Kaiserslautern
Zum Tod von Horst Eckel: Starke Geste nie vergessen
Fußball. Natürlich Fußball. Sommer wie Winter. Bei Wind und bei Regen. Die Schüler kannten den 400 Meter-Weg von der Realschule in Kusel zum Sportplatz aus dem Effeff. Nur wenn die Wetterbedingungen zu widrig waren, ging’s in die Sporthalle im Keller oder die Vereinshalle gegenüber zum Bodenturnen oder an die üblichen Turngeräte. Egal wie und was – es war jedenfalls nie mein Ding. So fielen die Noten entsprechend aus: ausreichend, gerade so.
Dazu noch Werkunterricht mit Kaffeefilterhalter bauen und Segelschiff schnitzen. Lange Geschichte schnell erzählt: ausreichend, manchmal befriedigend. Zwei Problemfächer, die mich in der fünften und sechsten Klasse in der Gemeinsamen Orientierungsstufe von Realschule und Gymnasium in Kusel wahnsinnig piesackten.
Warum ich die Geschichte an dieser Stelle erzähle? Der Lehrer, ob Sport oder Werken, hieß Horst Eckel. In seinen letzten beiden Berufsjahren, er ging 1995 in Kusel in den Ruhestand, ist Horst Eckel noch einmal auf die Probe gestellt worden. Meine schlechten Noten kamen nicht von ungefähr: Nie unverschämt oder böswillig, aber unsportlich und unmotiviert, mussten wir da beide zusammen durch. Auch durch die Elternabend-Sprechstunden, bei denen stets erstaunlich viele Väter den Austausch mit Eckel suchten und etwas über die Leistungen ihrer Kinder wissen wollten. Ich, damals zwölf, 13 Jahre alt, wusste mit dem „Wunder von Bern“ oder der „Walter-Elf“ nichts anzufangen. Viele Mitschüler (und deren Väter) dagegen schon.
Eckel-Stunden waren für mich bloß anstrengend, wie es für ihn Ginkel-Stunden gewesen sein müssen. Ein Filmdokument der Kollegen des SWF – heute SWR – belegt das spezielle Verhältnis: Ein Kamerateam hatte den angehenden Ruheständler ’95 in seinen letzten Unterrichtsstunden begleitet. In der ersten Szene des Beitrags laufen die Schüler gut gelaunt auf den eingangs erwähnten Sportplatz des FV Kusel ein. Und dann kommt da noch Benjamin Ginkel gemütlich hinterher getrabt. Es war wie eine Szene in einer mittelmäßigen Komödie. Horst Eckel muss kopfschüttelnd daneben gestanden sein ...
Jedenfalls wurde er wenige Tage später in der Realschul-Aula (heute übrigens das Horst-Eckel-Haus) angemessen in den Ruhestand verabschiedet. Reden, Gesang, Aufführungen. Nach dem offiziellen Programm nahm mich Horst Eckel plötzlich zur Seite: „Benjamin, Du wirst nie ein Sportler – und besser auch kein Handwerker. Aber Du machst Deinen Weg, da bin ich sicher.“ Er gab mir die Hand und legte die andere auf meine Schulter.
Daran hab’ ich seitdem schon etliche Male zurückgedacht. Diese Geste hat mich nachhaltig beeindruckt. Leider hatten sich unsere Wege seitdem nicht mehr gekreuzt. Gern hätte ich ihm noch gesagt, dass er in gewisser Weise recht hatte: Ich mache bis heute um Sport und Handwerk einen großen Bogen.
Leser-Aufruf
Liebe Leserinnen und Leser, wie sind Sie Horst Eckel begegnet und wie haben Sie ihn kennengelernt? Als „Held von Bern“, als FCK-Ikone oder als Nachbar? Vielleicht auch bei einem seiner sozialen Engagements? Schicken Sie Ihre Erinnerung – gerne mit Foto – per E-Mail an die Redaktion: redkai@rheinpfalz.de. Name und Telefonnummer nicht vergessen!