Karlsruhe Armen Familien besser helfen

Bei der Deutschen Bahn dürfen Kinder bis zum Alter von 15 Jahren in Begleitung ihrer Eltern oder Großeltern kostenlos mitfahren. Für Holger Hoffmann vom Vorstand des Diakonischen Werkes Baden ist ein solch familienfreundliches Angebot auch ein gutes Beispiel für eine wirkungsvolle Maßnahme beim Kampf gegen die Kinderarmut in den Kommunen.
„Auch Fahrten im öffentlichen Nahverkehr, das Mittagessen in Schule und Kindergarten oder der Eintritt ins Freibad sollte für Kinder eigentlich nichts kosten müssen“, fordert Hoffmann, denn nur durch eine breit angelegte Förderoffensive könne die gesellschaftliche Teilhabe von Kindern aus sozial schwächer gestellten Familien dauerhaft verbessert werden. „Wenn im Bus der Personalausweis als Ticket dient und nicht mehr der Sozialpass, werden Kinder mit ärmeren Eltern nicht mehr diskriminiert“, betont Hoffmann. Und bei der Ausgestaltung familienfreundlicher Konzepte seien der öffentlichen Hand eigentlich keine Grenzen gesetzt: Auch Musikunterricht oder der Beitrag in Sportvereinen könnte übernommen werden. „Beim Kampf gegen die Kinderarmut ist in den vergangenen 25 Jahren eigentlich nicht viel passiert“, mahnt Hoffmann zum Umdenken, dabei hätten im vergangenen Jahr erst die neuem Armuts- und Reichtumsberichte von Bund und Land die wachsende Gefahr für ein Abrutschen in die staatliche Grundsicherung dokumentiert. Deshalb müsse auch das Existenzminimum für Kinder und Jugendliche sowie die Kosten für Ernährung, Schulbedarf, Mobilität und Teilhabe künftig besser ermittelt und nicht mehr mit den Transferleistungen der Eltern verrechnet werden dürfen. „Kinder sind nicht arm, Kinder machen arm“, verweist Hoffmann auf die hohen Kosten und alleine mit den derzeitigen staatlichen Leistungen sei eine weiterführende Ausbildung wie ein Studium kaum mehr zu stemmen. Die positiven Meldungen vom Arbeitsmarkt und die stetig sinkenden Arbeitslosigkeiten spiegeln die Lebensrealität von vielen Menschen in Deutschland für Hoffmann ohnehin nur „sehr unzureichend“ wieder. „Etwa sechs Millionen Menschen suchen derzeit eine besser bezahlte Arbeit mit mehr sozialer Absicherung“, so Hoffmann, „aber diese Zahl taucht in keiner offiziellen Statistik auf.“ Auch bei der Integration von Flüchtlingen seien Land und Kommunen in der Pflicht, betont Oberkirchenrat Urs Keller. „Dabei dürfen die Qualitätsstandards nicht verwässert werden“, mahnt Keller. Vor allem bei der sozialpädagogischen Betreuung der Flüchtlinge in den Anschlussunterkünften brauche es nämlich gut ausgebildete Fachkräfte. „Bei der Verteilung der Gelder sollten die Kommunen auf jeden Fall die Verbände der freien Wohlfahrtspflege mit ins Boot holen“, appelliert Keller, denn vor allem Diakonie und Caritas hätten in der Flüchtlingsarbeit schon sehr viel Erfahrung gesammelt und verfügten zudem über qualifiziertes Personal und die entsprechende Infrastruktur. „Integration und Armutsbekämpfung müssen im Bundestagswahlkampf bei allen Parteien ein Thema sein“, appellierte Keller, denn ansonsten könnten Rechtspopulisten daraus Kapital schlagen und „arme Flüchtlinge“ gegen „arme Bürger“ ausspielen. |ekki