Karlsruhe „Das ist eine doppelte Moral“

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Morgen feiert das Festival „Haisel Soundz“ in Wachenheim seinen fünften Geburtstag. Mit dabei ist die Hamburger Reggae-Band „I-Fire“. Sandrina Lederer spricht mit Sänger Robert Schlepper über die Arbeit in der Formation, das neue Album der neun Mann starken Gruppe und die Vernachlässigung von Reggae im Radio.

Wachenheim. Robert, wie kann man euren Musikstil beschreiben? Es ist eine Symbiose aus Reggae, Dancehall und Hip-Hop. Dazu kommen noch viele verschiedene Einflüsse. Wir sind neun Leute, da ist es ganz normal, dass jeder seinen eigenen Musikgeschmack hat. Der Konsens war zwar immer schon Reggae, aber es fließt eben viel mit hinein – von Jazz über Funk bis hin zu Rap. Das alles zusammen bildet einen kräftigen Sound, der stark nach vorne geht. Bei neun Leuten ist das Songwriting bestimmt etwas schwierig, oder? Das geht eigentlich. Von Anfang an war klar, dass die Frontmänner ihre Texte selbst schreiben. Macht immer noch drei Sänger... Meistens wird eine Songidee beim Jammen im Proberaum geboren oder jemand bringt eine Idee mit, und jeder schreibt dann seine Gedanken dazu auf. Am Ende schauen wir dann, was zusammenpasst. Es gibt da ganz unterschiedliche Herangehensweisen. In den zehn Jahren haben sich feste Strukturen entwickelt, und das funktioniert gut. Euer neues Album heißt „Salut“. Warum dieser Name? „Salut“ hat viele Bedeutungen und ist international. Wir werden dieses Jahr ja zehn Jahre alt, und darauf stoßen wir an. Außerdem klingt es freundlich, denn „Salut“ ist auch ein Gruß, und wir grüßen damit die Welt. Mit welchen Songs grüßt ihr denn die Welt? Es ist immer wieder eine Mischung aus Spaß und dem Hinweis darauf, dass irgendwo was schief läuft. Wir haben schon auch eine Message in unseren Liedern. Wir versuchen, diese aber positiv und witzig zu verpacken, ohne dabei den Ernst der Lage zu vergessen. Erhobene Zeigefinger wollen wir vermeiden. Böse Zungen behaupten, es sei ein Spaßalbum geworden, aber ich glaube, die haben sich die Platte nur oberflächlich angehört. Eigentlich haben wir keinen Song auf dem Album, in dem wir nichts zu sagen haben. Welche Themen sprecht ihr an? Zum Beispiel handelt ein Song von irgendwelchen Lippenbekenntnissen, die nicht stimmen. Je mehr Macht jemand hat, umso stärker versucht er, Verantwortung zu verschieben, gerade in Augenblicken, in denen es darum geht, mal Rückgrat zu zeigen. Außerdem geht es um die Umwelt oder Geld – was Geld alles bedeutet und bewegt. Wir haben aber auch Songs wie „Salut“, den Titelsong, in dem wir zeigen, was wir machen und wer wir sind, uns quasi etwas präsentieren. Reggae findet im Radio kaum statt. Würdest du dir da ein Umdenken wünschen? Da sind wir schon wieder im Bereich der Heuchelei. Reggae ist ein Phänomen. Sobald sich die ersten Sonnenstrahlen im Jahr auftun, hört man den einen oder anderen offbeatlastigen Song im Radio, und dann sagen alle gleich, das ist Reggae und der Sommersong. Gleichzeitig sagen aber alle, Reggae sei tot und es gebe ihn nicht mehr. So nach dem Motto: Was soll man mit dieser Kiffermusik? Das ist eine doppelte Moral. Ich wünsche mir, dass Reggae ein bisschen weniger von der Klischeeseite her betrachtet wird, und er nicht nur gespielt wird, wenn die Sonne scheint, sondern auch dazwischen. Für mich ist es eine Musik, die positiv ist, einfach gehalten, und die einem das Leben etwas erleichtert.

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