Kaiserslautern Zur Sache: Hänsel und Gretel waren die ersten Bewohner

Als der Kaiserslauterer Stadtrat im Jahre 1970 beschloss, im südlichen Stadtwald einen Wildpark einzurichten, verfolgte der damalige Oberbürgermeister Hans Jung dabei mehrere Ziele: Neben dem Wildpark Wachenheim sollte es der zweite Wildpark im Pfälzerwald werden. Für die Gäste des neuen Hotels im Neubaugebiet Betzenberg sollte er eine zusätzliche Attraktion sein. Den Bürgern der Stadt sollte er zur Erholung dienen. Den Planern war klar, dass sich ein solches Vorhaben nur in mehreren Teilabschnitten verwirklichen ließe. In der Waldabteilung „Alter Schlag“ begann Forstamtmann Georg Himmer im Sommer 1970 mit der Umsetzung. 29.500 Deutsche Mark (DM) standen für den Bau des ersten Geheges für Rot- und Muffelwild zur Verfügung. Dafür wurde in einem fünf Hektar großen Waldgebiet mit bis zu 120 Jahre altem Baumbestand – hauptsächlich Eichen und Buchen – ein Gatter errichtet, bestehend aus 300 Eichenpfosten und 1400 Metern Zaun. Viele Meter Wasserleitungen wurden verlegt und ein Futterhaus gebaut. Für die Besucher wurden Holzbänke aufgestellt. „Hänsel und Gretel hießen die ersten Bewohner. Es war ein Rotwildpärchen, das aus dem Wildpark Ludwigshafen umgesiedelt wurde. Gesellschaft bekamen sie von Bernhard einem Damspießer – ein Damhirsch, dessen Geweih aus nur zwei Stangen besteht, typisch bei jüngeren Tieren. Bernhard entwickelte sich schnell zum Publikumsliebling auf dem Betzenberg. Ein Muffelwidder aus der Tschechoslowakei mit seinen beiden Gefährtinnen aus Ungarn waren die nächsten Tiere, die das Gelände in Besitz nahmen. Ein weiteres Gehege entstand 1971 für Waldwildpferde, Tarpane genannt. Damals gab es von dieser seltenen Art weltweit nur noch 50 Exemplare. Dem Tierpark Hellabrunn in München war es durch eine erfolgreiche Rückzüchtung gelungen eine neue Population aufzubauen – eine zoologische Rarität. Auch Wisente, die im Wildpark zu sehen sind, sind vom Aussterben bedroht. In ihrem Gehege gibt es übrigens ein Feuchtbiotop, wo Erdkröten laichen, Frösche und Lurche leben. Bis der Wildpark seine jetzige Fläche von 25 Hektar erreichte, dauerte es fünf Jahre. Weitere Gehege für Wildschweine, Wisente, Auerochsen, Luchse und Wildkatzen kamen hinzu. Den Bürgern sollte es ermöglicht werden, heimische Wildtiere in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten. Deshalb legte man auch Wert darauf, offene Äsungsflächen, Wasserstellen und Suhlen anzulegen. Für die Kinder wurde eine Waldschule für den Heimatkundeunterricht eingerichtet. „Ein völlig neues Unterrichtsgefühl“ nannte das ein damalige Zeitungskommentar. (niem)