Karlsruhe Ein Mann, eine Gitarre und viel Gefühl
«Karlsruhe/Winden.» Vor ein paar Wochen hat es Helmet Lampshade wieder getan: Ein Auftritt im Karlsruher Kulturzentrum P8. Der in Winden aufgewachsene Musiker heißt eigentlich Julian Bätz. Sein Pseudonym stammt aus einer Szene des Films „Night on Earth“ von Jim Jarmusch. Armin Müller-Stahl stolpert hierbei über sein Unvermögen in der englischen Sprache. Der Liedermacher Bätz hat hingegen keine Probleme, sich verständlich zu machen.
Bätz wurde 1989 in Karlsruhe geboren. Abseits des Eintrags im Personalausweis ist seine Leidenschaft für den KSC noch ein weiteres kleines Überbleibsel dieser Herkunft. Sein Pfälzer Akzent verweist allerdings eindeutig darauf, auf welcher Rheinseite Bätz aufgewachsen ist. Erst zum Studium in München und Kassel verließ er Winden wieder. Heute ist er Computeradministrator am KIT und lebt seit dreieinhalb Jahren wieder in Karlsruhe. Das Unauffällige des Normalen bei Baetz komplettieren zwei gemeinsame Kinder mit seiner Partnerin sowie eine recht gemütliche Statur. „Als Kind habe ich viel gelesen und auch Geschichten geschrieben“, sagt er. Und irgendwann mussten diese auch in einen Liedtext münden. Mit 13 hatte er seine erste Band, sie nannten sich All by Myself und probten im Keller von Julians Elternhaus. „Interessant wurde es, als ein Schlagzeuger dazu kam“, deutet er lächelnd an, dass die elterliche Toleranz durchaus ausgetestet worden sein dürfte. Ist Bätz ein Liedermacher? Oder zeitgenössisch gesagt ein Singer-Songwriter? „Mir fällt auch nichts besseres ein. Es ist halt so, wie es ist“, antwortet er lakonisch. Würde man hier am Oberrhein jemanden darum bitten, den Nachnamen der amerikanischen Folk-Ikone Joan Baez auszusprechen, dann käme dabei wahrscheinlich ein „Bätz“ heraus. Das ist natürlich ein Zufall. Und dennoch vereint Bätz in seinen Liedern – so wie die Folk-Ikone – Herz und Intellekt so, dass man seinen Geschichten bis zum Ende zuhören möchte. Er betrachtet dabei immer wieder die Welt im Kleinen. „Meine Mutter sagte: In allem was Menschen machen, ist etwas Schönes drin.“ Dieses Zitat hört man aus seiner Musik heraus. Noch sei bei ihm stilistisch alles im Fluss, sagt Bätz. Auf seinen Alben sind die Songs mit zusätzlichen Instrumenten arrangiert: „Im Mittelpunkt steht für mich immer der Song. Vielleicht sind sie deshalb instrumental so austauschbar und kann immer wieder ein neues Gerüst ausprobieren.“ Dass er nicht durchgestartet ist, „ist für mich voll okay. Ich glaube nicht mehr daran, dass ich noch das ganz große Ding drehe.“ Zumal ihm seine Familie sehr wichtig ist: „Konflikte wegen der Zeit sind jetzt schon vorprogrammiert, das ist eine Gratwanderung.“ Seit rund vier Jahren spielt Bätz öfter sogenannte Wohnzimmerkonzerte: Er und seine Gitarre, sonst nichts. Das spricht sich so gut herum, dass er sich um Termine gar nicht mehr bemühen muss: „Das ist sehr angenehm für einen kleinen Künstler wie mich. Alles ist organisiert, die Gage kommt und man spielt nicht in einem leeren Saal.“ Mitte Dezember erscheint sein neues Album, das er gemeinsam mit seinem früheren Bandkollegen Marcel Gein alias Perry O’Parson aufgenommen hat. Gein kommt aus Erlenbach – und: „Er ist genauso drauf wie ich, ein super Typ“, lacht Bätz. Im Netz —www.helmetlampshade.de —www.perryoparson.de