Karlsruhe Arbeitsantritt im Atelier

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Junge Modelabels und Textilfirmen haben in Mannheim Unterschlupf in einem eigenen Existenzgründerzentrum gefunden. Das Kompetenzzentrum für Mode- und Textilwirtschaft, die „Textilerei“, ist in der Innenstadt eröffnet worden. Es ist Mannheims achtes Existenzgründerzentrum.

Das historische Barockhaus im Quadrat C4 gehört zu den ältesten erhaltenen Häusern Mannheims. 1725 wurde es erbaut und beherbergte unter anderem Franz Anton von Heiligenstein, den Leibchirurgen der Kurfürstin, und Friedrich Engelhorn, den Gründer der BASF. Es ist das genaue Gegenteil des hypermodernen Kreativwirtschaftszentrums C-Hub, das erst vor einigen Wochen im Jungbusch eröffnet wurde. Doch gerade Designer fühlen sich in der historischen Atmosphäre wohl. „Wir haben zwei Mieter, die sich deshalb bewusst für uns entschieden haben“, sagt Nico Hoffmeister, Leiter der „Textilerei“. Acht Ateliers gibt es, sieben sind vermietet. Dazu kommen Werkstatt-Ateliers, in denen Sample-Produktionen und Kleinserien hergestellt werden können. Das Modelabel Michelle Huhn hat ein Atelier bezogen, ebenso das Sozialunternehmen Carokissen. Carolin Bleisteiner vertreibt selbst entworfene Kissen im Karomuster, die von psychisch und physisch beeinträchtigten Menschen in speziellen Werkstätten, unter anderem in Heidelberg, Rockenhausen und Heppenheim, hergestellt werden. Auch temporäre Arbeitsplätze gibt es, die auch Nicht-Mieter nutzen können. „Es gibt immerhin drei ansässige Modedesignschulen“, so Hoffmeister. „Studenten können Arbeitsplätze bei uns anmieten, und wir möchten die Absolventen beim Berufseinstieg unterstützen.“ Die Modebranche ist in Mannheim durchaus lebendig, auch wenn die Stadtoberen erst einmal davon überzeugt werden mussten, wie OB Peter Kurz zugibt. Es sei der Hartnäckigkeit und Überzeugungskraft von Ilse Thomas zu verdanken, dass die „Textilerei“ verwirklicht wurde, betont der OB. Sie leitete das Existenzgründerinnenzentrum, aus dem heraus sich „Made“ gründete, ein Netzwerk von Frauen in der Textil- und Modebranche, die jetzt in einem Verein auf eigenen Füßen stehen. Sie hatten die Idee für ein eigenes Zentrum. Thomas erlebte die Eröffnung der „Textilerei“ nicht mehr, sie erlag im April 2013 einer schweren Krankheit. Auch die Entscheidungsträger auf Landesebene seien dem Projekt zunächst skeptisch gegenüber gestanden, erzählt Rolf Schumacher, Ministerialdirektor im Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg. „Doch dann stellten wir fest, wie hoch das Potenzial in der Modebranche ist.“ Immerhin habe die Textilindustrie in Baden-Württemberg eine lange Tradition, so Schuhmacher, der einen Trend hin zu ökologisch gefertigter Ware sieht. Insgesamt drei Millionen Euro wurden für die Sanierung des Hauses in C4, 6 investiert. Davon trägt die Stadt Mannheim 1,6 Millionen und das Land 300.000 Euro. Eine Millionen Euro kommen aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung. Eigentlich hätte die Eröffnung der „Textilerei“ bereits vor Monaten stattfinden sollen, doch ein historischer Fund bei der Sanierung des Barockhauses verzögerte den Zeitplan. Unverhofft kam ein kunstvoll gearbeitetes klassizistisches Treppengeländer zum Vorschein. Die Restaurierung kostete 944.000 Euro und wurde mit Spenden des Vereins Stadtbild, des Friedrich-Engelhorn-Archivs und des Rotary-Clubs finanziert. (iak)

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