Karlsruhe Erntehelfer schon jetzt schwer zu finden

Wichtig in der vorderpfälzischen Landwirtschaft: Erntehelfer, hier auf einem Feld bei Waldsee.
Wichtig in der vorderpfälzischen Landwirtschaft: Erntehelfer, hier auf einem Feld bei Waldsee.

Monika und Armin Ackermann betrieben die große Markthalle zwischen der Auffahrt der B 9 und dem Ortseingang Waldsee im elften Jahr. Mehr als 20 Jahre schon bewirtschaften sie rund 110 Hektar Fläche. Die 70-Tage-Regelung, die zum 1. Januar 2015 parallel zum Mindestlohn als Übergangslösung eingeführt wurde, kam dem Ehepaar bei der Entlohnung der Saisonarbeiter entgegen. Das Vorhaben von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD), diese zum Jahresende auslaufen zu lassen, löst Ärger bei Monika Ackermann aus. „Das wird eine Katastrophe geben. Dann kommt keiner mehr zu uns“, ist sie sich sicher. Die Gründe dafür: „Wir haben einen Mindestlohn. Wenn die Regelung auf 50 Tage zurückgesetzt wird, sind die Feldarbeiter ab dem 51. Tag sozialversicherungspflichtig – das ist für uns kaum zu bezahlen.“ Zu erwartende Mehrkosten spricht auch Roni Zürker an. Er betreibt einen Landwirtschaftsbetrieb in Dudenhofen und beschäftigt in der Hochsaison – unter anderem während der Spargelernte – um die 100 saisonale Helfer. „Die eingeführte Regelung hat uns bisher entlastet, was die Entlohnung der Arbeiter angeht“, sagt er. In Zukunft könnte es für ihn schwieriger werden, Leute zu finden. Das sieht Monika Ackermann genauso. Nicht zuletzt könnten die Saisonkräfte die Veränderung nicht nachvollziehen. „Sie verstehen nicht, weshalb sie irgendwann weniger auf dem Lohnzettel haben“, so die Landwirtin. Tim Ballreich, Inhaber des Dudenhofener Martinshofs, bestätigt diese Ansicht. „Gerade für uns als Spargel- und Erdbeerhauptbetrieb machen 50 Tage keinen Sinn“, sagt er. Wechsle er das Personal nach der Zeit aus, sei nicht mehr genug Arbeit für weitere 50 Tage da. Lasse er eine Mannschaft länger arbeiten, stelle sich das Problem der Sozialversicherungspflicht. Probleme, Helfer zu finden, gibt es nach Aussage der drei Landwirte jetzt schon. Gerade polnische Kräfte sind laut Ackermann rar geworden, denn: „Der Wert des Euro ist seit Jahren dort nicht gestiegen.“ Die Polen arbeiteten lieber auf Baustellen, weil sie dort in kürzerer Zeit mehr Geld verdienten, hat Ackermann festgestellt. Aktuell seien vor allem Rumänen an der Arbeit auf den Äckern interessiert. „Es ist generell nicht mehr leicht, motivierte Leute zu finden“, sagt Ballreich. Er befürchtet, dass bei der Rückkehr zur 50-Tage-Regelung nicht allzu viel Interesse an Saisonarbeit bleibt. Wie sie ihre Rolle als Arbeitgeber ausfüllen soll, wenn die 70-Tage-Regelung wegbricht, weiß Ackermann aktuell noch nicht. „Dann kann Ware vom Ausland geholt werden, weil wir hier selbst die Kosten für die Produktion nicht mehr tragen können“, sagt sie. Zürker wirft ein: „Ich verstehe nicht, wer davon etwas hat.“ Ballreich kommentiert: „Davon haben weder wir etwas, noch die Saisonkräfte.“ Der Bundesarbeitsminister Hubertus Heil verweist in einem Schreiben an die landwirtschaftlichen Verbände auf den Übergangscharakter des bisherigen Regelung. Eine generelle Ausweitung der geringfügigen Beschäftigung sei demnach nicht vorgesehen gewesen. Der regionale Bauern- und Winzerverband kritisierte die Pläne bereits. Auch Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) wirbt für die Beibehaltung der „flexibleren“ 70-Tage-Regelung.

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