Karlsruhe Die Aromen der Luise Molz

91-83987608.jpg

Hinter der Tür mag das im ersten Moment mancher als Frontalangriff auf den Geruchssinn empfinden: Ein Mix aus allerlei Düften ist die Begrüßung in der Gewürzmanufaktur „Culinarico“. Rund 560 Einzelgewürze oder Mischungen, darunter allein 60 verschiedene Salze, werden hier abgefüllt und verkauft oder in den Versand gebracht.

Herrin über Curry-Mischungen, Koriander, persisches Rosengewächs, arabisches Kaffeegewürz, Anis oder Zimt ist Luise Molz. Sie war schon 25 Jahre in der Bio-Gewürzbranche tätig, ehe sie sich 2010 zur Selbstständigkeit entschloss. Die gebürtige Saarländerin, nun schon seit Jahrzehnten im Badischen zuhause, setzt auch hier ganz auf bio-zertifizierte Produkte. Nur in wenigen Fällen, etwa bei Tonka-Bohnen, sei das leider nicht zu haben. Ob sortenrein oder Mischung: Zweite oder gar dritte Qualität gebe es bei ihr nicht, betont sie. Was natürlich auch seinen Preis hat. Mit ihrer Entscheidung lag die studierte Ernährungstechnikerin mit den markanten roten Haaren jedenfalls richtig: Der Umsatz ist Jahr für Jahr deutlich gewachsen. 2015 verließen 28.000 Dosen die Manufaktur, in der außer der Chefin noch zwei Mitarbeiterinnen tätig sind, eine davon betreut vor allem die gestalterischen Aufgaben und den Online-Shop. Das Abwiegen Mischen der Zutaten ist nach wie vor die Domäne der Chefin. Der Online-Shop ist wichtig, denn gut die Hälfte der Privatkunden bestellt auf diesem Weg. Den für Laufkundschaft eher abgelegenen Standort schätzt Luise Molz durchaus. Andererseits ist es in der kleinen Manufaktur inzwischen ziemlich eng geworden. Schließlich fallen ihr Jahr für Jahre neue Mischungen ein und der Kundenkreis wächst ja weiter. Wie das der Erfolg so mit sich bringt: Es werden nun doch größere Räumlichkeiten für Produktion, Präsentation und Lager gesucht, „aber wir wollen kein Konzern werden, sondern schon eine Manufaktur bleiben.“ Mit der Zahl der Kunden wachsen deren Ansprüche übrigens mit: „Es ist exotischer geworden, das hat sich extrem verändert.“ Derzeit gehe der Trend zur orientalischen, auch zu arabischen Küche. Und so werde schon auch nach ausgefallenen Pfeffersorten – „Kambodscha-Pfeffer ist derzeit ein Thema“ – oder Salzen gefragt. Ihre Erfahrung: „Die Leute sind neugieriger und experimentierfreudiger geworden.“ Da hilft sie mit Gewürzseminaren gerne nach, Koch- und Grillkurse seien weitere wichtige Multiplikatoren. Wobei sich noch darauf hinweisen lässt, dass die meisten Gewürze auch eine gesundheitliche Komponente haben: „Cumin, Koriander und Muskatnuss helfen gegen Schmerzen und solche Mischungen bieten wir auch an.“ Längst gehören Grillschulen, qualitätsbewusste Metzgereibetriebe, Feinkostgeschäfte, Ölmanufakturen und Restaurants bis hin zu Sterneköchen zu ihren Kunden. Immerhin bringen die Weiterverarbeiter die Hälfte des Jahresumsatzes, die andere entfällt auf die Privatkunden. Eine Spezialität sei auch noch erwähnt: Die Manufaktur liefert auf Wunsch – etwa als Firmen- oder Festgeschenke – auch Mischungen oder zum Beispiel ein besonders edles Salz in individuell gestalteten Dosen. Die Eigenkompositionen sieht Luise Molz im Übrigens als ihr größtes Pfund: „Da sind wir außer Konkurrenz.“ Jedenfalls wird man auch in Zukunft bei ihr gemeines Kochsalz oder Allerweltspfeffer vergeblich suchen. Und nun, vor der Verabschiedung, nochmals richtig tief einatmen und sich diese gewaltige Duftwolke reinziehen. Im Netz www.culinarico.de

Mehr zum Thema
x