Kulturzentrum Kammgarn RHEINPFALZ Plus Artikel Young Rebel Set in der Kammgarn: Großer Auftritt

Widmete sich dem musikalischen Erbe des verstorbenen Matthew Chipchase: Young Rebel Set beim Konzert im Cotton Club der Kammgarn
Widmete sich dem musikalischen Erbe des verstorbenen Matthew Chipchase: Young Rebel Set beim Konzert im Cotton Club der Kammgarn.

Gleich zwei besondere Supporter vor der Haupt-Band, ein nicht ganz alltäglicher Stil, eine ungewöhnliche Hintergrund-Geschichte hinter dem Auftritt und der aktuellen Tour.

Dieses Konzert der britischen Band Young Rebel Set am Freitagabend im Cotton Club der Kammgarn war in mehrerer Hinsicht etwas anders ...

Zum Stil und zum Hintergrund: Die nordenglische Band wurde 2008 von Sänger, Gitarrist und Komponist Matthew „Matty“ Chipchase gegründet und löste mit ihrem nicht gerade alltäglichen, gleich mehrere Stilrichtungen elegant verbindenden (Folk-) Rock Plus schon bald danach bei Presse und Live-Publikum – auch in Deutschland – einige Begeisterung aus.

Entschluss für neue Tournee

Eine schwere Erschütterung erfuhr die Gruppe, als Matthew Chipchase 2019 im Alter von nur 35 Jahren verstarb. Die Band wusste nicht, ob und wie es ohne ihn weitergehen sollte. Jahrelang war es still um Young Rebel Set geworden – bis ein Gedenkkonzert zu Chipchase’ 40. Geburtstag im vergangenen Jahr die Wende und den Entschluss zu einer neuen Tournee brachte. Eines der Konzerte davon war nun jenes in Kaiserslautern.

Der erste „Eisbrecher“ des Abends – sofern man bei dieser Band überhaupt einen gebraucht hätte – war Tom Blackwell, ein enger Freund des verstorbenen Frontmanns und nun neuer Sänger der Band. Mit Stimme, Gitarre und zeitweise umgehängter Mundharmonika (was seinen selbst geschriebenen Titeln bisweilen einen interessanten „dylan-esken“ Anstrich gab) setzte er rein solistisch einen dem folgenden Stilbereich schon recht nahen ersten Höhepunkt des langen Abends.

Solist mit Eigenkompositionen

Auch der zweite Supporter hatte es in sich. Der aus dem Hohen Norden kommende Gitarrist und Sänger Sönke Torpus kam diesmal sozusagen als einziges Mitglied seines auch wesentlich größer auftretenden Low Key Orchestra. Er überzeugte ebenfalls äußerst kraftvoll und pointiert – von wegen kühler Norddeutscher – als Solist mit Eigenkompositionen, hier dann vornehmlich auf dem Genre-Areal zwischen versiertem Indie-Folk und anspruchsvollem Rockpop. Tiefer gehende Texte verliehen seinen Songs noch zusätzliche Qualität.

Und schließlich Young Rebel Set. Die Musiker kamen ganz unspektakulär auf die kleine Bühne und lieferten fortan Spektakuläres in einem großen Konzert. In vorderster Linie agierte dabei Tom Blackwell, der gar nicht erst etwa versuchte, Matthew Chipchase zu ersetzen, sondern allenfalls mit quasi eigenen Schuhen in die Richtung ging, die der Bandgründer einst vorgegeben hat.

Emotionale Songs

Unterstützt und angetrieben von den Gitarristen Andrew Parmley und Andy Bensley, Bassist Chris Parmley, Keyboarder Alfie Anable und Schlagzeuger Luke Evans lieferte das Sextett in enger, auch emotionaler Kooperation Songs vor allem aus den bisherigen drei Alben der Band. Aber auch das ganz neue, erst im Juli erschienene „Anchorage“, das noch von Matthew Chipchase geschrieben wurde, war dabei – und verstärkte den gelegentlich aufschimmernden Eindruck, dass man nicht nur diesen Titel dem Bandgründer widmete.

Auch nach dem Konzert, das mit einer satten dreiteiligen Zugabe endete (zuletzt war dann auch noch einmal verstärkend Sönke Torpus mit dabei), war noch nicht alles an Positivem vorbei. Ganz nahbar stand da Tom Blackwell hinterm Merchandise-Tisch und unterhielt sich locker und angeregt mit begeisterten Fans. Gute Auftritte enden nicht unbedingt immer mit dem letzten Ton ...

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