Kaiserslautern „Zu positiven Menschen werden“
Eine Schule, die jedem Schüler eine Chance gibt und von der Heterogenität ihrer Schüler lebt – das ist die Kurpfalz-Realschule plus, wie Schulleiterin Dorothea Zink schildert. Bläserklassen, ein großes Orchester und eine Fußballförderung gehören zum Angebot.
Rund 50 Lehrer, einschließlich der Referendare und 620 Schüler, von denen etwa 330 einen Migrationshintergrund haben, gibt es an der Schule. Rund 90 Kinder davon seien vor zwei bis drei Jahren nach Deutschland gekommen. In Intensiv- und Deutschkursen werden sie gefördert, wie Ralf Netscher, der stellvertretende Schulleiter, schildert. Die Schüler stammten aus 27 verschiedenen Nationen: „Das ist auch schön so, das Zusammenleben klappt gut“, erzählt Zink. Die Schule lebe von der Heterogenität und habe eine starke Schulgemeinschaft. Es sei wichtig, die Kinder da abzuholen, wo sie stehen und sie sowohl zu fördern, als auch zu fordern, betont Zink. Die Kurpfalz-Realschule plus ist eine Realschule in kooperativer Form, an der die Abschlüsse Berufsreife nach Klasse 9 sowie der Qualifizierte Sekundarabschluss I nach Klasse 10 gemacht werden können. Kooperativ bedeute, dass die Schüler nach der 6. Klasse in zwei Züge aufgeteilt werden: die Berufsreifeklassen und die Klassen der Sekundarstufe I. Die Kinder besuchten allerdings weiterhin etliche Fächer gemeinsam, darunter Sport, Religion und die Wahlpflichtfächer. Die Teilung funktioniere sehr gut, eine Stigmatisierung gebe es nicht. „Die Kinder können den Bildungsgang zu jedem Schuljahr wechseln“, sagt Zink. Wer am Ende der 9. Klasse ein gutes Zeugnis erhalte, könne in die 10. Klasse querversetzt werden, was regelmäßig vorkomme. „Oft wird in der 9. Klasse der Ehrgeiz geweckt“, berichtet Zink. Etwa die Hälfte der Schüler der 10. Klasse habe am Ende einen Notendurchschnitt, der sie zum Besuch einer weiterführenden Schule qualifiziere. Bei Berufspraktika in der 8., 9. und auf Wunsch in der 10. Klasse erhalten die Schüler einen Einblick in die Berufswelt. Die Schüler des Berufsreifezweigs haben einmal die Woche einen Praxistag, in dem sie einen Ausbildungsbetrieb besuchen. „Einige bekommen dadurch einen Ausbildungsvertrag, weil sie den Arbeitgeber überzeugen“, berichtet Zink. Sie schätzt, dass dies bei rund der Hälfte der Ausbildungen so sei. Informationen über die Berufsbildenden Schulen, Besuche der Berufsmessen und der Austausch mit Berufseinstiegsbegleitern gehörten ebenfalls zur Vorbereitung auf das spätere Arbeitsleben. Die Berufseinstiegsbegleiter unterstützten die Schüler bei Praktika und Bewerbungen. Diese Unterstützung laufe während der Ausbildung weiter, so Zink. Weiter gebe es an der Schule eine Lernwerkstatt und eine Berufsorientierungs-AG. In den Berufsreife-Klassen werde nach Möglichkeit das Klassenleiterprinzip angewendet, das heißt, dass die Klassenleiter so viele Fächer wie möglich unterrichten. „Da baut man eine ganz andere Beziehung zu den Kindern auf“, nennt Zink einen Vorteil. An der Kurpfalz-Realschule gibt es sowohl einen musischen als auch einen sportlichen Schwerpunkt. In der 5. und 6. Klasse gibt es „Bläserklassen“, in denen die Kinder mehr Musikunterricht erhalten. Hier können die Kinder ein Instrument erlernen und ab der 7. Klasse ins Kurpfalz Blasorchester mit Big Band eintreten. Als Eliteschule des Fußballs gilt ein besonderes Augenmerk dem Fußball, in Klasse 5 und 6 gibt es die Fritz-Walter-Fußballförderung. Der FCK-Spieler Manfred Osei Kwadwo etwa sei Schüler an der Kurpfalz-Realschule gewesen, erzählt Zink. Die Sportanlagen auf dem Gelände ermöglichten ein großes Sportangebot. In der 5. Klasse starten alle Schüler mit Englisch als erster Fremdsprache. In der 6. Klasse können sie wählen zwischen Französisch oder einem anderen Wahlpflichtfach. Wer sich gegen Französisch entscheidet, lerne im Verlauf der 6. Klasse alle Wahlpflichtfächer kennen: Hauswirtschaft und Sozialwesen, Technik und Naturwissenschaft sowie Wirtschaft und Verwaltung. Am Ende der 6. Klasse entscheiden sich die Kinder für ein Fach. Die Wahlpflichtfächer sind lebenspraktisch ausgerichtet. „Wir bereiten die Schüler auf das Leben vor, sie sollen zu lebenstauglichen, positiven Menschen werden“, sagen Zink und Netscher. Praktische Beispiele: Die Schüler organisieren den Kioskverkauf selbst. Am „gesunden Tag“ bereitet eine Wahlpflichtfachgruppe gesunde Pausensnacks vor, die verkauft werden. Die Klasse 9f habe eine Schülerfirma gegründet und verkaufe einmal die Woche Dinge, die Schüler oft vergessen – Lineale, Hefte, Geodreiecke und Ähnliches. „Das wird sehr gut angenommen“, sagt Zink. Das soziale Lernen steht in den Klassen 6 bis 9 im Fokus, an der Schule gibt es zwei Schulsozialarbeiter. Kinder mit LRS und Dyskalkulie werden gefördert, zudem gibt es Förder-AGs in Mathe, Deutsch und Englisch. Ab der 7. Klasse können die Schüler zudem ein Neigungsfach belegen, dazu zählen unter anderem Musik, Kunst, Sport, Computer und – ab diesem Jahr – das Fach Glück. In der 7. Klasse steht eine Woche Klassenfahrt Ski an, in der 9. oder 10. Klasse gibt es eine Abschlussfahrt. Als Ganztagsschule in Angebotsform bietet die Schule an den Nachmittagen viele AGs. Rund 150 Ganztagsschüler gebe es. Jeden Donnerstag stehen die AGs allen Schülern offen – egal, ob sie das Ganztagsangebot nutzen oder nicht. Eine der beliebtesten AGs sei Kochen und Backen in der neuen Lehrküche, schildert Zink. Einmal im Jahr zeige die AG Musical ihr neuestes Werk: „Das ist gigantisch, was die da machen“, lobt Zink. Von der Technik über die Kulisse bis hin zu den Kostümen stamme alles von den Schülern.