der „Kombilösung“ gebaut. Der Tunnel unter der Karlsruher City macht mit den Baustellen derzeit nicht wenigen Fahrgästen das Leben schwer. Im Umland fallen dagegen immer wieder Stadtbahnen aus, weil vor allem die Albtal-Verkehrsgesellschaft (AVG) zu wenige Fahrer hat. „Betriebsbedingte Gründe“, steht dann meist an den elektronischen Anzeigetafeln. Der AVG fehlen derzeit 40 Fahrer, das ist jede zehnte Stelle (wir berichteten).

Auch der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) – in dessen Gebiet die Züge der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK), und der Albtal-Verkehrsgesellschaft (AVG) verkehren – bittet um Verständnis für die angespannte Lage. Erst jüngst wurden erstmals ganzseitige Anzeigen geschaltet: aus Anlass von Fahrplanwechsel und neuer Preiserhöhungen. Thematisiert wurde auch „die Mangelware Fahrpersonal“. Aber nicht der in Augen vieler Fahrgäste eher nachlassende Service. Derzeit verfüge die AVG über 340 Triebfahrzeugführer. Um alle Züge – mit Ausnahme der durch die „DB Regio“ zu besetzenden Fahrten – planmäßig selber zu fahren, bräuchte die AVG 379 Fahrer, teilt die Pressestelle der Verkehrsbetriebe in der Karlsruher Tullastraße mit. Von 40 fehlenden Triebwagenführern spricht daher die Pressestelle. „Nach unseren Informationen fehlen bei der AVG 40 bis 50 Triebfahrzeugführer“, sagt Andreas Welter, Vorsitzender der Ortsgruppe Karlsruhe bei der Gewerkschaft der Lokführer (GdL). Auch bei den Verkehrsbetrieben Karlsruhe (VBK), die 71 Kilometer städtisches Schienennetz für Straßenbahnen bedienen, scheint es (unabhängig von den Krankenständen) latenten Fahrermangel zu geben. Bestätigen will das für das „Schwesterunternehmen“ VBK – das wie die AVG eine 100-prozentige Nahverkehrsunternehmung der Stadt Karlsruhe ist – offiziell niemand. Die Planzahl liegt bei 460 Vollzeitkräften für den Bahnverkehr. „Wir liegen mit 13 Stellen über dem rechnerischen Bedarf“, sagt ein VBK-Sprecher. „Im Fahrdienst fehlen etwa 25 Personen“, sagt dagegen Gewerkschaftssekretär Rüdiger Steinke von Verdi. Der Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD), der im März 2013 sein Amt antrat, spricht derweil von „einem sehr ärgerlichen Thema“. Er ist in Personalunion der Aufsichtsratsvorsitzende der beiden städtischen Unternehmen AVG und VBK. Inzwischen wollen sogar pensionierte Stadtbahnfahrer der AVG ihre Dienste anbieten: auf Basis von 450-Euro-Jobs. In früheren Jahren hatten die Karlsruher Nahverkehrsunternehmen Fahrer über Leiharbeitsfirmen angeworben. Der GdL-Sprecher Welter bezeichnet die Entwicklung im Beruf der Triebfahrzeugführer „als schwierig“. Unregelmäßiger Schichtdienst, Wochenend- und Feiertagseinsatz seien „nicht jedem vermittelbar“. Welter sieht aber noch andere Versäumnisse: „Durch die mehrfache Erweiterung des Streckennetzes der AVG hinkt der Personalbedarf stark hinterher“. Die Attraktivität des Berufs könne nur durch attraktive Arbeitszeitgestaltung und bessere Bezahlung „längerfristig behoben werden“. Bei den anstehenden Tarifverhandlungen werde das Thema werden. Dem widerspricht AVG-Gecshäftsführer Alexander Pischon schon jetzt: Im Branchenvergleich bezahle die AVG bereits jetzt schon „überdurchschnittliche Gehälter, sagt er.

x