Karlsruhe Alles steht still
Der Steamcracker der BASF – für Außenstehende ist das vor allem die Hochfackel mit ihrem charakteristischen Feuerschein, die alle paar Monate über dem Ludwigshafener Werksgelände leuchtet. Doch eigentlich ist sie nur ein Nebenaspekt in einer der wichtigsten Großanlagen. Sie ist aktiv, wenn Gase verbrannt werden müssen, oder der Steamcracker angefahren oder abgeschaltet wird. Wie Anfang Juni. Unterwegs in der Anlage mit Maximilan Walter, Produktionsleiter für Crackerprodukte in der BASF, und Hans-Juergen Beringer vom Produktionsmanagement Steamcracker. Ohne blauen Schutzanzug geht hier nichts, dazu Schutzbrille, Helm, sicheres Schuhwerk. Dann geht es hoch hinauf, Treppenstufe um Treppenstufe, bis auf Höhe Oberkante des Brennofens. Blick auf die Anlage – Ausmaße: etwa 20 Fußballfelder – weit hinaus, bis zur Friesenheimer Insel. Auch dort stehen derzeit mehrere Anlagen still. Der Grund: Revisionsarbeiten sind BASF-intern genau abgestimmt. „Produktionsverbund“ ist das Stichwort. Denn wenn plötzlich ein Großteil eines Produktes wegfällt, weil etwa ein Steamcracker still steht, soll es möglichst wenig Ausfall in der Gesamtproduktion geben. Deshalb sind zeitgleich mehrere andere Anlagen in Revision gegangen, die Cracker-Erzeugnisse verarbeiten. Im Cracker laufen Vorgänge unter Extremtemperaturen ab. Rohbenzin wird eingeleitet, dann mit heißem Wasserdampf vermischt, anschließend im Ofen auf 840 Grad Celsius erhitzt und dabei gespalten. Das gibt der Anlage ihren Namen: to crack, englisch für „spalten“. Dabei entstehen über weitere Schritte hinweg – Schock-Kühlung auf 400 Grad Celsius, dann auf 200 Grad, anschließend Verdichtung und Trennung in Einzelverbindungen – wichtige Grundprodukte, die in der BASF weiterverarbeitet werden. Zu zwei Dritteln ist das Ethylen, an zweiter Stelle Propylen. Einige Teile, wie die Rohre an den Öfen, werden regelmäßig ausgetauscht, ohne dass die gesamte Anlage stillstehen muss. Die aktuelle Revision – der Druck auf den Aus-Knopf – betrifft „Teile, die nur einmal vorhanden sind“, erklärt Walter. Von oben hat man auch einen Blick auf die 140 Meter hohe Fackel. Ein sehr hoher Kran ist dort zugange. Die Fackel bekommt ein neues Kopfteil. Ein paar Stockwerke tiefer sagt Walter: „Das hier ist das Herz des Crackers.“ Wir stehen vor dem Rohgasverdichter. In Funktion drehen sich die Räder mit einer Geschwindigkeit von etwa 10.000 Umdrehungen pro Minute. Jetzt stehen sie still. Männer säubern mit großen Pinseln das Innere des Verdichters. Einige Meter weiter werden Cracker-Teile auf dem Reinigungsplatz abgespritzt. Die beiden Steamcracker in der BASF gibt es seit 1965 und 1980. Der später gebaute, größere – Nummer II – ist der im Stillstand. Überwacht wer den beiden Anlagen in der Messwarte. Ein Blick hinein: Menschen, die auf Bildschirme schauen, viele Knöpfe. Wir stehen in einem „explosionsdruckwellenbeständigen“ Gebäude, wie Walter sagt. Sollte draußen, am Steamcracker einmal etwas passieren, sind die Mitarbeiter hier drinnen sicher. Wie viel Revision und Betrieb des Steamcrackers kosten, verrät die BASF nicht. Laut Walter soll die Anlage spätestens am 10. Juli wieder in Betrieb genommen werden.