Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Zum 59. Mal „Nuit de la Chanson“

Von der Saar an die Lauter: Sängerin Jeannette Dalia Curta auf der Kammgarn-Bühne.
Von der Saar an die Lauter: Sängerin Jeannette Dalia Curta auf der Kammgarn-Bühne.

Was macht ein Saarländer, wenn die A6 gesperrt ist? Er fährt zweimal die A3. So unbedarft ist natürlich die saarländische Sängerin Jeannette Dalia Curta nicht, die am Freitagabend bei der 59. „Nuit de la Chanson“ im Cotton Club der Lauterer Kammgarn zu Gast war. Ohne Umwege eroberte sie die Sympathie des Publikums.

Jeannette Curta ist Saarbrückerin mit rumänischem Background, hat ihre Kindheit auf den Kanaren verbracht und in Paris und in Köln gelebt. Ihr ganzes Leben lang ist sie schon international geprägt. Das lässt sie in ihre Musik fließen. Ihre Stimme glitzert und funkelt wie die zahllosen Sterne auf ihrem schwarzen Glitzerkleid.

Eine Stimme wie eine Mischung aus Samt und Stahl. Die Kunst des Singens liegt jedoch zuletzt darin, dass die Anstrengung des Singens nicht zu spüren ist. Darin hatte sie anfangs Probleme. Ihre Stimme war da noch zu hart. Sie stützte ihre Interpretationen auf die Mittel der Deklamation und einer zugespitzten, manieristischen Artikulation.

Jemand hat mir gesagt...

So einschmeichelnd wie die Piaf wusste sie deren Hit „La vie en rose“ nicht zu singen. Man vermisste eine gewisse Elastizität in der Stimme Nicht zu überhören war allerdings bei diesem Piaf-Song, aus dem sie einen Latin gemacht hatte, dass sie über eine gute Gesangsausbildung verfügt und Jazzgesang studiert hat. Die Kunst der Improvisation ist noch ausbaufähig, ihre Intonation war für eine Jazzvokalistin zu „sauber“, zu rein.

Mit dem Bossa Nova „Jardin d’hiver“ und Carla Brunis „Quelqu’un m’a dit“ hatte sich die Vokalistin eingesungen und überzeugte von da an auf der ganzen Linie. Sowohl mit ihrer extrem hohen Stimme als auch mit zungenakrobatischem Scat-Gesang begeisterte sie das Publikum. Die Stimme der Jeannette Curta war jetzt selbst in hohen Lagen weicher und sehr ausdrucksvoll. So flammte ihre Stimme in Michel Legrands Chanson „Et demain que feras tu de la vie“ mit gleißender Brillanz auf und war makellos in der Attacke. Das Publikum stand bei „Couleur Café“, das Jeannette gemeinsam mit Gastgeberin Pauline Ngoc sang, nicht nur Kopf: Alle Besucher standen auf und klatschten im Takt der Musik begeistert mit.

Unter der Sonne

Jeannette Curtas Kompagnon Öztürk Murat aus Metz war nicht nur am Klavier ein brillanter musikalischer Begleiter, er erwies sich mit dem Song „Under the Sun“ auch als ausdrucksvoller Sänger. Auch im zweiten Teil wussten die beiden, jetzt mit schönen eigenen Songs, zu begeistern. Jeannette Curta zeigte sich auch als gute Soul-Sängerin.

So konnte die polyglotte Vokalistin, die mehrere Sprachen beherrscht, im Jahr 2011 bei der ersten Staffel an „The Voice of Germany“ erfolgreich teilnahm und sich seitdem vom Geheimtipp zur international bekannten Sängerin mit souliger Powerstimme entwickelt hat, auch im Cotton Club mit Erfolg bestehen. Rein gar nichts hat sie vom angeblichen saarländischen „Laissez faire“.

Sinnliche Pauline Ngoc

Ebenso war Pauline Ngoc an diesem Abend gut drauf. Bei Songs von Charles Trenet, Claude Nougaro, Sacha Distel oder Bob Dylan war ihre Stimme ausgesprochen dunkel getönt, ungemein voluminös und dennoch glänzend zentriert. Charakteristisch ihr sanfter, selbst im Piano substanzvoller Klang. So bezauberte sie die Hörer durch die Sinnlichkeit des Klangs, die von einer Spur orphischer Trauer durchzogen wurde. In dieser Form ist Pauline unschlagbar. Ansonsten brannte bei den dichten und interaktiven „Gesprächen“ zwischen Pauline und Jeannette stetig die Luft.

Mit vorwärts strebendem Schlagzeug (Michael Lakatos), treibenden Bassläufen (Wolfgang Janischowski), den aufregend perlenden Notenketten auf dem Piano (Martin Preiser) sowie den hochinspirierten und heißlaufenden Gitarrensoli von Jonas Maurer und Vincenzo Carduccio auf dem Akkordeon setzte die Begleitband Glanzlichter. Ein idealer Soundtrack zum Frustabbau.

Den haben die Saarländer jedoch nicht nötig. Wie Moderatorin Ina Bartenschlager erzählte, versammeln sich dort die Männer angeblich an der Mauer, schauen dem Hochwasser gemütlich zu, trinken ihr „Katastrophenbier“ und hoffen, dass der Sommer endlich kommt.

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