Karlsruhe „Ein trauriger Anblick“

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Das dürfte viele Speyerer erstaunen: Der promovierte Kunsthistoriker Hanns Hubach von der Universität Bern findet, eines der bekanntesten Bauwerke der Stadt, der Ölberg im Domgarten, „bietet einen traurigen Anblick, seine Figurengruppen sind langweilig“. Das sagte er in seinem Vortrag am Mittwochabend im Priesterseminar St. German.

Diese Aussage bezieht er jedenfalls auf den Vergleich mit dem Vorgänger der im 19. Jahrhundert von Gottfried Renn (1818 bis 1900) geschaffenen neuen Inszenierung um den Vorfall im Garten Gethsemane. Damals nahmen laut Bibel jüdische Häscher und römische Soldaten Jesus Christus fest. Die ursprüngliche Darstellung um das Geschehnis auf dem Ölberg (eigentlich Olivenberg) in Jerusalem ist nach Ansicht von Hubach belebter gewesen. Anhand zeitgenössischer, anonym gefertigter Skizzen des 1689 und 1794 von französischen Truppen zerstörten früheren Ölbergs zeigte Hubach auf, wie lebhaft die ehemalige Gedenkstätte war. Auf dem gewundenen Weg zu der Stelle, an der Judas mit dem Finger auf Jesus deutet und ihn damit verriet, gab es mehr Figurengruppen mit markanten Gesichtszügen, dazu Hasen, Hunde, Echsen, Frösche, Vögel und Schnecken. Umwölbt war das Werk des in Speyer lebenden Tiroler Bildhauers Renn von einem großen Dach mit bemalten Glasfenstern. Das Ensemble inmitten eines gewaltigen Kreuzgangs habe als Kunstwerk, wie es im Deutschen Reich und darüber hinaus kein zweites von gleicher Qualität zu finden war, gegolten, sagte Hubach. Der zwischen 1509 und 1511 errichtete erste Ölberg geht auf eine Stiftung von Domkapitular Wybrecht von Finsterlohne zurück. Mit der Ausführung beauftragte das Domkapitel den Heilbronner Hans Syfer oder Seifer. Dieser hatte die Skulpturen fast vollendet, als er 1509 starb. Syfer oder Seifers Bruder Lienhard und hauptsächlich Lorenz Lechler oder Lacher aus Heidelberg vollendeten das Gesamtwerk. In dessen Mitte, unter dem eigentlich Ölberg, befindet sich die heute noch genutzte kleine Kapelle St. Michalis. Seitens der Bistumsverwaltung sind derzeit keine Änderungen am Ölberg geplant. |wk

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